Premiere als Sommerausgabe

12.7.2021, 19:26 Uhr
Kommt frisch von der Berlinale und noch vor dem deutschen Kinostart zum Festival: Szene aus „Die Welt wird eine andere sein“ von Anne Zohra Berrached.

Kommt frisch von der Berlinale und noch vor dem deutschen Kinostart zum Festival: Szene aus „Die Welt wird eine andere sein“ von Anne Zohra Berrached. © Foto: Neue Visionen

Der Lockdown traf ausgerechnet die 25. Jubiläumsausgabe, die nun, mit fast anderthalbjähriger Verspätung, nachgeholt wird – als Sommerausgabe inklusive Openair-Kino: eine Premiere für das traditionsreiche Festival.

Möglich macht das der Umzug ins Gemeinschaftshaus Langwasser als zentraler Spielort, an dem auch die Eröffnung (18. Juli, 19.30 Uhr) und die Preisverleihung (24. Juli, 21 Uhr) stattfinden werden. Gerade umfassend renoviert, bietet der städtische Kulturladen mit seinen zwei Sälen und der großzügigen Gartenanlage auch bei Hygiene- und Abstandsauflagen Platz für insgesamt rund 250 Besucherinnen und Besucher.

Der Ortswechsel ins zentrumsferne Langwasser und die eher kino-unfreundliche Jahreszeit, derentwegen Vorführungsbeginn an allen Tagen erst nach 18 Uhr ist, bedeuten eine große Herausforderung für den Verein InterForum und das KunstKulturQuartier als Kooperationspartner der Stadt, die dem Festival auch in Pandemiejahren nicht nur finanziell fest zur Seite steht.

Das Wichtigste ist für die Veranstalter: Die Jubiläumsausgabe findet statt – mit allem, was die größte gemeinsame Plattform für türkische und deutsche Filmemacher zu einem Vorzeigeprojekt des interkulturellen Dialogs macht: 34 Filme stehen auf dem coronabedingt leicht abgespeckten Programm, wobei der Spielwettbewerb mit elf Beiträgen sogar größer als üblich ausfällt.

"Wir wollten aus Fairness gegenüber den Künstlern alle Filme zeigen, die wir 2020 eingeladen hatten", so Festivaldirektor Adil Kaya. Da viele wegen der Lockdowns nur kurz oder gar nicht in den Kinos laufen konnten, seien sie nach wie vor aktuell.

Hinzugekommen sind drei neue Filme von der Berlinale, darunter Dominik Grafs "Fabian oder der Gang vor die Hunde" und Anne Zohra Berracheds "Die Welt wird eine andere sein". Auch der beim Publikum sehr beliebte Kurzfilmwettbewerb wird durchgeführt – analog und als Stream im digitalen Kino 3 des Filmhauses, das samt Künstlerhaus und Kommkino auch bei der Sommerausgabe dabei bleibt.

Online im Kino 3 wird zudem ein eigens vom Festival produziertes Doku-Porträt über den letztjährigen Ehrenpreisträger Genco Erkal gezeigt: "Wir glaubten an die Revolution durch das Theater" ist eine intime Annäherung an den großen türkischen Theaterregisseur, Schauspieler und Autor.

Mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde 2020 auch die deutsche Schauspielerin Senta Berger, die man an der Seite von Bruno Ganz in dem Drama "Satte Farben vor Schwarz" sehen kann. Sowohl Erkal wie Berger werden nicht zur Preisverleihung anreisen, wollen aber 2022 dabei sein, wenn die Pandemie hoffentlich endgültig Geschichte ist.

Dafür aber werden viele andere Filmschaffende erwartet – über 30 Künstlerinnen und Künstler wollen zu Publikumsgesprächen kommen. Diese per Zoom in die Kinosäle zuzuschalten, kam für Kaya und sein Team nie in Frage. "Unser Festival lebt von der Begegnung auf Augenhöhe", betont er. Denkbar für die Zukunft sei aber eine Aufzeichnung der Gespräche als Stream, da das Interesse daran auch in der Türkei sehr groß sei.

Abgesagt wurde das Schulprogramm, für das bereits etliche Anfragen vorlagen. "Die Situation ist leider zu unsicher", so Kaya. Auch die Podiumsdiskussion – oft zu hochbrisanten Themen – fällt aus. Dafür wagt man mit der "Werkstatt" ein experimentelles Format: Der Regisseur und Autor Nuran David Calis zeigt dabei, wie er sein Theaterprojekt "Verhaftung in Granada" über Angst und Macht in einen Film transformierte und lädt im Anschluss zur Diskussion.

mwww.fftd.net

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