Trak Trak macht Musik, die direkt auf die Beine zielt

15.12.2020, 12:13 Uhr
Hinter der jungen Band Trak Trak steckt das ein oder andere bekannte Gesicht aus der fränkischen Musikszene. Von links: Romina Schenone, Michael Ströll, Cyrena Dunbar, Pablo Delgado, Robin Van Velzen und Lars Fischer. Die erste LP erscheint am Freitag.

Hinter der jungen Band Trak Trak steckt das ein oder andere bekannte Gesicht aus der fränkischen Musikszene. Von links: Romina Schenone, Michael Ströll, Cyrena Dunbar, Pablo Delgado, Robin Van Velzen und Lars Fischer. Die erste LP erscheint am Freitag.

"Das große Problem der aktuellen Popmusik ist, dass die meisten Musiker immer alles richtig machen wollen", schrieb vor einiger Zeit der Musiker und Kolumnist Eric Pfeil sinngemäß in einem klugen Beitrag für den Rolling Stone. Gerade in der aktuellen Retro-Szene ist das augenscheinlich: Die meisten Bands versuchen nach Kräften, den Klischee-Vorstellungen ihres jeweiligen Genres in Sound und Optik so gut wie möglich zu entsprechen.

Dabei sind es gerade die Stil- und Tabubrüche, welche der Popmusik immer wieder neue Entwicklungen beschert haben, etwa als die frühen Rock’n’Roller Rhythm & Blues mit Country mischten oder als Miles Davis den Jazz für den Rock öffnete. Wenn nun ein Häuflein szenebekannter Rock- und Popmusiker aus der Metropolregion auf Initiative einer singenden argentinischen Modedesignerin, Künstlerin und Djane eine Cumbia-Band gründen, dann ist das kein Grund, die Stirn zu runzeln, sondern ein Grund zu hoffen.

Tatsächlich hatten die meisten Musiker von Trak Trak – der Name ist rein lautmalerisch und hat keine tiefere Bedeutung – mit südamerikanischer Tanzmusik zuvor herzlich wenig am Hut. Keyboarderin Cyrena Dunbar hat es als Frontfrau der Band Wrongkong zu überregionaler Bekanntheit gebracht, Perkussionist Pablo Delgado entstammt der argentinischen Rockszene. Drummer Lars Fischer kennt man als Bassisten von Rockbands wie Stadt aus Glas, Gitarrist Michael Ströll bewegt sich mit Buddy & The Huddle und anderen Projekten im weiten Feld der Americana, während Bassist Robin Van Velzen als Gitarrist, Sänger und Songschreiber zwischen Songwriter-Rock und Noise-Experimenten (Bambi Davidson) die Möglichkeiten der Gitarre erkundet.

Einzig Sängerin Romina Schenone, die 2003 der Liebe wegen nach Deutschland kam, wurde bereits als Teenager in den Clubs von Buenos Aires mit dem Cumbia-Virus infiziert: "Cumbia ist in Argentinien populär, vor allem in den armen Vierteln, genau wie in den anderen lateinamerikanischen Ländern auch. Und in jedem Land klingt Cumbia anders. Jedes Land hat ein spezielles Instrument, das die anderen nicht benutzen, der Rhythmus wird überall anders gespielt."

Auf der Suche nach einem neuen Sound

Womit sich die Frage nach dem "echten" Cumbia gar nicht stellt. Gemeinsam ist allen Varianten der geradlinige, im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Stilen wenig synkopierte Grundrhythmus im Viervierteltakt, der auch bei Trak Trak mit einer kräftig pumpenden Bassdrum markiert wird. Darüber ertönen dann aber auch mal Tex-Mex-Gitarren oder orientalisch anmutende Synthesizer-Fanfaren.

"Wir könnten gar keinen authentischen Cumbia machen, jedenfalls nicht so gut, wie eine südamerikanische Band", sagt Michael Ströll. "Aber das ist gleichzeitig unsere Stärke. Wir sind auf der Suche nach einem neuen Sound. Und das ist uns auch gut gelungen, finde ich."

Begonnen hat die Geschichte von Trak Trak vor etwa zwei Jahren im Nürnberger Club Hemdendienst, in dem ein Großteil der Band schon seit Jahren künstlerisch und organisatorisch aktiv ist. Nachdem Romina dort als Djane einen Cumbia-Tanzabend veranstaltet hatte, begann sie zunächst mit Lars Fischer, dann mit immer mehr befreundeten Musikern locker zu jammen. Die neue Rolle als Sängerin fällt ihr dabei nicht schwer. "In Buenos Aires habe ich Kunst studiert, habe Ausstellungen gemacht und hatte auch an der Kunstakademie eine Band. Ich habe keine Angst, mich vor ein Publikum zu stellen." Auch wenn Trak Traks europäische Cumbia-Variante in erster Linie auf die Beine zielt, so legt Romina Schenone doch viel Wert auf ihre spanischen Texte.

Laut ist nicht verrückt

"Die Lieder haben immer eine Bedeutung. Das sind keine La-la-la-Texte. Der Song ‚Salvaje‘ erzählt davon, dass während der argentinischen Diktatur viele unangepasste Menschen spurlos verschwunden sind. Die Mütter dieser Leute haben noch unter der Diktatur angefangen, Protestmärsche zu organisieren und haben gefragt ‚Wo sind unsere Kinder?‘. Der damalige Präsident Videla und die Regierung haben diese Leute als ‚Die Verrückten‘, bezeichnet. Wenn eine Frau etwas zu sagen hat, und wenn sie es laut sagt, dann wird sie immer gleich als verrückt oder hysterisch abgestempelt. Das Lied verbindet diese Geschichte mit der Frage, wo wir Frauen heute stehen."

Nun ist das, was 2019 mit einem gefeierten Auftritt beim Fürther Badstraßenfest und der Aufnahme des Debütalbums "Sur Sur" im November des selben Jahres vielversprechend begann, durch die Pandemie harsch unterbrochen worden. Bis wieder Konzerte möglich sind, kann man sich mit "Sur Sur" schon mal warm hören, das bereits im Oktober digital veröffentlicht wurde. Die LP erscheint am 18. Dezember auf Michael Strölls eigenem Label Ciclismo Records.

Aktuelle LP: Trak Trak "Sur Sur" (Ciclismo Records)

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