TV-Star Erdogan Atalay im Interview

"Alarm für Cobra 11" wird eingestellt: "Daran ist Corona schuld"

7.8.2021, 16:23 Uhr
Seit 1996 ermittelt Erdogan Atalay in der RTL-Serie

Seit 1996 ermittelt Erdogan Atalay in der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11 - die Autobahnpolizei". Das macht ihn zu einem der dienstältesten deutschen TV-Kommissare. © imago/Günther Ortmann

Die beiden vorerst letzten Folgen des Dauerbrenners und Exportschlagers sind am 12.8. (20.15 Uhr, RTL) zu sehen. Hinter dem Lenkrad sitzt wie üblich Erdogan Atalay, der seit 1996 den Kriminalkommissar Semir Gerkhan verkörpert.

Herr Atalay, warum ist Schluss mit "Alarm für Cobra 11"?

Erdogan Atalay: Das hat uns komplett kalt erwischt, aber daran ist Corona schuld. Fiktionale Programme waren durch die hohen Investitionen stärker von der Pandemie betroffen als die meisten Unterhaltungsprogramme. Jetzt laufen Gespräche, ob und wie es mit der "Cobra" weitergeht, daran bin ich aber nicht beteiligt.

Womöglich ist die Bleifuß-Serie in Zeiten von Umweltschutz und Elektroautos auch nicht mehr zeitgemäß ...

Erdogan Atalay: Wir sind ja durchaus mit der Zeit gegangen. Die Serie ist sehr ernst geworden, wir entschärfen schon längst keine Atombombe mehr, während wir auf einem Pickup rückwärtsfahren. Wir haben uns verändert, aber was die Autos angeht: Elektroautos hatten wir in "Cobra" immer nur als Gag. Eine elektrische Explosion kann man nicht machen, da braucht man schon Benzin für.

Was fahren Sie selber?

Erdogan Atalay: Das sind alles Benziner. Unter anderem einen Triumph Spitfire von 1969 und meinen alten Maserati. Den behalte ich aber bloß, weil es ein Sondermodell ist: die Rennversion Assetto Corsa, die nur 150-mal gebaut wurde. Das wusste ich gar nicht, das hat mir erst einer gesagt, als ich mal im Phantasialand war – dann habe ich das im Internet recherchiert, und jetzt behalte ich den natürlich.

Sind Sie schon öfter in die Radarfalle geraten?

Erdogan Atalay: Ich habe meinen Führerschein schon viermal abgegeben. Aber inzwischen fahre ich konsequent langsam und bedächtig. Ich habe keine Lust auf irgendwelche Rennen.

"Alarm für Cobra 11" war Ihre erste große Rolle. Sie haben zuvor an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg studiert. Wollten Sie nicht lieber den Hamlet spielen?

Erdogan Atalay: Nein, gar nicht. "Cobra" war genau mein Ding und hat mir irre Spaß gemacht. Ich hatte nach der Schauspielschule lange ein Ensemble gesucht, aber nie eines gefunden – das Team von "Cobra" war dann für viele Jahre eine Art von Familie für mich. Ich hätte nichts anderes machen wollen.

Stimmt es, dass Sie als Kommissar mit Migrationshintergrund ursprünglich mit türkischem Akzent sprechen sollten?

Erdogan Atalay: Ja, aber da habe ich gesagt: Das möchte ich nicht. Ich habe das abgelehnt, denn ich fand: Semir ist wie andere Leute, die hier geboren sind oder assimiliert sind. So wie ich selber. Ich habe eine deutsche Mama und einen türkischen Papa, aber ich kann ja gar kein Türkisch. Der Semir in der Serie kann zwar Türkisch, aber das musste ich mir immer aneignen, wenn ein paar Sätze im Drehbuch standen.

Glauben Sie, dass Ihre Rolle auch etwas zur Integration von Menschen aus Einwandererfamilien beigetragen hat?

Erdogan Atalay: Wenn man sich die Welt so anschaut glaube ich: eher nicht. Ich habe meine Zweifel, ob so ein Entertainmentformat zur Integration beiträgt. Es wäre natürlich wünschenswert.

Der Hamburger Schauspieler Erdogan Atalay (

Der Hamburger Schauspieler Erdogan Atalay ("Alarm für Cobra 11 - die Autobahnpolizei") hat weltweit Fans. © imago/Horst Galuschka

Ändert sich die Darstellung von Menschen mit Migrationshintergrund im Fernsehen gerade?

Erdogan Atalay: Im Fernsehen hat sich wahnsinnig viel getan. Früher musste man immer erklären, welchen Hintergrund eine solche Figur hat, wo derjenige herkommt. Heute ist das nicht mehr so. Eine Nachrichtensprecherin zum Beispiel muss ja auch nicht jedes Mal erklären, dass sie eigentlich Kroatin oder Griechin ist, weil sie nicht Else Müller heißt. Das hat eine größere Normalität bekommen.


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Die Serie ist ein Exportschlager, läuft in rund 140 Ländern – werden Sie überall auf der Welt erkannt?

Erdogan Atalay: Ja, klar. Ich war vor Jahren mal in Italien und wusste damals gar nicht, dass die Serie auch im italienischen Fernsehen läuft. Dann saß ich im Lokal, da guckte die ganze Belegschaft "Cobra" und hat alle Leute ignoriert, die was bestellen wollten. Ich hab mich dann dazugesetzt, und irgendwann hat mich einer erkannt, ist aufgesprungen und hat entzückt geschrien – das war schon sehr süß. Also es gibt schon schlechtere Daseinsformen, als Actionheld zu sein.

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