Kurt König

DTM in der Noris: Ein Schwabacher erinnert sich

Der Schwabacher Kurt König mit seinem BMW 320.

Der Schwabacher Kurt König mit seinem BMW 320. © frei/Archiv, NN

Kurt König muss schmunzeln. Beim Begutachten seiner Unterlagen dieser Tage stieß der einstige Rennfahrer auf Erstaunliches. "Es ist 40 Jahre her, dass ich erstmals auf dem Norisring bei den 200 Meilen gefahren bin", wundert sich der heute 67-Jährige. Ein passendes Erinnerungs-Geschenk für den BMW-Privatfahrer beim einstigen Auto-Maas-Team Schwabach.

40 Jahre danach: Ex-Rennfahrer Kurt König aus Schwabach erinnert sich vor dem DTM-Finale. 

40 Jahre danach: Ex-Rennfahrer Kurt König aus Schwabach erinnert sich vor dem DTM-Finale.  © Matthias Hertlein, NN

Elf Mal startete König beim fränkischen Monte Carlo am Dutzendteich. Jetzt zum DTM-Finale 2021 am Wochenende (9./10. Oktober) ist er als Zuschauer vertreten, bewundert einen der Topfavoriten aus Fürth: Marco Wittmann. "1979 war mein erster Start in Nürnberg", erinnert sich König. Er fuhr mit seinem BMW 320 auf Rang acht, mit seinem BMW M1 1990 auf Rang zwei, 1981 mit seinem BMW M1 auf Platz neun.

Ein Sieg in Zolder

1991 belegte der Franke, einst in Abenberg daheim, Rang 20. Zum Racing-Team gehörten Kurt Arend, der Chefmechaniker, Jürgen Liehret, der zweite Mechaniker. König brachte es auf insgesamt 122 DTM-Rennsporteinsätze. Seinen größten Rennsport-Erfolg und einmaligen Sieg feierte er 1986 im belgischen Zolder. König bekennt: "Elf Mal Norisring ist für einen Amateur, wie ich es war, auch nicht schlecht."

Der junge Rennfahrer Kurt König im Cockpit.

Der junge Rennfahrer Kurt König im Cockpit. © privat/Archiv, NN

Das größte Manko als Privatfahrer: "Du bist halt nie an Werksmotoren ran gekommen, wir hatten immer privat-fertiggemachte Motoren. Da hatte man beispielsweise auf dem Norisring keine Chancen, die Konkurrenz hatte 30, 40 PS mehr unterm Hintern. Da warst du auf den langen Passagen chancenlos."

Auf allen Hochzeiten

König ist Rennfahrer und rund um die Rennen auch das "Mädchen für Alles". Kurt: "Die Teilnahme am Rennen selbst war kein Problem, aber die Organisation rund herum: Freiwillige Helfer organisieren, Verpflegung für Firmenkunden und Gäste besorgen, und wir hatten nicht die Technik wie die Werksfahrer. Dritter, Vierter, Siebter, Neunter waren dennoch sehr passable Ergebnisse."

Seine ersten Motorsport-Erfahrungen sammelte König, jetzt Vater zweier erwachsener Töchter und eines Sohnes, bei den Eurohill-Bergrennen ab August 1973, "da war ich in Nordbayern ganz gut, ich glaub, ich war auch mal Bayerischer Vizemeister." Hans-Joachim "Strietzel" Stuck war Königs Vorbild, "ihn habe ich in jungen Jahren schon verehrt". Der Grainauer Motorsport-Star und Formel-1-Pilot hatte aber auch Königs Talent und Fähigkeiten erkannt.

Für die Firma, gegen Stuck

Er kam extra mal von München in die Firma nach Schwabach und wollte den Kurt als BMW-Werksfahrer verpflichten. Schon eine besondere Ehre. "Die Entscheidung dagegen war vielleicht mein größter Fehler", bekennt König heute.

Vater Ludwig ("Geh mal lieber schön bei mir in der Firma arbeiten") war dagegen, auch Kurt dachte ähnlich, "eigentlich sehe ich meine Zukunft eher in der Firma." Das besondere Ansinnen nach jedem Rennen: "Mir war wichtig, dass ich am Montag wieder gesund in die Arbeit gehen konnte."

König schoss den Prinzen ab

Kontakte zu Jochen Maas oder Klaus Ludwig, zum alten Kämpfer Stuck oder Ski-Ass und Rennfahrer Franz Klammer bestehen noch heute. In Berlin auf der Avus hatte Kurt König mal mit Prinz Poldi von den Bayern einen Riesenunfall gehabt, die BILD-Schlagzeile blieb haften: "König schoss den Prinzen ab."

Wenn er am Wochenende zum Norisringrennen geht, hat König "ein besonderes Auge" für das Franken-Idol Marco Wittmann. Der 31-jährige Rennfahrer gewann 2014 und 2016 die Gesamt-DTM. Und er rechnet sich bei den "Heimspielen" wieder einiges aus. König: "Ich drücke ihm die Daumen."

Aus den 20 Rennsport-Jahren gab es Anekdoten ohne Ende. König konnte einen Streit mit dem Finanzamt abwenden, das ihn wegen Sponsor-Werbeeinnahmen belangen wollte. Als König mal in Zolder in einem weißen BMW an den Start ging, kam tags darauf ein Anruf von einem Jägermeister-Manager. "Glauben sie nicht auch, dass ein schneeweißer Wagen ein wenig blöd aussieht?" König heute: "Erst wusste ich gar nicht, was der wollte". König bekam so aber seinen ersten vernünftigen Sponsor: "Da war ich mit Stuck zusammen in der ersten Startreihe, das hat dem Manager wohl gefallen."

Auch der Club stand zur Wahl

Vor dem Rennsport war König Fußball-Torwart in der A-Jugend beim SV Abenberg und auch ein halbes Jahr beim Club tätig, der legendäre Club-Keeper und Meisterspieler Roland Wabra war sein Förderer und Fürsprecher. "Da war ich 16 Jahre, aber ich hatte nicht den unbedingten Ehrgeiz zur Fußball-Karriere.

Viermaliges Training und die umständliche Anreise von Abenberg zum Clubgelände, das war nicht meins. Vater Ludwig hatte mir dann einen vorzeitigen Führerschein beschafft, das Autofahren war der Grund, warum ich mich lieber für den Motorsport begeisterte." Nicht die schlechteste Entscheidung, auch nach 40 Jahren.