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Knietief im Komödien-Mainstream: "Die Känguru-Chroniken"

Dani Levy hat Marc-Uwe Klings Bestseller verfilmt. Das ist nicht wirklich gelungen - 05.03.2020 12:40 Uhr

Leider nicht gut: Dimitrij Schaad und das Känguru als Dumm-und-Dümmer-Duo.

05.03.2020 © Foto: X-Verleih


Eines Tages klingelt es bei dem schlurfigen Kleinkünstler Marc-Uwe (Autor, Erfinder und Ich-Erzähler der "Känguru-Chroniken", im Film dargestellt von Dimitrij Schaad) an der Wohnungstür. Davor steht ein sprechendes Känguru, das ungefragt bei ihm einzieht. In diesem herrlich-absurden Setting entstand um 2008 herum in Berlin eine flotte Radio-Comedy-Serie, die später als Roman/ Hörbuch erschien und ein derartiger Riesen-Erfolg wurde, dass eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit war.

Die liegt nun vor. Den Zuschlag bekam der Schweizer Dani Levy ("Alles auf Zucker!", "Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler"), bei allem Respekt nicht der hellste Stern am Regie-Himmel. An ihm allein kann es jedoch nicht gelegen haben, dass die "Känguru-Chroniken" im abendfüllenden Kinoformat so gar nicht funktionieren – immerhin stammt das Drehbuch von "Känguru"-Erfinder Marc-Uwe Kling höchstpersönlich.

Die Geschichte ist windelweich, die Figuren sind platt, die Schauspieler wahlweise überdreht oder ratlos, das Känguru ist nicht wirklich prickelnd animiert und überhaupt krankt der Film an einer ganz schlimmen Gesamtoptik, die irgendwo zwischen "Bibi Blocksberg – der Film" und einer x-beliebigen TV-Seifenoper rangiert, mit jener Kulissenhaftigkeit, für die die deutsche Mainstream-Komödie berüchtigt ist.

Irgendwie hatte man die schlauen, gerne politischen und philosophischen Streitgespräche zwischen Tier (bekennender Kommunist) und Mensch (gemäßigter Anarchist) als erfrischend-anarchisch in Erinnerung (wie gesagt, am besten funktioniert das vom Autor selbst gelesene Hörbuch). Im Film ist nichts davon übrig, da erlebt man das WG-Duo als nerviges, pausenlos infantil herumalberndes Chaotengespann, mit dem wahrscheinlich die Zielgruppe "ab 6 Jahren" angesprochen werden soll.

Gleichzeitig will der "Känguru"-Film aber auch politisch sein. Unsere Helden sehen sich nämlich einer Partei namens AzD (Alternative zu Deutschland) gegenüber, die mitten in den alternativen Berliner Kiez, genauer gesagt auf den Görlitzer Park, einen Europa-Tower bauen will: eine Machtzentrale für die neu-rechte Phalanx, in die das Drehbuch neben Marine Le Pen, Viktor Orbán, Geert Wilders und Nigel Farrage pauschal gleich auch noch die Volksstämme der Bayern und Schwaben einsortiert. Doch die neuen Nazis mal eben als dumpfe Vollpfosten vorzuführen, funktioniert im Jahr 2020 nicht mehr und stellt wahrlich keine überzeugende Antwort auf Typen wie Björn Höcke dar.

Was den Kult um das Känguru angeht: Kommerziell macht diese Verfilmung Sinn, künstlerisch so gar nicht. (93 Minuten)

STEFAN GNAD

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