Nachfrage nach Kaminöfen und Brennholz steigt

"Kommen nicht hinterher": Teure Energiepreise befeuern Trend zum Heizen mit Holz

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Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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29.10.2021, 09:01 Uhr
Zu den klassischen Gründen, sich einen Kaminofen anzuschaffen - Behaglichkeit, Atmosphäre, Prestige - sei der Wunsch hinzugenommen,

Zu den klassischen Gründen, sich einen Kaminofen anzuschaffen - Behaglichkeit, Atmosphäre, Prestige - sei der Wunsch hinzugenommen, "sich damit auch ein Stück weit Autarkie und Unabhängigkeit zu verschaffen", sagt der Nürnberger Ofenhändler Daniel Stadler. © Daniel Maurer/dpa

Wer sich dieser Tage bei Björn Künzel meldet und Brennholz kaufen will, für den bleibt momentan nur die Warteliste. "Es läuft wie Hölle. Wir kommen nicht hinterher", berichtet Künzel, der gemeinsam mit seinem Bruder Arne die Firma K. & K. Brennholz in Uttenreuth bei Erlangen führt.

Viele Kunden hatten zwar vorausgeplant und bereits im Frühsommer bestellt, doch der Großteil meldet sich erst im September oder Oktober - und muss dann Wartezeiten in Kauf nehmen. Drei bis vier Wochen müssen sich die Kunden im Moment gedulden, bis sie an der Reihe sind, sagt Künzel.

"Bestandskunden nehmen größere Mengen ab"

Der Trend zum Kaminofen und zum Heizen mit Holz ist seit Jahren ungebrochen, die rasant steigenden Preise für Öl und Gas haben ihn nun noch einmal befeuert. "Wir stellen fest, dass die Bestandskunden größere Mengen abnehmen. Dazu kommen etliche Neukunden", berichtet Künzel, der ausschließlich Holz aus der Region vertreibt, das meiste aus der Fränkischen Schweiz. Seine Beobachtung: Wer neu baut, der lässt sich fast immer einen Kaminofen einbauen - wegen der angenehmen Wärme, zunehmend aber auch wegen der steigenden Energiepreise.

Eine Beobachtung, die Daniel Stadler teilt. Zu den klassischen Gründen, sich einen Kaminofen anzuschaffen - Behaglichkeit, Atmosphäre, Prestige - sei der Wunsch hinzugenommen, "sich damit auch ein Stück weit Autarkie und Unabhängigkeit von seinem Gas- oder Energieversorger zu verschaffen", sagt der Inhaber von Ofen Stadler im Nürnberger Ofenwerk.

Auf der Consumenta, die an diesem Wochenende beginnt, ist Stadler mit einem fast doppelt so großen Stand wie in der Vergangenheit vertreten. "Wir erwarten uns eine unglaubliche Nachfrage." Die meisten Kunden kämen frühzeitig, um eine maßgeschneiderte Kaminofen-Lösung für ihre Bedürfnisse zu finden, doch wenn es schneller gehen muss, "können wir auch das", sagt Stadler. Sein Lager sei gut gefüllt, die Lieferzeiten liegen - je nach Hersteller und Modell - bei einer bis zwölf Wochen.

Die saftige Rechnung des Energieversorgers kommt erst nach der Saison

"Der Trend zum Kaminofen ist vorhanden, er ist seit Jahren aber recht konstant", sagt der Steiner Schornsteinfegermeister Martin Weidner. Bislang merkt er noch nicht, dass sich mehr Menschen als in den Vorjahren einen Kaminofen anschaffen. Weidner geht aber davon aus, dass sich die steigenden Öl- und Gaspreise mit Verzögerung bemerkbar machen, spätestens "nach der Saison, wenn die Rechnung des Energieversorgers da ist".

Weidner empfiehlt, bei einer geplanten Anschaffung frühzeitig den zuständigen Schornsteinfeger für ein Beratungsgespräch zu kontaktieren, um einen Fehlkauf zu vermeiden. Die Schornsteinfeger sind für die baurechtliche Abnahme der Kaminöfen zuständig.

Dabei muss es nicht immer ein neuer Ofen sein. Mancher habe zu Hause einen Kaminofen, der nur zu feierlichen Anlässen wie Weihnachten angeschürt werde, berichtet Weidner. "Diese Öfen könnten nun eine Renaissance erleben und künftig regelmäßiger genutzt werden."

Manche Kunden haben falsche Erwartungen

Zugleich warnt der Innungs-Obermeister vor falschen Erwartungen: "Manche Kunden erhoffen sich eine Riesen-Ersparnis, sollten aber beachten, dass auch Holz ein marktabhängiger Brennstoff ist." Teuer könne es vor allem dann werden, wenn sich Kunden das Holz ofenfertig gespalten bis nach Hause liefern lassen.

Wer sich nicht davor scheut, selbst zur Motorsäge zu greifen, für den sind die Bayerischen Staatsforsten eine gute Adresse, um an Brennholz zu gelangen. Die Forstbetriebe bieten sogenanntes Polterholz an, "das heißt bereits bearbeitete Stämme in der Länge von zwei bis vier Meter, die an die Forststraße vorgeliefert wurden", erläutert Konrad Prielmeier, Sprecher der Bayerischen Staatsforsten. An der Straße könne das Holz dann von den Kunden selbst kleingeschnitten und abtransportiert werden.

Staatsforsten sehen "gute und stabile Nachfrage"

Wer über einen Motorsägenschein und Schutzausrüstung verfügt, kann sich das Holz auch selbst im Wald holen - freilich nur nach vorheriger Vereinbarung mit den Forstbetrieben und den Revierleitern vor Ort. "Grundsätzlich haben wir derzeit eine gute und stabile Nachfrage", berichtet Prielmeier. Eine klassische Warteliste gebe es nicht.

Auch beim Holz zeigen die Preise langfristig gesehen nach oben - was nicht nur mit der Nachfrage, sondern auch mit steigenden Strom- und Spritkosten zu tun hat. Denn die schlagen sich in den Betriebskosten der Brennholzhändler nieder, berichtet der Uttenreuther Björn Künzel. Noch hielten sich die Preissteigerungen im Rahmen, sagt er, "doch auch wir werden hochgehen müssen“.