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Dienstag, 07.07.2020

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«Der Watzmann ruft« feierte auf Luisenburg Premiere

Und wieder ruft der Berg den armen Bauernbuben ... - 05.07.2008

Neuauflage eines Dauerbrenners: «Der Watzmann ruft» auf der Freilichtbühne in Wunsiedel, hier mit Susanna Kratsch, Joesi Prokopetz, Christoph Fälbl und Gitti Recher (v. l.). © oh


wenn nur alles auf dieser Welt so einfach wäre! Aber «Der Watzmann ruft« empfiehlt sich nicht erst seit gestern als Kult-Musical mit Langlaufgarantie, sondern hält auch ein Abonnement auf die wunderbar-simplen Erkenntnisse im Leben.

Hinein in die Wand

«Mit dem Löffel vom Bauern isst der Bub erst, wenn der Bauer den Löffel abgegeben hat«, belehrt der Bergbauer (seit der «Watzmann«- Uraufführung auch auf der Bühne mit von der Partie: Joesi Prokopetz) den Sohn (als Einfaltspinsel eine Wucht: Christoph Fälbl). Den zieht es - angespornt von der scharfen Geiltalerin (großartig als Travestie-Rampensau: «Antenne Bayern«-Moderator Stephan Lehmann) - trotz manigfaltiger Warnungen schließlich doch bergwärts: Hinein in die Wand, die schon so viele geholt hat. In dieser stürmischen Walpurgisnacht fordert der Schicksalsberg ein weiteres Opfer...

Die Nebelmaschinen am Bühnenrand arbeiten hart, um das Bergmassiv in einen steten Schleier der Mystik zu kleiden, und auch sonst ist in Wunsiedel großes Kino angesagt für die x-te Neuauflage des Dauerbrenners aus der Feder von Wolfgang Ambros, Joesi Prokopetz und Manfred O. Tauchen. Bis auf einige dezente Angleichungen an die Jetztzeit (das Handy klingelt im Suppentopf, der Berghof ist am Netz, es gibt einen Publikumsjoker) hat sich an den Grundzutaten wenig geändert.

Wiener Humor

Dennoch entpuppt sich der anarchistische, mit jeder Menge wienerischem Schwarzhumor gesegnete Bergbauernspaß als erstaunlich zeitlos und robust. Rein Rockmusikalisch kommt das selbst ernannte «Rustical«, das laut Ambros «vor fast 40 Jahren in einer wilden Nacht entstand« (und an dem die drei Jugendfreunde bis heute immer wieder herumbasteln), im Jahr 2008 zwar ein wenig arg angestaubt daher, und auch die dünne, gemächliche Handlung gewinnt in der soliden Wunsiedel-Inszenierung von Brigitte Recher nicht wirklich an Fahrt. Doch all das tut der Gaudi vor und auf der Bühne keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Es ist bekanntlich immer ein gutes Zeichen, wenn die Akteure mittendrin selbst in Lachen ausbrechen ...

Ein peppiges Ensemble (neben Ambros samt Live-Band «Die Nr. 1 vom Wienerwald« und diversen altgedienten «Watzmann«-Mimen steht in Wunsiedel ein junges, knackiges Team auf den Brettern) ist der Schlüssel zu einem derben Krawall-Spektakel, das mit schön vielstimmigem Bauerntheater-Charme gespickt ist. Der eigentliche Star bleibt hier aber trotzdem die einzigartige Freiluft-Naturbühne, die prädestiniert ist für einen derart fidelen Alpenspaß.

Runde Sache

Kurzum: Eine runde Sache für Fans wie «Watzmann«-Neueinsteiger. Und selbst wer sich weder zu der einen noch zu der anderen Fraktion zählt, darf nach zwei kurzweiligen Stunden zufrieden feststellen: Man wurde schon bedeutend schlechter bespaßt.

Weitere Termine: 8./11./13./19./ 23./25./26./29. und 30. Juli jeweils um 20.30 Uhr sowie am 5., 12. und 20. Juli jeweils um 15 Uhr. Kartentelefon: 09232/602162.

www.luisenburg-aktuell.de

Stefan Gnad

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