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"Gravierende Mängel" am Opernhaus: Direktoren im Interview

Bauschäden am alten Opernhaus sind eklatant - 27.02.2021 08:00 Uhr

Das Nürnberger Opernhaus ist eine Perle - und ein Wahrzeichen der Stadt.

15.12.2019 © Holger Krömer


Grund für die drastische Maßnahme waren eine veraltete Brandmeldeanlage und nicht unabhängig voneinander rauchfrei zu haltende Fluchtweg. Diese Mängel werden nun zwar durch den Einbau der Brandschutzwände und einer Brandmeldenanlage behoben, doch die Bauschäden am 115 Jahre alten Opernhauses sind längst so eklatant, dass die Generalsanierung des Gebäudes immer dringlicher wird. Wir sprachen darüber mit dem Geschäftsführenden Direktor des Staatstheaters Christian Ruppert sowie dem Technischen Direktor Peter Gormanns.


Provisorium in höchster Not: Opernhaus bekommt Brandschutztüren


Wieso hat der Einbau von Brandschutz-Türen in den Foyers des Opernhauses jetzt solch eine Dringlichkeit bekommen?
Christian Ruppert: Im Vorfeld der anstehenden Opernhaus-Sanierung haben wir zusammen mit dem Gebäudeeigentümer, der Stadt Nürnberg, einen immer tieferen Einblick in den Zustand des Opernhauses gewonnen. Im Zuge der vorbereitenden Untersuchungen durch verschiedene Büros zeigten sich auch bisher unbekannte Mängel ans Licht getreten. Wir wollten und mussten Klarheit darüber haben, ob und falls ja in welchem Ausmaß unser Spielbetrieb durch den Zustand des Opernhauses als Ganzes gefährdet wird.

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Durch turbulente Zeiten: Die bewegte Geschichte des Nürnberger Opernhauses

In den nächsten Jahren steht die Generalsanierung des Opernhauses bevor. Obwohl das Staatstheater und die Stadt bereits dieses Mammutbauvorhaben planen, sind viele Details noch unklar, ebenso der Zeitplan. Fest steht aber bereits jetzt: Diese Sanierung bedeutet einen weiteren großen Einschnitt in der Geschichte des Gebäudes am Frauentorgraben. Umbrüche gab es dort schon reichlich. Das 1905 eröffnete Opernhaus blickt auf eine lange, turbulente Vergangenheit zurück. Wir haben hier die wichtigsten Ereignisse gesammelt.




Dass das Opernhaus keine voneinander unabhängigen, rauchfrei zu haltenden Fluchtwege hat, weiß man im Prinzip seit dessen Eröffnung 1905. Warum handelt man ausgerechnet jetzt?
Ruppert: Dass bauliche Maßnahmen notwendig wurden, ist unstrittig. Wir nutzen jetzt die Corona-Schließzeit des Staatstheaters bestmöglich, um diese umzusetzen.


Brandschutz: Opernhaus muss sofort Baumaßnahmen ergreifen


Was wird außer den Brandschutz-Trenntüren im Foyer nun noch verbaut? Es wurde von einer neuen Rauchmeldeanlage gesprochen. Wieso ist diese notwendig?
Peter Gormanns: Im Zuge der konkreten Planungen hat sich herausgestellt, dass wir keine Trennwände benötigen, sondern den erforderlichen Schutz im Foyer durch den Einbau von Rauchschutztüren sicherstellen können. Diese neuen Türen können durch die erweiterte Brandschutzanlage automatisch geschlossen werden.


Provisorium in höchster Not: Opernhaus bekommt Brandschutztüren


Die jetzigen Baumaßnahmen haben noch nichts mit der Generalsanierung des Opernhauses zu tun. Sind die Maßnahmen in ihrer Wirksamkeit zeitlich befristet? Oder könnte man damit die Sanierung noch einmal verschieben?
Ruppert: Für eine Übergangszeit von drei bis fünf Jahren kann der Spielbetrieb so mit verhältnismäßig überschaubarem Aufwand sichergestellt werden. Nicht mehr und nicht weniger.

