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Unsere Buchtipps für den September

6.9.2021, 17:49 Uhr
Ein alter Rocker, der seine besten Zeiten hinter sich hat, ein junges Ding namens Vanessa, das ihm totgeglaubte Gefühle zurückbringt, die Aussichtslosigkeit langsam am Leben erschlaffender Männer über 40: Bestsellerautor Heinz Strunk ist mit seinem episodenhaften neuen Roman
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Ein alter Rocker, der seine besten Zeiten hinter sich hat, ein junges Ding namens Vanessa, das ihm totgeglaubte Gefühle zurückbringt, die Aussichtslosigkeit langsam am Leben erschlaffender Männer über 40: Bestsellerautor Heinz Strunk ist mit seinem episodenhaften neuen Roman "Es ist immer so schön mit dir" wieder genau der tragikomische Beobachter, den man liebt. Aber wird er nicht immer zynischer? Egal: kein schönes, ein tolles Buch. (Rowohlt, 22 Euro) Stefan Gnad © Dennis Dirksen/Rowohlt Verlag/Montage: Sabine Schmid

Bis vor kurzem kannte man sie kaum, jetzt werden auch die deutschen Leser zu Fans: Und die Amerikanerin Sigrid Nunez schreibt ja auch wunderbar, geistreich und leicht, selbst bei schwierigen Themen. Wie in dem neuen Roman
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Bis vor kurzem kannte man sie kaum, jetzt werden auch die deutschen Leser zu Fans: Und die Amerikanerin Sigrid Nunez schreibt ja auch wunderbar, geistreich und leicht, selbst bei schwierigen Themen. Wie in dem neuen Roman "Was fehlt dir", in dem es um eine krebskranke Freundin geht und deren Wunsch, von der Erzählerin bis zum (freiwilligen) Ende begleitet zu werden. Das hat auch komische Züge und spielt vielschichtig mit Verantwortung, Mitgefühl und dem letztlich scheiternden Versuch, all das Erlebte in Literatur zu verwandeln. (Aufbau, 20 Euro) Wolf Ebersberger   © Aufbau Verlag/Montage: Sabine Schmid

Manchmal ist der Schlamassel die spannendste Zeit. Philippe Djian erzählt in seinem Roman „Die Ruchlosen“ von Marc, der mit seiner verwitweten Schwägerin Diana in einer südlichen Stadt am Meer lebt. Wenigstens der Blick auf das Wasser spendet Trost. Wieder sind es Stimmungen und starke Dialoge, mit denen der Altmeister und Erotomane („Betty Blue“) seine Story zum Glühen bringt wie die Sonne den Himmel kurz vor dem Untergang. Marc findet Koks-Päckchen am Strand. Schon häufen sich Probleme, wo vorher keine waren. Es gilt, nachts Leichen zu versenken und bei einem Joint Begehren zu beleben. So intensiv hat Djian seit seinem preisgekrönten Roman „Oh!“ nicht mehr mitgerissen. (Diogenes, 22 Euro) Christian Mückl
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Manchmal ist der Schlamassel die spannendste Zeit. Philippe Djian erzählt in seinem Roman „Die Ruchlosen“ von Marc, der mit seiner verwitweten Schwägerin Diana in einer südlichen Stadt am Meer lebt. Wenigstens der Blick auf das Wasser spendet Trost. Wieder sind es Stimmungen und starke Dialoge, mit denen der Altmeister und Erotomane („Betty Blue“) seine Story zum Glühen bringt wie die Sonne den Himmel kurz vor dem Untergang. Marc findet Koks-Päckchen am Strand. Schon häufen sich Probleme, wo vorher keine waren. Es gilt, nachts Leichen zu versenken und bei einem Joint Begehren zu beleben. So intensiv hat Djian seit seinem preisgekrönten Roman „Oh!“ nicht mehr mitgerissen. (Diogenes, 22 Euro) Christian Mückl © Diogenes/Montage: Sabine Schmid

