In der Christuskirche schweben 1,8 Tonnen von der Decke

15.7.2008, 00:00 Uhr
Meide Büdel mit ihrem schwebenden Altar in der Christuskirche.

© Eduard Weigert Meide Büdel mit ihrem schwebenden Altar in der Christuskirche.

Das war in den vergangenen Monaten die wichtigste Frage für die Künstlerin Meide Büdel. Bereits im November hatte sie den fast drei Meter breiten Altar aus einer sechs Zentimeter dicken, leicht gebogenen Stahlplatte montieren lassen. Doch dann zog sich das Prozedere hin: Meide Büdel musste mit den restlichen Arbeiten wie der Überarbeitung der Oberflächen immer wieder warten, bis andere, vor allem am Boden, beendet waren.

Konzept überzeugte

Mittlerweile schwebt der tonnenschwere Koloss jedoch endlich über dem Boden. «Wäre es eine katholische Kirche, könnten auch noch zehn Ministranten gefahrlos darauf herumturnen«, wischt Meide Büdel alle Sicherheitsbedenken lachend beiseite. Das Konzept der Künstlerin für die Gestaltung des Innenraums der Christuskirche überzeugte die Kirchengemeinde Steinbühl. Zwei Mitbewerber schlug sie aus dem Rennen. Dabei hatte sich die 46-Jährige gar nicht beworben, sondern wurde auf Vorschlag des Neuen Museums in die engere Auswahl genommen.

Die Gemeinde suchte einen stimmigen Vorschlag für den durch die Renovierung kleiner gewordenen, fast kubistischen Raum. Architektin Susanne Frank hatte in das bestehende Gebäude einen modernen, zweigeschossigen Baukörper aus Glas und Beton integriert. Durch den Bau dieses «Hauses im Gotteshaus«, in das die Gemeinderäume integriert sind, ist das Kirchenschiff verkürzt.

Mächtiger Betonguss

Ein mutiges Projekt, zu dem auch die künstlerische Neugestaltung des Innenraums passt, zu der nicht nur der Altar gehört, sondern auch der «Ort der Rede«, also die Kanzel. Hier hat sich Büdel einen mächtigen Betonguss einfallen lassen. Komplett wird das Konzept mit dem neuen Taufstein, von dem ein dünnes gelbes, in den Boden eingelassenes Glasband direkt auf die Kanzel zuführt.

Spektakulärer Hingucker ist aber natürlich der an vier zehn Millimeter dicken Stahlseilen befestigte Altar direkt vor der riesigen goldenen Christusfigur. Mit der Konstruktion will Meide Büdel den Luftraum bis zur 16 Meter hohen Decke nutzen und bewusst machen.

Zwei weitere Wettbewerbe gewonnen

Derzeit arbeitet Meide Büdel noch an zwei anderen kirchlichen Aufträgen: Sie hat den Wettbewerb zur künstlerischen Innengestaltung der neuen Kirche Maria Magdalena in Fürth gewonnen und überzeugte außerdem mit ihrem Konzept für die Stadtkirche Naila in Oberfranken - der Umbau sorgt dort derzeit allerdings für heiße Diskussionen. Bleibt zu hoffen, dass es auch dort irgendwann heißt: Ende gut, alles gut.