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Hinter den Kulissen: Führung durch das Opernhaus

So viel Aufwand für die perfekte Inszenierung: Hinter dem vielen Make-Up und einer überragenden Kulisse steckt viel Arbeit. Eine Führung durch das Nürnberger Opernhaus zeigt, was sich alles hinter der Bühne verbirgt. Neben zahlreichen Masken, Perücken und Stoffen, gibt es riesengroße begehbare Kleiderschränke und komplizierte technische Ausstattungen.




Oder ist es vielleicht andersherum: Sollen die kürzlich festgestellten und nun zu behebenden Mängel beim Brandschutz dazu dienen, den gesellschaftlichen und kommunalpolitischen Druck zu erhöhen, bei der Generalsanierung des Opernhauses das Tempo zu forcieren?
Ruppert: Nein. Die Dringlichkeit ist allen Verantwortlichen bewusst.

Spielbetrieb sicherstellen

Wurde in der letzten Dekade das Thema Brandschutz zu nachlässig behandelt, weil man auf die Generalsanierung des Opernhauses warten wollte?
Gormanns: Dass das 1905 eröffnete Opernhaus baulich nicht in bestem Zustand ist, ist seit längerem bekannt. Eine umfassende brandschutztechnische Ertüchtigung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes sollte allerdings erst im Rahmen der Generalsanierung in einigen Jahren erfolgen. Die in der "brandschutztechnischen Stellungnahme" festgestellten Mängel sind jedoch so gravierend, dass nur Sofortmaßnahmen einen Spielbetrieb bis zum Bezug einer Ausweichspielstätte sicherstellen können.

Genial, wild, unerhört - Das große Beethoven-Quiz

© Felix Heyder

Vor 250 Jahren wurde Ludwig van Beethoven geboren, der Komponist, der die klassische Musik mit seinen berühmten Kompositionen neu definiert hat. Rund um sein wildes, von Kämpfen, Schicksalsschlägen und Erfolgen geprägtes Leben ranken sich viele Anekdoten und Geschichten. Wie gut kennen Sie diese?

© Federico Gambarini

Frage 1/13:

Was tat Beethoven, wenn er beim Komponieren zu sehr in Rage kam?

Beethoven, der in Wien seine Wohnungen fast so oft wechselte, wie andere Leute ihre Hemden, goss sich dann eimerweise Wasser über den Kopf. Sehr zum Unwillen der Nachbarn, in deren Wohnungen das Wasser sickerte.

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© Daniel Schweinert via www.imago-images.de

Frage 2/13:

Was störte Beethoven am Wiener Kaiserhof besonders?

Am Wiener Hof galt das spanische Hofzeremoniell, das sich durch besondere Strenge und Steifheit auszeichnete. Nach diesen Regeln hätte sich Beethoven bei Empfängen als Musiker zu den Dienern gesellen müssen. Das wollte Beethoven nicht einsehen, denn er empfand sich als Künstler.

Frage 3/13:

Was machte den jungen Beethoven in Wien schnell bekannt?

Beethoven war mit vielen Klavieren, die es zu seiner Zeit gab, unzufrieden. Bei seinen Auftritten passierte es immer wieder, dass eines der Instrumente unter seinem leidenschaftlichen Spiel zu Bruch ging. Das festigte Beethovens Ruf als wilder Klaviervirtuose.

© Carsten Rehder

© oh

Frage 4/13:

Welcher Schläger der Weltliteratur lässt sich von Beethoven inspirieren?

Er heißt Alex, das ist die Kurzform von Alexander Delarge, die Hauptfigur aus Anthony Burgess' düsterem Zukunftsroman "Clockwork Orange". Vor seinen Gewaltorgien hört er Beethovens Neunte. Die Toten Hosen haben daraus das Album "Die kleine Horrorschau" gemacht, mit dem Hit "Hier kommt Alex".

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Frage 5/13:

Welcher moderne Tonträger wurde in seiner Länge durch ein Werk Beethovens definiert?

Die Compact Disc (CD). Der damalige Vizechef der Firma Sony wollte unbedingt Beethovens 9. Sinfonie komplett auf einer Silberscheibe anhören. Deshalb bieten diese bis heute Platz für rund 75 Minuten Musik.

