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Einzigartige Sammlung: Neues Oldtimer-Museum öffnet in Nürnberg

26.5.2021, 05:50 Uhr
Die ersten Ausstellungsstücke sind schon da.  

Die ersten Ausstellungsstücke sind schon da.   © Roland Fengler, NNZ

So viele kostbare Oldtimer sind selten auf Nürnbergs Straßen unterwegs. Aber man sieht sie nicht: In Hängern werden die historischen Autos und Motorräder derzeit in ihr neues Zuhause gebracht. Das ist ziemlich schick, wird gerade gebaut und steht in Fischbach im Südosten der Stadt. Dort verwirklicht sich der ortsansässige Hotelier und Unternehmer Christian Silberhorn seinen Traum vom eigenen Museum. Noch dieses Jahr soll Eröffnung sein.

An der Fassade der beiden großen ellipsenförmigen Gebäudeteile stehen noch rundrum die Gerüste. Eine Aluminiumhaut sollen sie bekommen – in den Farben schwarz und rot. "Weil ich nun einmal Club-Fan bin", sagt Christian Silberhorn. Und weil Blech außen gut zu Blech innen passt. Wobei Blech viel zu profan klingt für das, was der Sammler zusammengetragen hat. Mindestens genauso wie den Club liebt er nämlich BMW.

Silberhorn: "Es gibt nichts besseres als BMW"

Damals, als er mit dem frisch gemachten Führerschein in der Tasche sein erstes Auto kaufen wollte, standen ein Mercedes und ein BMW zur Auswahl. "Der BMW war deutlich günstiger und hatte mehr serienmäßig", erinnert sich der 49-Jährige. Die Wahl war also klar. Der Beginn einer großen Leidenschaft, die bis heute hält: "Es gibt nichts besseres als BMW", sagt Silberhorn.

Inzwischen besitzt er über 100 Autos und rund 300 Motorräder, die vorwiegend aus Nürnberger Produktion stammen. Hat er da überhaupt noch Träume? "Ja, ein 507 fehlt mir noch!" Der offene Sportwagen aus den 50er-Jahren ist mit rund zwei Millionen Euro der teuerste BMW und einer der seltensten. Silberhorn hat ihn sich jetzt aus Schrottteilen nachbauen lassen – 1,5 Tonnen schwer und "ein echtes Kunstwerk", wie er sagt. In dieser Woche wurde es in das Museum gewuchtet.

Weltweit erworben

Bei den Zweirädern liegt sein Schwerpunkt auf Stücken aus Nürnberger Herstellung. "Es gab hier einmal über 50 Hersteller", sagt Silberhorn, dem es mit diesem Teil seiner Sammlung auch um die Nürnberger Industriegeschichte geht. Die Autos stöbert er weltweit auf – von Russland bis Kanada, von Europa bis Amerika. "Es gibt gerade einen Generationenwechsel, viele Alt-Sammler trennen sich von ihren Beständen", sagt der Fischbacher.


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Für seine rollenden "Kinder" baut er seit 2017/18 das eigene Museum. 3200 Quadratmeter Ausstellungsfläche hat es und kostet den Oldtimer-Narr rund vier Millionen Euro. Knapp 90 Automobile und rund 220 Motorräder werden auf den zwei Geschossen einziehen. Vom ersten Motor, den BMW für Flugzeuge im Ersten Weltkrieg gebaut hat, bis zum modernen Plug-in-Hybrid-Sportwagen i8 soll der Besucher einen Überblick über die BMW-Flotte bekommen. Das älteste Auto im Museum stammt von 1928, das älteste Motorrad von 1906. Was sagt eigentlich das Unternehmen BMW zu seinem Projekt? "Dass es kein Geld gibt und ich das Logo nicht verwenden darf. "

Alte Steine an den Wänden

Die Corona-Pandemie hat beim Bau des Oldtimer-Museums einiges verzögert, auch derzeit kämpft Silberhorn mit Materialengpässen, aber im Herbst oder Winter dieses Jahres will er endlich aufmachen. Und zwar täglich – auch montags. Mit den Eintrittsgeldern hofft er die monatlichen Fixkosten zu decken, die er auf 15 000 bis 20 000 Euro schätzt. Eventuell soll das Museum auch als Eventlocation genutzt werden.

Der erste Eindruck, den man beim Rundgang über die Noch-Baustelle gewinnt, ist überzeugend – und überraschend: Alte Klinkerwände im modernen Bau? "Ja, die Steine sind von 1915. Sie stammen von einem ehemaligen Kornspeicher in den Masuren. Ich habe sie mit zwanzig LKW-Ladungen hierher bringen lassen", sagt Silberhorn, der ganz bewusst nach historischen Baustoffen gesucht hat, um eine gute Verbindung von Historischem und Modernem in seinem Museum hinzubekommen.

Fahrzeuge aus dem Krieg

Unerwartet ist auch das, was an der langen Seitenwand im Obergeschoss zu sehen ist: Die Tribüne des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes mit dem Reichsadler oben drauf. Eine Schwarz-weiß-Fotografie im XXL-Breitwandformat. Darunter stehen auf flachen Stahlpodesten die Kriegsfahrzeuge aus Silberhorns Sammlung: Motorräder mit Stahlhelm, Schaufel und Leinen-Überzug für den Scheinwerfer, um im Manöver unentdeckt zu bleiben. Oder ein BMW 309 Nachrichtenkübel aus den 30er Jahren. "Das soll keine Verherrlichung der furchtbaren Zeit sein, aber diese Autos gehören zur Geschichte, sie sind Zeitzeugen", sagt Silberhorn.


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Angesprochen auf das Thema Nachhaltigkeit gibt er unumwunden zu: "Klimatechnisch ist dieser Bau aus Beton und Stahl eine Katastrophe. Da bin ich ehrlich." Immerhin: Das Dach bekommt eine Schadstoff absorbierende Bitumenschicht, die Klimaanlage sei zwar vorbereitet, er hoffe aber ohne auszukommen. Und für sein Gewissen lässt er 100 Bäume als ökologischen Ausgleich pflanzen.

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