Nasser Ahmed ist neuer Nürnberger SPD-Chef: Das sind seine Pläne

10.4.2021, 16:58 Uhr
Nasser Ahmed, seit 2014 im Stadtrat, will Vorsitzender der Nürnberger SPD werden. 

© Eduard Weigert Nasser Ahmed, seit 2014 im Stadtrat, will Vorsitzender der Nürnberger SPD werden. 

"Wir brauchen einen Neuanfang, nicht nur im Rathaus, sondern in der Gesamtausrichtung der Partei", meint Nasser Ahmed. "Das Entscheidende ist, dass das sozialdemokratische Aufstiegsversprechen infrage steht. Die Gewissheit, dass es unseren Kindern mal besser geht, ist verloren gegangen."

Schere zwischen Arm und Reich

Der 32-jährige Stadtrat beklagt die Schere zwischen Arm und Reich, die viel größer sei als in den 1970er- und 80er-Jahren, eine wachsende Kinder- und Altersarmut und ein Übermaß an prekärer Beschäftigung – Menschen könnten von ihrer Arbeit nicht leben, obwohl die Wirtschaft vor der Corona-Krise lange floriert habe.

Neuausrichtung auf allen Ebenen

Dass diese Entwicklungen auf der kommunalpolitischen Ebene nur begrenzt bekämpft werden können, ist Ahmed bewusst. Schon vor der Wahl zum SPD-Vorsitz kündige er aber an: Wenn er Chef der traditionsreichen Nürnberger SPD werden würde, "wäre ich schon jemand, der das nach Berlin trägt". Außerdem benötige die SPD "auf allen politischen Ebenen einen Plan, wie wir das Aufstiegsversprechen wieder einlösen können".

Promovierter Politikwissenschaftler

Der Politikwissenschaftler, der jüngst eine Promotion zur politischen Theorie bei Ernst Jünger und Michel Foucault abgeschlossen hat, sieht sich selbst als Profiteur dieser sozialdemokratischen Verheißung: "Ich habe als erstes Mitglied meiner Familie studiert, ich habe als Arbeiterkind und als Kind von Kriegsflüchtlingen im Leben eine Chance bekommen."


Ahmed, dessen Eltern aus Eritrea stammen und der 1988 in Nürnberg geboren wurde, ist der SPD 2009 beigetreten. Von 2010 bis 2014 war er Chef der Nürnberger Jungsozialisten, seit 2014 gehört er dem Stadtrat an. Seit 2015 amtiert er zudem als stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Nürnberg.

Sport und Verkehr

Im Rathaus kümmert er sich um verkehrs- und sportpolitische Themen. "Die Sportpolitik ist eher ein konservatives Feld, aber ich habe mir den Respekt der 300 Vereinschefs erworben." Was den Verkehr angeht, so ist er stolz auf den jüngst gemeinsam mit CSU und Grünen beschlossenen Mobilitätspakt.

In der Tradition der Vordenker

"Die Stadt gehört nicht der Wirtschaft und den Autofahrern, sondern den Menschen." Deswegen will Ahmed zum Beispiel die Königstraße "noch in diesem Jahr zur Fußgängerzone machen". Die SPD sieht er hier "in der Tradition unserer Vordenker aus den 1970er-Jahren wie Horst Schmidbauer oder Gebhard Schönfelder".

Mehr Beinfreiheit gegenüber der CSU

Die Genossen müssten zudem sichtbarer, lauter, unbequemer werden, glaubt Ahmed. "Natürlich müssen wir alle mitnehmen, aber wir müssen auch eine Richtung vorgeben." Das könne durchaus dazu führen, dass man im Rahmen der Rathaus-Kooperation mit der CSU die Beinfreiheit, die der Vertrag mit den Konservativen beiden Parteien zugesteht, stärker ausnutzt als bisher.

Der besagte Mobilitätspakt sei zum Beispiel ein Rahmen, der Dutzende von Folgeentscheidungen nach sich ziehe: "Die müssen wir notfalls auch mal ohne die CSU treffen."
In der Sozialpolitik müsse die SPD Nürnberg ebenfalls aktiver werden. "Es ist nicht nur für die Betroffenen, sondern für alle Nürnberger ein Skandal, dass das Stadtbild geprägt ist von Menschen, die Flaschen sammeln. Ich möchte weniger Armut sehen."

Suche nach Verbündeten

Für soziale oder umweltpolitische Ziele bräuchten die Genossen Verbündete; Ahmed will die Verbindung zu den Gewerkschaften intensivieren. "Und wir sollten an der Seite von Fridays for Future oder den Klimacampern stehen." Jüngst hat sich Ahmed bei der Bewegung "Banu muss bleiben" für die von Abschiebung bedrohte türkische Ärztin Banu Büyükavci eingebracht.

"Ein starkes Team"

Der Stadtrat, der seit 2019 bei einem Unternehmen im Bereich der Energiewende arbeitet, versteht den Vorsitz nicht als "One-Man-Show". "Wir brauchen ein starkes Team." Er möchte den Vorstand und die Chefs der 36 Ortsvereine eng einbinden. Ein Vorbild unter den bisherigen Nürnberger SPD-Chefs will er nicht benennen: "Alle haben unsere Werte wie Gerechtigkeit oder Solidarität in ihre jeweilige Zeit übersetzt. Jeder hat das Beste für die Sozialdemokratie gegeben."

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