Fragen und Antworten

Faktencheck: Das steckt hinter den Mythen zur Corona-Impfung

Tim Sohr

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10.8.2021, 14:52 Uhr
Es kursieren viele Gerüchte - auch um die Impfung für Kinder.

© Mareen Fischinger via www.imago-images.de, ARC Es kursieren viele Gerüchte - auch um die Impfung für Kinder.

Wurden die Impfstoffe ausreichend geprüft?

In der EU erhielten die ersten mRNA-Impfstoffe Ende Dezember 2020 sowie Anfang Januar 2021 die Zulassung. Erste Ergebnisse über die ermittelte Wirksamkeit ihrer Impfstoffe gab es bereits, da die Firmen Biontech und Moderna ihre entscheidenden Phase-III-Studien bereits abgeschlossen haben. Diese Daten prüfte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) vor der Zulassung; sie nahm eine umfassende wissenschaftliche Bewertung des Impfstoffs vor. Seit dem offiziellen Start der Impfung wurden mittlerweile Hunderte Millionen Menschen mit mRNA-Vakzinen geimpft. Gefährliche Nebenwirkungen sind dabei vergleichsweise selten aufgetreten.

Covid-Impfstoffe schützen nicht, sondern lösen nur die Krankheit aus?

Falsch. Wie behauptet wurde, sollte das in der Impfung enthaltene Spike-Protein dafür sorgen, dass die Krankheit im Körper ausgelöst wird. Jedoch ist nicht das Protein selbst in der Impfung enthalten, sondern lediglich die Information für den Herstellungsprozess. Das Spike-Protein wird bei den gängigen Impfstoffen von den menschlichen Zellen selbst hergestellt. Das bedeutet: Impfstoffe lösen die Entstehung von Spike-Proteinen aus, die im Köper dann eine Immunantwort bewirken. Danach verschwinden die Spuren des Spike-Proteins im Körper.

Ist die Einstichstelle am Arm nach der Impfung magnetisch?

Nein, auch wenn manche Videos im Internet diese Annahme suggerieren. Die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer sowie die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Janssen enthalten laut Inhaltsstoff-Liste keine magnetischen Materialien wie etwa Metalle. "Dass in einigen Videos Magnete an der Einstichstelle haften, liegt an der sogenannten Adhäsions- oder auch Anhangskraft. Diese kann durch Schweiß, Fett oder Öle auf der Hautoberfläche verstärkt werden", schreibt das Bundesgesundheitsministerium in einer Infografik.

Sterben Geimpfte häufiger an der Delta-Variante?

Nein. Eine fälschlich errechnete Sterblichkeitsrate, die auf den Daten eines Reports der Behörde Public Health England (PHE) beruht, sorgte für Irritation. Der Report zeigt nämlich klar, dass Menschen mit Corona-Schutzimpfung ein deutlich geringeres Risiko haben, sich überhaupt zu infizieren. Der PHE-Report betont zudem, dass die Impfungen von AstraZeneca und Biontech/Pfizer eine hohe Wirksamkeit auch gegen die Delta-Variante haben: nach der zweiten Dosis zu 80 Prozent vor symptomatischen Erkrankungen und zu 94 Prozent vor Krankenhausaufenthalten.

Schwächen Corona-Impfungen auf Dauer das Immunsystem?

Nein. Zwar ist laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nicht auszuschließen, dass sich bei Covd-19 sogenannte Infektionsverstärkende Antikörper bilden, aufgetreten ist ein solcher Fall jedoch noch nicht. Gleichzeitig ist jenes Risiko bekannt, da es bei anderen Viruserkrankungen bereits auftrat. Daher verlangte das PEI bei der Entwicklung der Impfstoffe nicht-klinische Untersuchungen und während der klinischen Prüfung auch entsprechende Daten.

Wurde der Moderna-Impfstoff gegen Covid-19 schon 2019 entwickelt?

Nein. Zwar gab es eine unterzeichnete Vereinbarung zwischen dem Hersteller Moderna und dem Direktor des US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, jedoch handelte es sich hierbei um die Entwicklung für Impfstoffe gegen andere Coronaviren - wie das Mers-Virus.

Enthalten Corona-Vakzine den Stoff Graphenoxid?

Die Rede ist vom Stoff Graphenoxid. Dieser soll zu Entzündungen von Lungen-, Herz- und Hirngewebe führen und von einem spanischen Forscher im Biontech-Impfstoff gefunden worden sein. Jedoch ist auf den öffentlich zugänglichen Zutatenlisten aller Impfstoffe nichts von Graphenoxid zu finden. Zudem beruhte sich der Forscher bei seiner Analyse auf ein Vergleichsfläschchen, dessen Herkunft unklar ist. Die Universität Almeria distanzierte sich längst von jener Analyse.

Führen Corona-Impfungen zu Entzündungen an Implantaten?

Es wurde behauptet, dass Corona-Impfungen Blutgerinnsel im Darm verursachen, wodurch Kolibakterien in die Blutbahn und an Implantate im Körper gelangen, wo sie schwere Entzündungen verursachen sollen. Dafür gibt es jedoch keine Belege, der Berufsverband der Magen-Darm-Ärzte hält dies zudem für ausgeschlossen. Viel mehr gehe eine Infektion mit dem Coronavirus in bis zu 20 Prozent der Fälle mit Magen-Darm-Symptomen einher. Der Verband rät daher, sich impfen zu lassen.

