Bundestagswahl: Freie Wähler und Piraten bringen sich in Stellung

15.3.2021, 16:51 Uhr
Bundestagswahl: Freie Wähler und Piraten bringen sich in Stellung

© Franziska Kraufmann / Archiv (dpa)

Der 33-jährige Kandidat der Freien Wähler ist damit fast doppelt so alt wie sein Mitbewerber von den Piraten. Und hat auch schon etwas mehr in seiner politischen Vita stehen. Der Vater zweier Kinder engagiert sich als Stadtrat, Ortsvorsitzender in Lauf und überregional als stellvertretender Generalsekretär der Freien Wähler Bayern. Mit der Unterstützung durch zwei der größten Kreisvereinigungen möchte sich Locke über die Direktkandidatur hinaus noch als Spitzenkandidat für Mittelfranken als Listenkandidat bewerben.

Bundestagswahl: Freie Wähler und Piraten bringen sich in Stellung

© Foto: Freie Wähler

Locke sieht sich dabei als Lobbyist für der Bürger und nicht als Interessenvertreter von Konzernen. Es ärgere ihn zutiefst, dass die CSU-Bundestagsfraktion so zögerlich gegen Mitglieder vorgehe, die sich in Notzeiten bereicherten. "Eben jene Fraktion stand nur zu gerne und lange auf der Bremse, wenn es um Transparenz ging."

Das Thema Rente käme derzeit in der öffentlichen Diskussion zu wenig vor – dabei, so Locke, betreffe es früher oder später jeden von uns. Altersarmut möchte er bekämpfen durch die Erweiterung des Drei-Säulen-Modells, bestehend aus staatlicher, betrieblicher und privater Rente, um die Säule Wohneigentum. Wer im Alter keine Miete bezahlen müsse, sei wesentlich weniger von Altersarmut betroffen. "

Die Energie- und Mobilitätswende möchte der Bundesvorsitzende der Jungen Freien Wähler ergebnisoffen und ohne Verbote für Gesellschaft und Forschung angehen. Als Alternative zur Elektromobilität sieht er deshalb auch die Wasserstofftechnologie.

Schon auf der Landesliste

Pirat Julian Häffner hat auf der Landesliste der Piraten Platz elf bekommen. Er ist zusammen mit Markus Rauh und Michael Ceglar einer von drei Bundestagswahlkandidaten des Kreisverbands.

Bundestagswahl: Freie Wähler und Piraten bringen sich in Stellung

© Foto: Privat

Häffner ist bisher politisch als stellvertretender Vorsitzender des Stadt-Jugendrates Hersbruck aktiv und 2.Vorsitzender des Kreisverbands Nürnberger Land/Roth. Zu seiner Wahl sagt der in zwei Wochen Volljährige: "Ich freue mich sehr über das entgegengebrachte Vertrauen und die große Unterstützung. Mein Ziel ist es, der Jugend eine Stimme zu geben und diese im Bundestag zu vertreten, da dies aktuell nicht so sehr der Fall ist, denn der jüngste Abgeordnete ist derzeit 28 Jahre alt."

Wählen mit 16

Als Schwerpunktthemen für den Bundestagswahlkampf hat sich Häffner für Digitalisierung besonders an Schulen, Klima- und Umweltschutz und eine Senkung des Wahlalters für Bundestagswahlen auf 16 Jahre entschieden. Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie sehr Deutschland hier teilweise hinterherhinkt und dass noch Aufholbedarf besteht. Es brauche digitale Endgeräte für Schüler wie für Lehrer, um die Grundvoraussetzungen zu schaffen, Breitbandanschlüsse für die Schulen, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, und die nötige Software, um Homeschooling und Distanzunterricht zu ermöglichen und keine Schüler abzuhängen.

Klimaschutz werde die Bevölkerung als Thema in Zukunft noch sehr lange begleiten. Hierbei unterstützt Häffner besonders die AG Umwelt und deren 17-Punkte-Plan[1]. Ein deutlich früherer Kohleausstieg und mehr erneuerbare Energien seien nötig, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einhalten zu können.

Schließlich wisse er von sich selbst und seiner Tätigkeit als Stadt-Jugendrat, dass es sehr viele Jugendliche gibt, die sich früh politisch interessieren und auch gerne früher wählen würden. Auch die Fridays-for-Future-Bewegung sei ein gutes Zeichen für das politische Engagement von Jugendlichen.

Und die Chancen?

Um überhaupt in den Bundestag einziehen zu können, haben die Kandidaten der zwei kleinen Parteien zwei Möglichkeiten. Entweder müssen sie sich als Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis durchsetzen. Das ist gegen die Schwergewichte (in Bayern vor allem von der CSU) fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Oder sie schaffen es über die Liste. Doch dazu müssten die Freien Wähler und die Piraten über die Fünf-Prozent-Hürde klettern. Die Beide sind davon derzeit weit entfernt, auch wenn die Freien Wähler am Sonntag mit Rheinland-Pfalz in ein drittes Länderparlament eingezogen sind.

Verwandte Themen


Keine Kommentare