Spaßige Kunst-Auktion mit ernstem Anliegen

25.5.2009, 00:00 Uhr
Matthias Egersdörfer (links) brachte die Kunst unter den Hammer.

Matthias Egersdörfer (links) brachte die Kunst unter den Hammer. © Michael Matejka

ich kann schlecht summieren! Es kann also sein, dass die Preise etwas höher werden, als ihr denkt«, warnt Matthias Egersdörfer die Gäste im Keller des Ateliergeländes Pistner in der Fürther Straße 174a. Der neue Nürnberger Vorzeige-Comedian ist heute hier, um in seiner bewährt frotzeligen Art Werke von über 40 mehr oder minder bekannten Künstlern unter den Hammer zu bringen: «Normalerweise ist das mit Kunst ja immer so eine Sache – was macht man, wenn’s den Gästen nicht gefällt? Kein Problem: Wenn sie hier kaufen, können sie immer noch sagen: Ist zwar scheußlich, aber für einen guten Zweck!«

Bizarre Schönheiten

Nun, scheußlich ist eigentlich keines der Werke, im Gegenteil – es sind sogar ein paar bizarre Schönheiten dabei: Eine Trompete spielende Kuh von Thomas Lunz, ein toter Osterhase in Rot mit der Überschrift «Weih?« von Gerd Bauer oder ein ironischer Kunstdruck aus dem Nachlass des großen Toni Burghart in Form einer Ikonentafel mit der Unterzeile «Ich danke dem Herrn, dass ich kein Muslim geworden bin und den ganzen Tag in Teestuben rumhocken muss.«

Etwa 80 Leute sind in den Keller gekommen, um mitzusteigern. Meist geht’s bei 60 Euro los und dann in Fünf-Euro-Schritten nach oben, wobei Egersdörfer neben klassischem Handheben auch Zwischenrufe und sogar Babygeschrei als Meldung gelten lässt – «Es soll ja auch was reinkommen!« Hinter dem Spaß steckt nämlich ein ernstes Anliegen: Das bei der Auktion gewonnene Geld fließt nicht in die Taschen der beteiligten Künstler, sondern geht zugunsten des Nürnberger Vereins Flüchtlingshilfe, der Beratung bei Asylverfahren und in Notsituationen anbietet.

Situation hat sich nicht verbessert

«Dies ist schon die zweite Kunstauktion zugunsten unseres Vereins«, freut sich Vorsitzende Ulrike Voss, die für ihr Engagement bereits mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet wurde. «Und diesmal war der Zuspruch noch größer: Es meldeten sich weit mehr Künstler als wir überhaupt angefragt hatten.

Gut so, denn die Situation von Flüchtlingen hat sich seit 2006 nicht wirklich verbessert. Man denke nur an die Iraker, die hier nur mit Duldung leben oder an all die toten Flüchtlinge im Mittelmeer.« So ist denn auch das Motto der Veranstaltung als besonders grimmige Ironie zu sehen: Inspiriert von einem Dan-Reeder-Song malte Harri Schemm ein Bild, auf dem ungewollte Flüchtlinge als Raketen auf den Mond gefeuert werden. Titel: «Shoot me to the moon.«