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Nürnberg ist Whisky-Hochburg

Beim Basisseminar lernen die Teilnehmer alles über Geschmack und Geschichte - 23.01.2014 15:10 Uhr

Sechs verschiedene Whiskys probieren die Teilnehmer. Vom deutschen Single Malt bis zum schottischen Blend ist alles dabei. © Jean-Pierre Ziegler


„Einer geht noch vor dem Essen“, sagt Thomas Munique. Die Stimmung der Gruppe wird immer besser. Zehn Männer und eine Frau sitzen an zusammengestellten Tischen des Gelben Hauses direkt an der Bar. Die terrakottafarbenen Wände sind in gedämpftes Licht getaucht.

Munique steht im Kilt vor der Gruppe, am Revers seines graublauen Sakkos kreuzen sich die deutsche und die schottische Flagge. Drei Whiskys haben die Teilnehmer schon probiert — und allerhand Neues erfahren. Etwa, dass kelchförmige, sogenannte Nosing-Gläser besser für den Geschmack sind als die klassischen Tumbler mit dem dicken Boden. Außerdem lässt sich das Getränk laut Munique so besser schwenken und riechen. Also schwenkt die ganze Gruppe, und dann stecken fast gleichzeitig zwölf Nasen in den Gläsern. Autofahrer-Tasting nennt Munique das, weil noch nicht getrunken wird.

„Riecht dezent nach Holz“, sagt Maximilian Stannetter. Er hat die erste Sorte, den Spinnaker aus Eggolsheim bei Forchheim, im Glas. „Ich habe mittlerweile die 30 überschritten und wollte mal was ,Erwachsenes‘ trinken“, sagt er. Und hat auch gleich seinen Kumpel Simon Kretschmer mitgenommen. Zusammen haben sie Whisky bei einem Urlaub auf Teneriffa für sich entdeckt.

Maximilian Stannetter (links, rotes Sakko) und sein Kumpel Simon Kretschmer (rechts daneben) probieren die erste Sorte. Jeder hat eine Karaffe Wasser und eine Pipette vor sich, um den Whisky zu verdünnen. © Jean-Pierre Ziegler


Wie alle Anwesenden, sind die beiden Neulinge — für die ist das Basisseminar ja auch gedacht. „Wir fangen bei Adam und Eva an“, sagt Munique. Und klärt erst mal auf, welche Sorten es gibt. „Single Malt“ bedeutet, dass der Whisky nur aus einer Brauerei kommt und ausschließlich aus gemälzter Gerste hergestellt wurde. Bei „Blend Whisky“ handelt es sich um einen Verschnitt aus verschiedenen Sorten. Zudem sei es völlig legitim, das Getränk mit Wasser zu verdünnen. Selbst der britische Premier mache das so. Aus gutem Grund: Der hohe Alkoholanteil greift den Mund an, vom Geschmack des edlen Tropfens bleibt dann nicht mehr viel. Deswegen hat jeder eine Wasserkaraffe und eine Pipette vor sich.

Vorsichtig träufelt Simon Kretschmer einige Tropfen Wasser in sein Stielglas. Der Fuhrparkleiter aus Würzburg hat zum Geburtstag einen Gutschein geschenkt bekommen — und sich für das hochprozentige Seminar entschieden. Auf dem Weg nach Nürnberg — er kam mit dem Zug — hat er noch schnell eine Grundlage geschaffen: „Ich war bei McDonald’s.“

Keine schlechte Idee. Doch die Stimmung bleibt auch mit jeder neuen Flasche Whisky gediegen. Die Teilnehmer sind neugierig auf Infos, und Munique hat reichlich davon. So ist die Farbe des Whiskys kein Qualitätsmerkmal. „Je dunkler, desto besser, das ist eine Marketing-Lüge“, sagt er. Viele Firmen würden mit einem dunklen Sirup nachhelfen. Wichtiger sei die Reifezeit, denn der Geschmack komme zu 70 Prozent vom Fass.

„Ich habe kein Alkoholproblem“

Munique ist eigentlich Bankangestellter. Der gebürtige Nürnberger gibt etwa 15 solcher Seminare im Jahr, bei denen er nie selbst trinkt. Auch wenn es ihm oft unterstellt wird: „Ich habe kein Alkoholproblem“, sagt er. Im Gegenteil: Als Genusstrinker bleibe es bei vier Gläsern im Monat. Selbst wenn er gestresst ist und seine Frau ihm vorschlägt, dass er einen Whisky trinken soll: „Ich trinke nur, wenn ich bereits entspannt bin.“

Maximilian Stannetter ist überzeugt von der Veranstaltung. „Im richtigen Kreis werde ich jetzt öfter mal Whisky trinken.“

Mehr Informationen über das Gelbe Haus in unsere Rubrik Essen und Trinken! 

jpz

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