Nichts wie raus aus der Nische

6.11.2006, 00:00 Uhr
Ob mit Hut oder ohne: Die Besucher der Country-Messe nahmen die Aufforderung zum Tanz gerne an. Foto: Bauer

Ob mit Hut oder ohne: Die Besucher der Country-Messe nahmen die Aufforderung zum Tanz gerne an. Foto: Bauer

Country-Musik führte in Deutschland lange ein Nischen-Dasein: Musik für eine spezielle Klientel, die außerhalb dieser Szene kaum beachtet und eher belächelt wurde. Seit dem Erfolg des Films «Walk the Line“ über das Leben von Johnny Cash und der Grand-Prix-Teilnahme von «Texas Lightning“ mit dem Song «No No Never“ hat sich das Image jedoch deutlich verbessert. Country ist inzwischen durchaus «in“.

Sicher gibt es sie noch immer, jene schmalzige Spielart des Country, in der auf Schlager-Niveau Cowboy-Romantik verbreitet wird. Auch auf der Messe gab es Interpreten, die diesen Stil pflegten. Aber das Genre hat doch mehr zu bieten. «Dass Country von schlichten Gemütern gehört wird, ist falsch. Das Publikum geht durch alle Schichten“, sagt Kai Ulatowski, einer der Veranstalter. Er organisiert seit elf Jahren mit steigendem Erfolg die Country-Messe in Berlin. Nürnberg wurde nicht zuletzt deshalb als zweite Stadt auserkoren, weil hier wie in Berlin regelmäßig ein Country-Magazin, die Zeitschrift Wheel, erscheint.

Was macht die Faszination der Musik aus? «Eine Rolle spielt sicher die handgemachte Musik, die familiäre Atmosphäre. Außerdem ist die Szene sehr tolerant und für alles offen“, weiß Ulatowski. Aber heißt es denn nicht immer, Country werde in den USA zu einem guten Teil von rassistischen Rednecks gehört. «Falsch“ meint Ulatowski. Es gebe sogar Country-HipHop von schwarzen Interpreten, die in der Szene voll akzeptiert seien. Überhaupt sei das Genre überaus vielfältig, zu den Spielarten gehörten etwa auch Country-Jazz, Country-Rock, Country-Reggae oder Alternative Country.

So deckten auch die über 50 Interpreten sämtlicher Stilrichtungen auf den drei Bühnen ein breites Spektrum ab. Sichtlich begeistert tanzte das Publikum zu den leicht rockigen Klängen der deutsch-amerikanischen Formation «Doug Adkins & One More Ride“. Auch die Nürnberger Gruppe «Amarillo“ hatte einen Auftritt.

Bei einem großen Teil der Besucher waren Cowboy-Hüte und andere standesgemäße Accessoires angesagt. Die konnte man auch an den zahlreichen Verkaufsständen erwerben. Mit der Resonanz sind die Veranstalter sehr zufrieden. Die nächste Messe soll drei Tage dauern und wieder im November über die Bühne gehen. kaho