© Oliver Berg

Frage 6/13:

In welcher Stadt wurde Ludwig van Beethoven geboren?

Ludwig van Beethoven wurde im Dezember 1770 in Bonn geboren. Wann genau, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass er am 17. Dezember 1770 in der katholischen Remigius-Kirche getauft wurde. Sein Geburtshaus ist heute das Beethovenhaus der Stadt Bonn.

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Frage 7/13:

Beethoven und die Frauen: Mit welcher zeugte er vermutlich eine Tochter?

Josephine Brunsvik war eine Klavierschülerin Beethovens. Sie war nacheinander mit zwei Adligen verheiratet, einer starb, der andere verließ sie. Danach traf sie Beethoven vermutlich in Prag, neun Monate später gebar sie eine Tochter, die Minona genannt wurde - rückwärts gelesen heißt das: Anonim.

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Frage 8/13:

Wie hieß der Großvater von Beethoven?

Beethovens Großvater Ludwig van Beethoven (1712 - 1773) war der erste Musiker der Familie. Am Hof von Bonn war er erst Bass, später Hofkapellmeister. Beethoven verklärte seinen Großvater zeitlebens und machte ihn zum Fixpunkt der Familie.

© imago stock&people via www.imago-images.de

© Jochen Tack

Frage 9/13:

Was war Beethovens Großvater außer Musiker noch?

Beethovens Großvater betrieb in Bonn eine Weinhandlung. 

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© David Ertl

Frage 10/13:

Wie verständigte sich Beethoven nach seiner Ertaubung?

Beethoven verwendete Konversationszettel, schrieb seinem Gegenüber also Fragen auf Papier auf, die derjenige dann schriftlich beantwortete. Er verwendete aber auch eine Vielzahl damals üblicher Hörhilfen, vor allem Hörrohre. 

© via www.imago-images.de

Frage 11/13:

Weshalb verfasste Beethoven mit Anfang 30 das Heiligenstädter Testament?

1802 machte Beethoven in Heiligenstadt bei Wien eine Kur gegen seine Ertaubung. Sie schlug fehl. Beethoven war darüber so verzweifelt, dass er in einem Testament Abschied von seinem bisherigen Leben nahm. Er sollte aber noch 25 Jahre leben - und die wichtigsten seiner Werke allesamt noch schreiben.

© privat

Frage 12/13:

Was gilt als Beethovens Leibgericht?

Beethoven aß am liebsten Makkaroni mit Parmesan, ließ die Nudeln aber oft verkochen, weil er sie über das Komponieren vergaß. An Fastentage gab es dagegen eine einfache Brotsuppe mit eingerührten Eiern.

© Helmut Fohringer

Frage 13/13:

Was passierte mit Beethoven nach seinem Tod?

Beethoven wollte, dass sein Schädel nach seinem Tod obduziert wird, um die Ursache seiner Ertaubung festzustellen. Dabei zerbrach der Schädel, Teile davon, wie die Gehörknöchelchen, wurden entfernt und wanderten in den Reliquienhandel. 2005 tauchten Schädelteile Beethovens in Kalifornien auf. 

© Felix Heyder

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!



Was ist mit anderen, ebenfalls gutachterlich festgestellten Baumängeln beim Brandschutz – etwa in der Decke des Zuschauerraums? Ist das Opernhaus in seinem momentanen Zustand überhaupt noch sicher?
Gormanns: Der Zustand der Decke entspricht dem Gesamtzustand des Hauses von 1905, den wir selbstverständlich permanent im Auge behalten.

Angesichts des sich nun bei den Voruntersuchungen zur Generalsanierung zeigenden baulichen Gesamtzustands – über den Brandschutz hinaus – hätte man die Generalsanierung nicht schon bedeutend früher angehen müssen? Haben hier die Verantwortlichen der Stadt und des Staatstheaters zu zögerlich gehandelt?
Ruppert: Es ließe sich lange über mögliche Versäumnisse der Vergangenheit philosophieren. Aber unsere gemeinsame Aufgabe ist es jetzt, Lösungen für unser Nürnberger Staatstheater der Zukunft zu entwickeln und nach vorne zu schauen.

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