Das ist das Schöne an Büchern aus dem Mareverlag: Sie verlängern den Sommer, weil sie alle vom Meer erzählen. Der kurze Roman
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Das ist das Schöne an Büchern aus dem Mareverlag: Sie verlängern den Sommer, weil sie alle vom Meer erzählen. Der kurze Roman "Nur hier sind wir einzigartig" aus Frankreich verfügt über fast keine Handlung, aber extrem dichte Atmosphäre. Kinder von Archäologen, die jedes Jahr auf einer griechischen Insel einen gemeinsamen Abenteuersommer verleben, werden groß und schließlich älter. Die Autorin Christine Avel ergründet mit der Kraft der Sprache, wie Erinnerung entsteht und unser Leben in Schichten reifen lässt. (Mare, 18 Euro). Isabel Lauer © Mare Verlag/Montage: Sabine Schmid

Seine eigene dramatische Geschichte hat er immer wieder erzählt: wie er, Georges-Arthur Goldschmidt, als kleiner Junge ins Ausland geschickt wurde, um als Jude dem Nazi-Terror zu entkommen. In
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Seine eigene dramatische Geschichte hat er immer wieder erzählt: wie er, Georges-Arthur Goldschmidt, als kleiner Junge ins Ausland geschickt wurde, um als Jude dem Nazi-Terror zu entkommen. In "Der versperrte Weg" berichtet er erstmals von seinem älteren Bruder Erich und dessen Weg in den Widerstand. Kein Heldenepos, sondern eine Flucht ohne Ziel und Heil. Und das lebenslange Leiden am Frevel, kein Deutscher mehr sein zu dürfen. (Wallstein, 20 Euro) Wolf Ebersberger © Wallstein/Montage: Sabine Schmid

In ihrem Roman
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In ihrem Roman "Muttermilch" serviert die US-Autorin und Dichterin Melissa Broder Selbstfindungs-Probleme auf Zuckerguss. Den Weg ihrer Ich-Erzählerin Rachel aus einer zwanghaften Diät heraus, hin zu einer orgiastischen Ess- und Liebeslust, schildert sie so packend, dass man die Seiten verschlingen will wie Chips. Am Ende möchte man sofort ein gigantisches Frozen-Joghurt – oder einen weiteren Roman von ihr. (Claassen, 24 Euro) Anette Röckl © Claassen/Montage: Sabine Schmid

Ans Meer, an den Strand zieht es uns immer, nicht nur zum Baden. Es ist etwas Elementares, und auch das kommt in Bettina Baltschevs schönem Reise-Buch
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Ans Meer, an den Strand zieht es uns immer, nicht nur zum Baden. Es ist etwas Elementares, und auch das kommt in Bettina Baltschevs schönem Reise-Buch "Am Rande der Glückseligkeit" immer wieder zum Ausdruck. Sieben Strände in ganz Europa hat sich die Ostberlinerin ausgesucht, um nicht nur literarische Stimmen der Verzückung zu sammeln, sondern auch die Gegenwart eines alten Seebads wie Brighton, die Insel Hiddensee oder die normannische Küste als Landepunkt der Alliierten zu beleuchten. Herrlich, wie das funkelt! (Berenberg, 25 Euro) Wolf Ebersberger © Berenberg/Montage: Sabine Schmid

