Kompakte Kunsttour

11.10.2007, 00:00 Uhr
Gostenhof ist bunt – von innen wie von außen besehen: Das beweisen Edmund Tauberts «Kaminofen»-Stillleben (li.) ebenso wie Fridrich Popp und Riza Özlek in ihrem Künstlergarten.

Gostenhof ist bunt – von innen wie von außen besehen: Das beweisen Edmund Tauberts «Kaminofen»-Stillleben (li.) ebenso wie Fridrich Popp und Riza Özlek in ihrem Künstlergarten. © oh/Weigert

Sollte irgendjemand noch nicht wissen, wo Nürnbergs Künstlerviertel liegt: Ganz klar in Gostenhof. Das einstige «Glasscherbenviertel» kann heute mit einer beeindruckenden Künstlerdichte aufwarten. Auf rund 200 schätzt Manfred Sternberg den Anteil allein jener Kreativen, die im Bereich der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks tätig sind. Und dass der Stadtteil weiter an Anziehungskraft gewinnt, obwohl es inzwischen schwer ist, freie Atelierräume zu finden, zeigt die große Zahl der «Debütanten»: Etwa die Hälfte ist zum ersten Mal bei der «GoHo» dabei.

«Die 1998 gegründete GoHo wird langsam zur Institution», freut sich Sternberg, der als Leiter des Nachbarschaftshauses Gostenhof auch für die zentrale Koordination zuständig ist. Weder er noch das ehrenamtlich tätige Organisationsteam lassen sich von dem immer größer werdenden logistischen Aufwand abschrecken.

Werbung für den Stadtteil

Im Gegenteil: Die Ateliertage verstehen sich auch als Werbung für den Stadtteil, und je mehr mitmachen, ob Künstler, Kneipen oder Restaurants, desto näher kommt man dem Ziel: Menschen für Kunst zu interessieren, persönliche Begegnungen zu ermöglichen, zu zeigen, wie Kunst und Alltag zusammengehören, und nicht zuletzt auch die Vernetzung der Künstler untereinander zu stärken.

Das Angebot der diesjährigen «GoHo» bietet dabei wirklich für jeden Kunstgeschmack etwas: Von Malerei und Bildhauerei über Fotografie, Lichtkunst und Installationen bis zu Performances reicht das Spektrum. Wer hautnah und umfassend Einblick in das künstlerische Potenzial Gostenhofs bekommen will, sollte sich die beiden Sonntage, 14. und 21. Oktober, vormerken. Dann sind sämtliche Ateliers und Werkstätten von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Kunst fast rund um die Uhr kann man während der «GoHo» in den Galerien und an etlichen Ausstellungsorten entdecken - im Friseursalon und in der Autowerkstatt ebenso wie im Palais Schaumburg, im Salon Regina, im «Vitanas Senioren Centrum Patricia» oder im Restaurant «Zum Wilden Jäger», wo Angelika Krauß «Spezialitäten vom Land und Kunst aus eigenem Anbau» serviert.

Literarischer Spaziergang

Abwechslungsreich angerichtet ist auch das Veranstaltungsprogramm: Zum ersten Mal gibt es einen literarischen Spaziergang, bei dem der «Gostner Hofpoet» Josef Uitz durch die Ateliers von Edith Maria Roth, Bernd de Payrebrune und Ismail Atmali führt und die ausgestellten Werke auf lyrische Weise interpretiert (19.10., 16 Uhr). Choreograf Ingo Schweiger nähert sich einer Lichtinstallation von Rita Kriege auf tänzerische Weise (Werkstatt für Tanz, 20.10., 19 Uhr). Riza Özlek und Fridrich Popp laden am 13. 10. (16 Uhr) im Künstlergarten Sanat Bahçesi zum Atelierfest mit Esskastanien und Überraschungen ein, und der MUZclub der Musikzentrale begleitet die «GoHo» mit einer ganzen Reihe von Live-Konzerten.

Gespannt sein darf man auch auf das «RoseNOW»-Projekt, bei dem der Rosenau-Park künstlerisch in Szene gesetzt wird, inklusive Sound-Experimenten und Feuershow (19.10., ab 18 Uhr). Und wer leider überhaupt keine Zeit hat, dem sei zumindest ein Besuch im Kulturdach des Nachbarschaftshauses empfohlen. Dort gibt’s die «GoHo» im Schnelldurchlauf mit je einem Exponat von jedem teilnehmenden Künstler. REGINA URBAN