Von wegen stilles Wasser

Alternativprogramm zum Bardentreffen: Das bietet die Seebühne am Dutzendteich

Foto: Claudia Beyer, gesp. 04/2021..Motiv: Christian Mückl, Mitarbeiterportrait, Portrait, Mitarbeiter, Redakteur, Feuilleton, Kultur
Christian Mückl

Kultur / Leben

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2.7.2021, 10:50 Uhr
Herbert Pixner (2. von links) ist Multiinstrumentalist. Wer sein Boot zum Dutzendteich mitbringt, erlebt bis Sonntag Kammerkonzerte unter fränkischem Himmel.

Herbert Pixner (2. von links) ist Multiinstrumentalist. Wer sein Boot zum Dutzendteich mitbringt, erlebt bis Sonntag Kammerkonzerte unter fränkischem Himmel. © Berny Meyer

Schon unglaublich, dass an diesem kaum mehr als eineinhalb Meter tiefen Gewässerchen bei der Eröffnung des Seebühnen Festivals so ein Tiefgang entstehen kann. "Ich bin eher Seepferdchen", sagt Pixner kurz vor dem Auftritt hinter der Bühne, gefragt, ob er überhaupt schwimmen könne. "Ich habe erst mit Ende 30 richtig schwimmen gelernt".

Vielleicht ist eher Springen die Disziplin Pixners, der es vom Bergbauernbub zum Musikhochschulstudenten, zum Moderator, zum Weltmusikstar gebracht hat. Der Auftritte in der Hamburger Elbphilharmonie (auch am Wasser) ebenso verbucht wie ausverkaufte Tourneen und Projekte mit den Berliner Symphonikern.

Pixner steht an der Bühne im Yacht Club Nürnberg mit schickem schwarzen Jackett, schwarzer Krawatte zu weißem Hemd, sein nicht mehr ganz jugendliches Alter sieht man ihm definitiv nicht an. Er antwortet spontan und völlig aus dem Bauch heraus unmittelbar vor dem Auftakt: "Der spannendste Moment ist einfach der, wenn wir anfangen zu spielen." Die Corona-Epidemie hätte es nicht möglich gemacht, gemeinsam zu proben. Der Auftritt am Dutzendteich sei der erste mit seinen drei Mitstreitern seit 2019. Eine Jungfernfahrt? Eine Gratwanderung? Klar, aber das macht den Job aus.


Seebühne am Dutzendteich startet wieder


Es sind bunte Boote voller Genießer und Individualisten, die Pixners Auftritt zu schätzen verstehen, der dem Engagement des Projektbüros vom städtischen Kulturreferat zu verdanken ist. Die Seebühne wurde erneut als Alternative zum entfallenen Bardentreffen organisiert. Wohl keine 50 Schiffchen, hauptsächlich Schlauchboote, sind es, die vor der Bühne schaukeln. Kein Rudelrudern. Aber, Hand aufs Herz: Zählen wir Erbsen oder zählt Leidenschaft?

Wein und Leidenschaft trotz Regen

Leidenschaft ist, wenn die Leute trotzdem bleiben, obwohl es irgendwann regnet. Manche ziehen die Regenjacken an. Einer einfach das T-Shirt aus. Geht doch. Wenn es eine Regenbogengesellschaft gibt (das war auch so ein Gruß des Himmels gleich zu Beginn), dann hier. Also ruft der nicht nur musikalisch versierte, sondern auch grundsympathische Herr Pixner dazu auf, gleich Bossa zu tanzen – aber bitte nicht auf, sondern mit dem Boot. Dann liefert er den Blues zum blauen Wasser. Das erfrischt. Was das Völkchen betrifft, das sich im Wellengang die Gehörgänge durchspülen lässt, ist es nicht nur aufgrund der Regenjacken ein farbenfrohes. Das ältere Paar aus Lauf, das die älteren Eltern im Boot neben sich hat, zum Beispiel. Manche bringen Wein mit. Dass Bootsbesitzer treue Seelen sind, sieht man 20 Jahre alten Schlauchbooten samt Insassen an. Schön, dieses Nebeneinander.

Abwechslungsreich wie das Wetter bleibt das weitere Programm bis Sonntag: Am Samstag um 15 Uhr Fredrik Vahle beim Kinder- und Familienkonzert. Abends die Band Orange: Saturday-Night-Fever mit Rhythmussektion, Elektrosounds und Didgeridoo. Am Sonntag steht der fränkische Gangkino Circus aus Dietenhofen mit dem Neo-Volksmusik-Kabarett "Bei den Finnen" am Wasser.

Freitag, 20 Uhr: Buffalo y Sons. Sie machen mit Gießkannen, Fahrradlenkern und Schläuchen Musik. Wahrscheinlich holen sie noch aus Regenschirmen raus, was geht. Stilles Wasser? Nein, hier gibt es nur spritzig.

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