Sailor Moon

Netflix: Legendäre Manga-Serie "Sailor Moon" kehrt zurück

4.6.2021, 17:00 Uhr
Szene aus dem Animationsfilm

Szene aus dem Animationsfilm "Sailor Moon", mit Hauptfigur Usagi Tsukino von Zeichner Naoko Takeuchi. © Toei Animation/ Naoko Takeuch, NNZ

Im Nachmittagsprogramm des Privatfernsehens öffnete sich Ende der Neunzigerjahre für das Publikum ein Tor zu einer neuen Welt. In einer Serie dort traf das tollpatschige und weinerliche Mädchen Usagi Tuskino auf die sprechende Katze Luna, die Usagi mitteilte, dass sie eine Kriegerin für Liebe und Gerechtigkeit sei – Sailor Moon eben. Einmal pro Werktag rettete sie zuverlässig die Welt. Bald mit weiteren Sailor-Kriegerinnen und Freundinnen. Der Kampf gegen böse Mächte und Dämonen dauerte 200 Episoden. Und löste einen Boom aus.

"Ständiger Begleiter"

Zahlreiche Jugendliche schauten sich die Abenteuer von Usagi an – die in der deutschen Synchronisation zu Bunny wurde. Das tat dem Erfolg von "Sailor Moon" aber keinen Abbruch.

"Es war einfach ein ständiger Begleiter", sagt Verena Maser. Die 37-jährige Nürnbergerin arbeitet heute als freie Übersetzerin für Manga und als freie Autorin. "Sailor Moon" sei immer da gewesen, so Maser. Die Serie lag perfekt auf 14 Uhr – Schule aus, Fernsehen an.

Millionenfach verkauft

So wie Maser ging es damals vielen Schülerinnen und Schülern, die wenig später in die Buchläden der Bundesrepublik strömten, um sich dort mit dem Manga der Serie einzudecken. Die Comicvorlage mit 18 Bänden der japanischen Künstlerin Naoko Takeuchi verkaufte sich millionenfach.

Die deutsche Comicbranche steckte damals in einer Krise, der eine oder andere Buchladen ebenso. "Sailor Moon" und zugegeben ein paar weitere Serien wie "Dragon Ball" halfen hier weiter und brachten neue Käuferschichten mit sich.

Was auch daran lag: Ein Manga wie "Sailor Moon" sprach vor allem weibliche Leser an – in der damals von Superhelden und frankobelgischen Werken geprägten Comic-Welt eine Ausnahme. "Von der Story war es einfach anders als alles, was man kannte", so Maser. Die Heldinnen waren komplett verschiedene Charaktere und weit davon entfernt, perfekt zu sein. Sie entwickelten sich weiter, neue Lebensumstände kamen in der Geschichte dazu. Außerdem zeigte "Sailor Moon" völlig selbstverständlich ein lesbisches Liebespaar. Beim Manga faszinierte daneben die neuartige Leserichtung von rechts nach links und von hinten nach vorne.

Durch und durch japanisch

"Sailor Moon war durch und durch japanisch", sagt Gabriel deVue. Die Serie habe sie dazu gebracht, Fanarts zu zeichnen und ihre Leidenschaft mit anderen zu teilen. Die heute 36-jährige Zeichnerin und Illustratorin aus Schnaittach wurde damals so Teil einer "riesigen Gemeinschaft von Gleichgesinnten", die sich bald im Internet austauschten. So wurde ihre Liebe zum visuellen Erzählen schließlich zu ihrem Beruf. "Sailor Moon habe ich damals auf Videokassette aufgenommen und dann mit Backpapier auf dem Fernseher abgepaust." Heute zeichnet deVue ihre eigene Webcomic-Serie "Twisted".

Nach dem Erfolg von Anime und Manga in den Neunzigern folgten über die Jahre: Neuauflage des Manga namens "Pretty Guardian Sailor Moon", neue Schmuckausgabe, die Geschichte vor der Geschichte "Sailor V", dazu eine zweite Anime-Serie "Sailor Moon Crystal" – zu der auch der zweiteilige Film "Pretty Guardian Sailor Moon Eternal" gehört, der nun bei Netflix für das deutsche Publikum erscheint. "In meinen Augen ist Sailor Moon immer noch eine Serie mit einem großartig vielfältigen Ensemble", sagt deVue. "Von solchen Serien gibt es zum Glück mittlerweile immer mehr."

Freude bei den Fans

Fans und Publikum haben sich mittlerweile an die Ästhetik von Manga und Anime gewöhnt. Die Neuankündigung sorgte bei Fans trotzdem für Freude. Weniger wegen des neuen Zeichenstils, sondern der Nostalgie. Und der Hoffnung, dass nun bald die originale Serie aus den Neunzigern beim Streaming-Anbieter folgen könnte. Das bleibt bis jetzt aber eben nur Hoffnung ohne konkrete Informationen oder Hinweise.