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Stardirigent Shelley ist empört über das Aus für Nürnberger Konzerthaus

Auch die Kulturszene spricht von einem "riesigen Verlust" für die Stadt - 19.11.2020 18:01 Uhr

Der frühere Nürnberger Chefdirigent Alexander Shelley.

19.11.2020 © Michael Matejka


Alexander Shelley, Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker von 2009 bis 2017, meldet sich nun sogar aus seiner neuen Heimat Ottawa. „Liebe Musikfreunde, my dear friends in Nuremberg, auch in Kanada hat sich rumgesprochen, dass man den Bau des Nürnberger Konzerthauses gestoppt hat. Was für eine traurige Nachricht“, schreibt Shelley. „Wenn ich lesen muss, dass man das dringend benötigte Nürnberger Konzerthaus nicht bauen möchte, empfinde ich das als schrecklichen Verlust. Mir scheint es, als hätte man Nürnberg ein Stück seiner Zukunft geraubt. Das Konzerthaus hätte in meinen Augen ein ausgezeichneter Anziehungspunkt für alle sein können, die Musik lieben... ein selbstbewusstes Markenzeichen und Symbol für die Zukunftskraft dieser Stadt, ein Leuchtturm für die Attraktivität Nürnbergs in der Welt. Diese Chance scheint nun leider vertan – ich hoffe nicht für immer“.


Das Aus für das Konzerthaus


„Persönlich bin ich natürlich sehr enttäuscht darüber, dass Nürnberg und damit auch unsere Staatsphilharmonie nun erstmal doch kein neues Konzerthaus bekommen“, sagt Jens-Daniel Herzog, Staatsintendant am Richard-Wagner-Platz. „Insbesondere unsere Orchestermusikerinnen und -musiker haben auf einen solchen Ort, der in Nürnberg wirklich fehlt, große Hoffnungen gesetzt.“ Er räumt aber ein: „Bei aller Enttäuschung kann ich die Entscheidung der Politik, Bestandsprojekten den Vorrang zu geben, nachvollziehen.“ Herzog zählt dazu auch das „dringend sanierungsbedürftige Opernhaus“.


Der 1. Konzertmeister der Staatsphilharmonie, Manuel Kastl, fragt sich: „Corona zwingt uns alle in die Knie und alles kommt auf den Prüfstand, doch ist das reflexartige Sparen an der Kultur der richtige Weg? Während für Industrie und Wirtschaft große Kraftanstrengungen unternommen werden, gefährdet Nürnberg mit dem Moratorium eine Investition in seine eigene Identität. Und das gerade in einer Zeit, in der die kulturellen Strukturen bereits auszubluten beginnen..."

"Wir brauchen das Konzerthaus dringlichst"

„Eigentlich müsste man sich hinstellen und weinen“, so die erste Reaktion von Lucius A. Hemmer, dem Intendanten der Nürnberger Symphoniker. „Diese Nachricht bedeutet einen riesigen Verlust. Wir brauchen diesen neuen Saal dringlichst! Die alte Meistersingerhalle kann nicht das leisten, was ein moderner Konzertsaal leisten muss, wenn wir in Nürnberg in Zukunft Live-Konzerte auf einem hohen Niveau bieten wollen. Wir hoffen, dass die Finanzen bald besser werden. Dieses Projekt darf nicht beerdigt werden.“


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Für Norbert Gubo, der mit „Nürnberg Musik“ führende Orchester und große Künstler in die Stadt holt, ist es „eine absolute Hiobsbotschaft. Wir kämpfen seit einem Dreivierteljahr mit Corona und jetzt auch das noch.“ Der hoffentlich vorläufige Stopp werfe die ganze Stadt zurück. „Nürnberg verliert dadurch Anziehungs- und Wirtschaftskraft in einem nicht zu unterschätzenden Ausmaß. Von der kulturellen Aufbruchstimmung, die mit großen Plänen verbunden war, bleibt vorerst nur noch ein Scherbenhaufen.“ Er hofft aber – wie alle – tapfer weiter: „dass dieser Aufschub bald wieder aufgehoben und das Thema Konzerthaus schnellstmöglich wieder auf die Agenda kommt“.


Dem schließt sich auch Beatrice Hörtnagel als Klassik-Veranstalterin an: „Ähnlich wie die Elbphilharmonie für Hamburg würde das Konzerthaus hier einen großen Gewinn für das Kulturleben der Metropolregion bedeuten“, sagt sie. „Die Hörtnagel Konzerte Nürnberg und ihre internationalen Klassikstars hatten sich schon sehr auf die Eröffnung gefreut. Wir sind aber zuversichtlich, dass nach der Coronakrise der Konzertbetrieb in der Meistersingerhalle wieder Fahrt aufnehmen wird – und hoffen natürlich sehr, dass das Konzerthaus in absehbarer Zeit doch noch realisiert wird.“

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