Wegen Ukraine-Krieg

Preise steigen rasant: Droht jetzt auch noch ein Fleisch-Engpass?

15.3.2022, 13:12 Uhr
Verschiedene Sorten Fleisch liegen in einem Supermarkt. Die Preise für Fleisch sind zuletzt kräftig gestiegen.

© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa Verschiedene Sorten Fleisch liegen in einem Supermarkt. Die Preise für Fleisch sind zuletzt kräftig gestiegen.

Fleisch und Wurstwaren könnten in Deutschland bald teurer werden. Immer mehr große Fleisch- und Wurstwarenhersteller fordern vom Einzelhandel Preiserhöhungen. Grund sind die Auswirkungen des Ukraine-Krieges.

"Sind gezwungen, Zuschlag zu erheben"

Deutschlands zweitgrößter Fleischverarbeiter Vion teilte am Freitag mit: «Insbesondere aufgrund der anhaltend hohen und weiter steigenden Energiekosten bei der Strom-, Gas- und Treibstoffversorgung in den Bereichen der Produktion und Lebensmittellogistik sind wir schlichtweg gezwungen, für alle Lieferungen an unsere Kunden von kommender Woche an auf den Rechnungen einen Zuschlag in Höhe von 5,2 ct/kg (netto) zu erheben.»

Nicht nur Vion schlägt Alarm. Der zweitgrößte deutsche Wursthersteller The Family Butchers (TFB) klagte in einer Anzeige im Branchenfachblatt Lebensmittel Zeitung, dass der Umbruch in der Branche und die weltpolitischen Ereignisse zu einer Kostenexplosion führen. Dies sei für viele Betriebe existenzbedrohend.

Nur Handel und Hersteller könnten diese Herausforderung gemeinsam bewältigen. Wie? Über ein faires Miteinander: «Dies gilt insbesondere, wenn es um Preisanpassungen geht, die notwendig sind, um als Erzeuger und Produzent die Kostenkrise überstehen zu können», betonte das Unternehmen.

Tönnies: "Existenzbedrohende Szenarien in der Fleischwirtschaft"

Marktführer Tönnies erklärte, schon die vergangenen Monate seien wegen der Corona-Krise und anderer Probleme nicht einfach gewesen. Nun führe der Krieg in der Ukraine sowie der parallel explodierende Schweinepreis zu "existenzbedrohenden Szenarien in der Fleischwirtschaft".

Tönnies verwies unter anderem darauf, dass die Preise auf dem Schweinefleischmarkt innerhalb von drei Wochen um über 45 Prozent gestiegen seien. Der Rindfleischpreis befinde sich sogar auf einem Allzeithoch - mit steigender Tendenz. Auf dem Geflügelmarkt fehle viel Hähnchenbrustfilet aus der Ukraine. Damit nicht genug: Auch die Preise für Energie, Futtermitteln und in der Logistik explodieren derzeit.

Neben Vion und Tönnies klagte auch Westfleisch, die Nummer 3 unter Deutschlands Fleischverarbeitern, in dieser Woche, dass im Zuge des Kriegs die Rohstoffpreise in nie gekannter Größenordnung angezogen hätten.

Schon am Mittwoch warnten die Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, dass die Agrarbetriebe unter der Verknappung und dem Preisanstieg bei Mineraldünger und Treibstoffen litten. Die Landwirte müssten die höheren Kosten an die Abnehmer und damit letztlich an die Verbraucher weiterreichen können.

Ob die Ampelkoalition der Industrie entgegenkommt? Eher unwahrscheinlich: Wie die Welt berichtet, bleibt Hilfe aus der Politik wohl eher aus - denn die Branche verliert seit Jahren an Fürsprechern im Bundestag. Bereits unter der großen Koalition wurden die Zügel in der Branche angezogen und Vorschriften verschärft.

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