Stars am Zeppelinfeld

Legendäre Open-Airs: Als Nürnberg zu Deutschlands Rockstadt wurde

29.8.2021, 06:00 Uhr
50 000 Fans kamen zum ersten Rock-Freiluft-Festival in Nürnberg 1977.

50 000 Fans kamen zum ersten Rock-Freiluft-Festival in Nürnberg 1977. © Bernd Hafenrichter / VNP, NN

Carlos Santana und Pete Townshend, Udo Lindenberg und natürlich Bob Dylan: Sie und viele mehr traten bei den drei legendären Open-Airs auf, die von 1977 bis 1979 auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg stattfanden. Das war erstens kein Zufall und zweitens folgenreich bis heute. Stadtführerin Susanne Rieger hat Hintergründe recherchiert und vermittelt sie nun bei einer neu konzipierten Führung an der einstigen Freiluft-Wirkungsstätte der Rockstars.

Bis zu 80 000 Menschen, die zum Musikhören und Feiern zusammenkommen: Konzerte in diesen Dimensionen waren vor über 40 Jahren noch etwas Neues und ganz Besonderes. Noch dazu mit Lasershow.

"Damit haben The Who 1979 ganz neue Maßstäbe gesetzt", sagt Susanne Rieger und berichtet, dass ein aus Nürnberg stammender und nach England emigrierter Star des Kunstbetriebs, Gustav Metzger, mit verantwortlich war für diese optische Überwältigung des Publikums: "Gitarrist Pete Townshend hat bei Gustav Metzger am Art College in London in den 1960er Jahren Vorlesungen gehört. Sie hatten eine sehr enge Beziehung."

In Zeitungsberichten von damals, in Fachzeitschriften, Gesprächen mit Zeitzeugen und Stadtratsprotokollen hat Rieger die Geschichte und Hintergründe dieser drei Mega-Events recherchiert und schlägt den Bogen bis zu "Rock im Park" von heute. Es geht ihr nicht in erster Linie um die Musik, sondern um das Drumherum dieser stadtgeschichtlichen Ereignisse, die Spaß und Party auf das Gelände brachten, wo die Nazis Hass und Größenwahn gepredigt hatten.

Sonderzüge und Charterflugzeuge

"Alle politischen Gremien in der Stadt haben das damals unterstützt. Ihnen war klar, dass das attraktiv für Nürnberg ist", sagt sie. So attraktiv, dass ab 1978 Sonderzüge und Charterflugzeuge eingesetzt wurden. "Die Leute kamen aus ganz Deutschland, aus Italien, Polen oder Dänemark." Viele aber auch mit dem Auto: "1977 reisten 12 000 mit dem PKW oder Camping-Bus zu dem damals total verregneten Konzert an, 1978 waren es 20 000."

Bis hin zum Luitpoldhain wurde damals wild gezeltet. "Weder von der Polizei noch von den Anwohnern gab es anfangs aber große Beschwerden wegen Lärm oder Verschmutzung", sagt Rieger. Die kamen von den Besuchern aber wegen zu weniger sanitärer Anlagen. "Sieben Toilettenwagen, zwei Tribünentoiletten und 35 sogenannte Trockenelemente: Das war alles. Vor allem vor den Damentoiletten bildeten sich lange Schlangen", sagt Rieger über das 1978-er Konzert. Im Jahr darauf sei es nicht wesentlich besser geworden.

Grills und Bratereien

Was dagegen kontinuierlich ausgebaut wurde, ist das kulinarische Angebot: 1977 war eine Wurstbude das höchste der Gefühle, 1978 gab es dann schon Hähnchengrills und Haxenbratereien. "Dosen und Flaschen mitzubringen war verboten, sie wurden aber natürlich fleißig eingeschmuggelt", meint Rieger.

25 Mark kostete eine Karte 1977 im Vorverkauf, in den beiden Folgejahren dann 30 Mark. Dafür bekam man Auftritte von sechs bis neun Bands. Wobei es schon mal vorkommen konnte, dass Stars, die auf den Plakaten angekündigt waren, nicht anreisten, oder recht spontan neue dazukamen – ein Konzerttag als Überraschungstüte.

Amerikaner als sichere Klientel

Dass der bundesweit tätige Tourneeveranstalter Fritz Rau und der lokale Konzertmanager Rainer Hänsel sich 1977 an so ein Event in Nürnberg trauten, hatte gute Gründe. Erstens so Rieger, habe die beiden natürlich diese für Konzerte ideale Location gereizt. "Außerdem hatten sie die Amerikaner als sichere Klientel, die den zentral gelegenen Veranstaltungsort Nürnberg gut erreichen konnten. Mit ihnen waren diese Zuschauerzahlen kontinuierlich möglich. Rock ist durch sie in Nürnberg angekommen und schnell in dieser Breite aufgeschlagen. Nürnberg war bis 1990 die Rockstadt Deutschlands - was Open Airs betrifft."

Führung "Let there be Rock! Die 3 legendären Open-Airs 1977-79 auf dem Zeppelinfeld" am 5. 9. um 11.30 und 14.30 Uhr, am 26. 9. um 14.30 Uhr. Anmeldung nötig per Mail testimon-transiturs@gmx.de oder unter Telefon 0162 75 15 840.

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