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Mit SENF auf Europakurs

Kulturhauptstadt-Bewerbung: Bürgerinitiative "NUE2025" übergab Forderungskatalog an Nürnberg. - 17.07.2019 18:36 Uhr

"NUE2025" nennt sich eine rührige Bürgerinitiative, die Nürnbergs Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 ebenso engagiert wie kritisch begleitet. In dreieinhalbjähriger Arbeit haben die ehrenamtlichen Mitglieder nun eine Liste mit Kritikpunkten und Forderungen erarbeitet und ans Bewerbungsbüro übergeben.

 

Was genau ist "NUE2025"?

Eine Bürgerinitiative pro Europäische Kulturhauptstadt Nürnberg. Die Mitglieder stammen aus der breiten Bürgerschaft mit Schwerpunkt Kultur- und Kreativszene. In bisher rund 30 eigenen Veranstaltungen (auch in den Nachbarstädten Nürnbergs) haben sich rund 300 Engagierte aktiv eingebracht. Eines der Ziele ist echte Bürgerbeteiligung bei der Kulturhauptstadt-Bewerbung.

 

Wie sollte diese umfassende Bürgerbeteiligung erzielt werden?

NUE2025 fordert die Einrichtung eines Bürger-Kulturbeirats nach dem Vorbild der in Irland eingerichteten Bürgerversammlungen. Das heißt: 0,01 Prozent der Bewohner der vier Städte Schwabach, Erlangen, Nürnberg und Fürth, also rund 80 Bürger, werden per Losverfahren ausgewählt. Dieser Bürgerrat soll die Kulturpolitik und Kulturhauptstadt-Bewerbung begleiten.

 

Warum sollte der Bürgerrat nicht nur aus Nürnbergern bestehen, schließlich bewirbt sich ja Nürnberg um den Titel?

Weil die vier Städte Schwabach, Erlangen, Fürth und Nürnberg kulturell immer stärker zusammenwachsen zu der Metropole SENF (Akronym der Anfangsbuchstaben). Deshalb fordern die Mitglieder von NUE2025, dass die Entwicklung des gemeinsamen, urbanen Kultur- und Lebensraumes der Metropole SENF als strategische Perspektive in die Bewerbung aufgenommen wird.

 

Was kritisieren die Verfasser des Papiers?

Sie können nicht erkennen, dass die im Januar 2018 im Nürnberger Stadtrat vorgelegte Kulturstrategie weiterentwickelt wurde. Die Verwaltung denke zudem zu stark in den Silos der Referate wie Wirtschaft, Soziales oder Kultur und zu sehr in den engen Grenzen der Innenstadt, wenn von Kultur gesprochen werde. Die Bewerbung müsse einen breiten Kulturbegriff abbilden und darauf aufbauen.

 

Was fehlt nach Ansicht der Bürgerinitiative?

Unter anderem Studienplätze und entsprechende Einrichtungen für Forschung im Kultur- und Kreativsektor. Vor allem fehlten im Hochschulbereich Angebote für darstellende Kunst (Theater, Tanz, Film) und Musik jenseits von Klassik und Jazz sowie Produkt- und Service-Design.

 

Wo sehen die Mitglieder von NUE2025 die größten Probleme in der Beziehung der Kulturschaffenden zur Stadtverwaltung?

In der direkten Verknüpfung von Förderung und Geldmitteln. "Sehr viele Projekte scheitern nicht an finanziellen Mitteln, sondern an der mangelnden ideellen Förderung der Stadt Nürnberg", heißt es. Konkret fordern sie mehr Möglichkeiten für öffentliche Auftritte von Künstlern, wünschen öffentliche Bühnen und dass Kultur-Ombudspersonen eingesetzt werden. Die Stadtverwaltung nehmen die Verfasser des Papiers als "langsam, verknöchert, zentralistisch, top-down-organisiert" wahr, als eine "Organisation, ohne Mut zum sichtbaren Diskurs, zum Experiment, zum Wagnis und auch zum Scheitern".

 

Wie will NUE2025 den Zugang zur Kultur für alle möglich machen?

Zum Beispiel mit einem "bedingungslosen Kultureinkommen". Die Bürgerinitiative schlägt vor, im Jahr 2025 an 0,01 Prozent der Bevölkerung der teilnehmenden Gemeinden per Losverfahren ein Kultureinkommen zu vergeben. Das heißt: 1200 Euro netto im Monat plus freien Eintritt zu jeder kulturellen Veranstaltung im Jahr 2025 in den teilnehmenden Gemeinden. Bewerben soll sich jeder dürfen, mit einer kurzen Schilderung, was er in dem Jahr zum kulturellen Leben beitragen möchte und wie andere daran teilhaben können – vom Kochen über einen Blog bis hin zum Jugendtraining.

 

Wo kann man mehr über die Forderungen, die Bürgerinitiative und ihre Projekte erfahren?

Beim Creative Monday am 22. Juli um 19 Uhr im Neuen Museum am Nürnberger Klarissenplatz. Im Internet unter https://nue2025.eu 

Birgit Ruf

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