Sorgt eine Impfung bei schwangeren Frauen häufiger zu einer Fehlgeburt?

Diese Annahme suggeriert eine Studie des New England Journal of Medicine (NEJM). Demnach gab es bei 12,6 Prozent der Studienteilnehmerinnen eine Fehlgeburt nach einer Corona-Impfung. Da die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt beruhend auf amerikanischen Daten jedoch zwischen 10 und 20 Prozent liegt, liegt der Wert der Studie im Durchschnitt. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) rät seit Mai ausdrücklich zu einer Impfung mit den vom NEJM untersuchten mRNA-Impfstoffen, da eine systematische Nachbeobachtung geimpfter Schwangerer in den USA keinen Hinweis auf vermehrte Komplikationen wie Fehlgeburten ergeben. Eine Covid-19-Erkrankung hingegen führe "gehäuft" zu Komplikationen.

Fördern Impfungen die Entstehung von Mutationen?

Nein. Laut dem Ärzteblatt sind Mutationen Veränderungen, die aufgrund bestimmter Faktoren in der Erbgut-Vermehrung passieren und umso wahrscheinlicher sind, je mehr Viren im Umlauf sind. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Impfungen Mutationen unwahrscheinlicher machen.

Befällt die Delta-Variante vor allem Kinder und Jugendliche?

Laut dem Virusvarianten-Bericht der Robert-Koch-Instituts (RKI) werden in Deutschland die meisten Fälle der Delta-Variante in den Altersgruppen zwischen 15 bis 34 Jahren und 35 bis 59 Jahren festgestellt. Da die Impfquote bei jüngeren Menschen jedoch deutlich niedriger ist (11,3 Prozent der zwölf bis 17 Jährigen sind in Bayern vollständig geimpft), ist eine Infektion mit der Delta-Variante deutlich wahrscheinlicher. Das heißt: die Delta-Variante des Corona-Virus Sars-CoV-2 befällt nicht vor allem Kinder und Jugendliche. Sie trifft vorrangig Ungeimpfte.

Hat es bisher fast 80.000 Fälle von Nebenwirkungen nach Impfungen gegeben?

Nein. Zwar sind dem Paul-Ehrlich-Institut seit dem Beginn der Impfkampagne gegen das Coronavirus in Deutschland 79.106 Fälle gemeldet worden, bei denen ein Verdacht auf eine Nebenwirkung oder Impfkomplikation besteht. Es handelt sich jedoch nicht um bestätigte Nebenwirkungen oder Komplikationen, sondern - wie erwähnt - lediglich um Verdachtsfälle. Auch mit Blick auf die über 8000 schwerwiegenden Fälle geht es bislang lediglich um den Verdacht. "Im Sinne der frühzeitigen Erkennung von möglicherweise neuen Risikosignalen ist es wichtig, die Meldeschwelle niedrig anzusetzen", schreibt das PEI.

Dürfen Geimpfte nicht mehr fliegen?

Sehr wohl. Angeblich diskutierten Fluggesellschaften über ihre Haftung, da die Corona-Impfungen das Risiko für ein Blutgerinnsel erhöhten. Große Verbände von Airlines haben jedoch keine Kenntnis von den in einem Blog-Artikel erwähnten angeblichen Diskussionen. Der internationale Dachverband der Fluggesellschaften fordere hingegen, dass für geimpfte Passagiere keine Tests oder Quarantäne nötig sein sollten, lehne eine Impfpflicht aber ab.

Dürfen Geimpfte weiterhin Blut spenden?

Unbedingt. Die Empfehlung des Paul-Ehrlich-Institut (PEI) lautet: Nach einer Impfung mit den bisher zugelassenen Sars-CoV-2-Impfstoffen ist keine Spenderrückstellung erforderlich. Das bestätigt auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC. Blutspendedienste wie das Deutsche Rote Kreuz und große Kliniken empfehlen Corona-Geimpften allerdings, sich nach einer Gabe 24 Stunden lang zu schonen und eventuelle harmlose Impfreaktionen wie Fieber abzuwarten und auszukurieren.

Werden Menschen mit Behinderung zur Impfung gezwungen?

Nein. Ziel ist es in den USA, Menschen gegen Corona zu impfen, die sonst schwer an den Impfstoff kommen - darunter auch Obdachlose und Menschen mit Behinderung. Dafür wird den Angaben nach die Covid-19-Impfung von Johnson & Johnson verwendet, bei der für den vollständigen Impfschutz nur eine Dosis erforderlich ist. Diese Impfungen werden nicht unter Zwang verabreicht. Es muss eine Zustimmung vorliegen. Nach Angaben der kalifornischen Abteilung für Entwicklungsdienstleistungen, die für Menschen mit geistiger Behinderung zuständig ist, können die meisten Menschen, die dort betreut werden, selbst medizinische Entscheidungen treffen und ihre Zustimmung geben oder ablehnen. Ist dies aufgrund der Behinderung nicht möglich, kann ein Bevollmächtigter bestimmt werden.

Auch in Deutschland gibt es keine Zwangsimpfungen gegen Corona. Die zu impfende Person oder ihre gesetzliche Vertretung müssen der Impfung zustimmen. Aufklärungsblätter und Anamnese-Bögen werden auch in sogenannter Leichter Sprache zur Verfügung gestellt, damit möglichst viele Menschen sie verstehen.

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