25°

Sonntag, 21.07.2019

|

zum Thema

Leerer Magen, leerer Kopf

Leonhard F. Seidl aus Fürth kämpft im deutschen Schriftsteller-Verband für gerechte Bezahlung. - 12.06.2019 19:00 Uhr

Der Fürther Schriftsteller Leonhard F. Seidl. © Foto: Peter Romir


Der seit drei Jahren in Fürth lebende Leonhard F. Seidl ist ein alter Hase im Geschäft: Vier Romane, einige Musical-Libretti und zahllose Artikel, Glossen und Kurzgeschichten hat er in den letzten Jahren veröffentlicht. Dass ein Autorenleben alles andere als lukrativ ist, weiß er deshalb aus eigener Erfahrung: "Nur etwa zwei Prozent der Belletristik-Autoren in Deutschland können allein vom Schreiben leben – das ist absurd, da sie doch ein wichtiges Gut herstellen, von dem viele andere bei den Verlagen oder im Buchhandel leben", erzählt er.

Deswegen gehört zu den vordringlichen Aufgaben seines Vereins, Autoren bei Preisverhandlungen zu beraten: "300 Euro für eine Lesung sollte auch ein Anfänger verlangen", meint Seidl. "Das klingt erst mal viel – aber wenn man denkt, dass man an einem Roman zwei bis sieben Jahre sitzt, ist es völlig fair. Denn mit leerem Kühlschrank und leerem Magen kann niemand schreiben."

Zwar gebe es Literatur-Preise und Stipendien, aber im Vergleich mit anderen Bundesländern sei die Literatur-Förderung in Bayern durchaus noch ausbaufähig: "Der Freistaat glänzt hier nicht gerade. . .", sagt Seidl. Ganz im Gegensatz dazu steht die Aktivität innerhalb der Szene. Rund 50 Mitglieder hat der mittelfränkische Autorenverband. Und die kommen aus allen Genres: Vom Sachbuch-Autor über die Lyrikerin bis zum Romancier. Hier hat in den letzten Jahren durch das Internet auch ein Wandel stattgefunden: "Früher waren wir als Verband nur für Schriftsteller zuständig, die bei Verlagen publizieren", sagt Seidl. "Heute nehmen wir auch Autoren, die sich als Self-Publisher hervorgetan haben."

Kontakt zu Partnerstädten

Der Verband bietet die Möglichkeit zum Austausch und zur Weiterbildung bei regelmäßigen Treffen. Die finden meist im Nürnberger Kulturladen Nord – einem langjährigem Zentrum der Literaturszene – statt.

Für seine Amtszeit hat sich Seidl außerdem vorgenommen, den Verband noch weiter zu öffnen: "Ich möchte Kontakte zu Autoren aus den Partnerstädten der Region knüpfen."

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Pflege des wichtigsten Werkzeugs der Autorinnen und Autoren: der Sprache. "Wir arbeiten an einem ‚Wörterbuch der unmenschlichen Ausdrücke’", verrät Seidl. "Darin sammeln wir diskriminierende Begriffe wie etwa ‚Asyl-Tourismus‘ oder ‚Döner-Morde‘ um sie zu entlarven."

Denn für Seidl soll die Sprache nicht trennen, sondern verbinden: "Texte sind für mich ein Weg, auf dem Menschen auf zärtliche Weise zueinander finden können." 

PETER ROMIR

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur