Donnerstag, 13.05.2021

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Erstmals im Stream: Nürnberger Symphoniker präsentieren große Klassik

Jac van Steen dirigierte Werke von Rossini, Mozart und Beethoven - 11.04.2021 15:44 Uhr

Die Symphoniker wagten sich wieder an das große Repertoire. Jac van Steen steht am Pult.

11.04.2021 © Foto: Nürnberger Symphoniker/ Screenshot YouTube


Sie waren die langen Monate des Lockdowns ohne Konzerte leid, die Nürnberger Symphoniker. Und entschlossen sich deshalb, auch größer besetzte Werke wieder auf die Bühne zu bringen. Ohne Publikum, aber per Online-Stream und TV-Übertragung im FrankenFernsehen.

„Zurück ins Leben“ heißen die vier bis 8. Mai stattfindenden Konzerte mit zwei ehemaligen und dem amtierenden Chefdirigenten. Am Samstag ging es los, mit Jac van Steen. Der Holländer leitete von 1997 bis 2002 das Orchester und pflegt immer noch gute Kontakte nach Nürnberg.


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Mit Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“, Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 und Beethovens Fünfter Sinfonie wollten die Symphoniker garantiert nichts anbrennen lassen und setzten zum Auftakt des neuen Konzertformats auf bewährte Repertoire-Knüller.

Das brauchen wohl auch die Musiker selber, denn die von den Kameras eingefangene Optik im abgedunkelten, schlauchartigen, atmosphärisch selbst mit Publikum nicht einfachen Symphoniker-Konzertsaal in der Kongresshalle lässt den Gedanken aufkommen, dass sich ein Orchester bei einem Konzert ohne Publikum ziemlich einsam fühlen kann.

Mit vielen musikalischen Ausrufezeichen steuerten Jac van Steen und die Symphoniker dagegen an. Zum Auftakt ließen sie die Crescendo-Walzen von Rossinis Barbier-Ouvertüre losrollen, als gäbe es kein Morgen.


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Solist Lars Vogt formulierte die Affektwechsel im Kopfsatz von Mozarts C-Dur Klavierkonzert KV 467 so pointiert, als würde die Bühne plötzlich in ein anderes Licht getaucht. Im Andante klang er eher schwelgerisch als innig. Oder lag es doch am eigenen Soundsystem - vulgo Lautstärkeregler?

Auffallend war, dass der Klang in den kurzen Pausen, als geraschelt und Notenhefte umgeblättert wurden, sich plötzlich auffächerte und plastischer wirkte. Während starke dynamische Gegensätze, wie sie gerade in Beethovens Fünfter, der exemplarischsten aller Sinfonien der Wiener Klassik, häufig sind, klanglich oft komprimiert wirkten. Da bedeutet die ausgleichende Elektronik der Übertragungstechnik einen echten Verlust gegenüber dem Live-Hören.

Der geballten Energie von Beethovens Schicksalsmotiv konnte man sich jedoch ebenso wenig entziehen, wie der im sanglichen, ausschweifenden Motiv des 2. Satzes vermittelten Sehnsucht. Die im Finale gipfelnde „Durch die Dunkelheit ans Licht“-Hoffnung fand eine schöne optische Entsprechung in der abgedunkelten, aber sich ins Offene weitenden Rückwand.

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Die Geschichte der Nürnberger Symphoniker: Vielfältig seit 1946

Die Nürnberger Symphoniker begeistern schon seit 1946 mit einer großen Bandbreite klassischer Musik. Gegründet wurde das Orchester unter dem Namen "Fränkisches Landesorchester", der mit der Eröffnung der Meistersingerhalle im Jahr 1963 zu "Nürnberger Symphoniker" geändert wurde. Jede Saison geben die Symphoniker rund 100 Konzerte. Hier einige Impressionen aus der Geschichte des Orchesters.


Ein bisschen an alten Konzertritualen fürs Publikum wollte man festhalten. Auf der Homepage des Orchesters klang die Anfangszeit 20 Uhr nach bewährter Auftrittsroutine, der angekündigte „Einlass in den digitalen Konzertsaal“ entpuppte sich jedoch als die schnöde Einblendung „Das Konzert startet in Kürze“.

Eindrucksvolle Optik: Jac van Steen ist beim Online-Konzert der Nürnberger Symphoniker umgeben von der Dunkelheit des leeren Kongreßhallen-Konzertsaals.

11.04.2021 © Foto: Nürnberger Symphoniker/ Screenshot YouTube


Geschenkt – so ist das eben in Streaming-Zeiten. Doch als die Pausen zwischen Rossinis Ouvertüre und Mozarts Klavierkonzert und dann anschließend Beethovens Fünfter auf wenige Sekunden zusammenschmolzen und deshalb die Einblendungen „Kurzer Umbau Danke für Ihre Geduld“ schon unfreiwillig komisch wirkten, verloren selbst jene „Traditionalisten“, die sich Samstagabend um 20 Uhr am Endgerät eingefunden hatten, auch die Illusion, hier einem Orchester live beim Musizieren zuzusehen.

Was „live“ im Online-Streaming-Zeitalter eigentlich bedeutet, das müsste erst noch geklärt werden. Festzuhalten bleibt, dass man für die drei Werke unter 75 Minuten brauchte.

Und auch wenn Optimierer und Rationalisierer ob solcher Zeitersparnis mit der Zunge schnalzen sollten, bleibt zu hoffen, dass solche musizierte Atemlosigkeit für die Zeit, wenn es wieder echte Konzerte gibt, keine Schule macht.

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