Einen wunderbar atmosphärischen Roman aus der Mittelmeer-Welt der 1930er Jahre liefert Alida Bremer mit „Träume und Kulissen“ ab. Das Leben in Split gilt nur noch für kurze Zeit als heiter und unbeschwert: Die politischen Umbrüche und brutalen Ereignisse im gar nicht so entfernten Zentraleuropa und im faschistischen Italien machen den Protagonisten dieser gut recherchierten und einfühlsam geschriebenen Chronik sich überstürzender Ereignisse einen gehörigen Strich durch ihre Dolce-vita-Rechnung. Nun geht es für die einen um die blanke Existenz, für die anderen um politischen und moralischen Anstand an einem Sehnsuchtsort, der zur Falle wird. (Jung & Jung, 24 Euro)  Bernd Noack
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Einen wunderbar atmosphärischen Roman aus der Mittelmeer-Welt der 1930er Jahre liefert Alida Bremer mit „Träume und Kulissen“ ab. Das Leben in Split gilt nur noch für kurze Zeit als heiter und unbeschwert: Die politischen Umbrüche und brutalen Ereignisse im gar nicht so entfernten Zentraleuropa und im faschistischen Italien machen den Protagonisten dieser gut recherchierten und einfühlsam geschriebenen Chronik sich überstürzender Ereignisse einen gehörigen Strich durch ihre Dolce-vita-Rechnung. Nun geht es für die einen um die blanke Existenz, für die anderen um politischen und moralischen Anstand an einem Sehnsuchtsort, der zur Falle wird. (Jung & Jung, 24 Euro)  Bernd Noack © Jung und Jung/Montage: Sabine Schmid

Völlig unverdorben von Schreibseminaren und Prosa-Aufbaukursen legt die in Moskau geborene, in Deutschland lebende und auf Deutsch schreibende Yulia Marfutova ihr Debüt „Der Himmel vor hundert Jahren“ vor. Eine Dorfgeschichte aus dem Jahr 1918 erzählt sie in einem eigenwilligen, unprätentiösen Stil, der aus dem Einheitston heraussticht. Es geht um Umbrüche, verlockende Ideologien, um Aberglaube und beinharte Realität, um Misstrauen und Zusammenhalt auf kleinstem Raum – es geht um die ganz normalen Menschen, die von der Weltgeschichte abgeschnitten scheinen und doch erkennen müssen, dass man irgendwo über sie bestimmt. Ein zerbrechlicher Kosmos, eine lang vergangene Zeit.  Bernd Noack
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Völlig unverdorben von Schreibseminaren und Prosa-Aufbaukursen legt die in Moskau geborene, in Deutschland lebende und auf Deutsch schreibende Yulia Marfutova ihr Debüt „Der Himmel vor hundert Jahren“ vor. Eine Dorfgeschichte aus dem Jahr 1918 erzählt sie in einem eigenwilligen, unprätentiösen Stil, der aus dem Einheitston heraussticht. Es geht um Umbrüche, verlockende Ideologien, um Aberglaube und beinharte Realität, um Misstrauen und Zusammenhalt auf kleinstem Raum – es geht um die ganz normalen Menschen, die von der Weltgeschichte abgeschnitten scheinen und doch erkennen müssen, dass man irgendwo über sie bestimmt. Ein zerbrechlicher Kosmos, eine lang vergangene Zeit.  Bernd Noack © Rowohlt/Montage: Sabine Schmid

Der Fußball-Bundesligaprofi
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Der Fußball-Bundesligaprofi "Erwin Kostedde" war in den 70er Jahren einer der besten deutschen Stürmer seiner Zeit und brachte es doch nur auf drei Länderspiele. Alexander Heflik schildert mit viel Empathie die Lebensgeschichte des ersten schwarzen Nationalspielers, der sich vielleicht nirgends so wohl fühlte wie auf dem Spielfeld (Verlag Die Werkstatt, 19,90 Euro). Marco Puschner © Verlag Werkstatt/Montage: Sabine Schmid

Fjodor Dostojewskis zweites Buch nach dem Riesenerfolg mit „Arme Leute“ fiel bei seinem Erscheinen 1846 bei Kritik und Lesern durch. Das Leben des unbedeutenden Titularrats Goljadkin gerät eines Tages aus den Fugen, weil ein „Doppelgänger“ (Galiani, 24 Euro) neben ihm auftaucht. Daraus könnte man vielleicht Kapital schlagen und in der trägen Petersburger Gesellschaft  geschickt und zu eigenen Gunsten für Wirbel sorgen. Aber das Pendant emanzipiert sich, heimst den ganzen Ruhm ein... Dostojewski experimentierte mit Sprache und Wahn in dieser Groteske, die Alexander Nitzberg jetzt kongenial ins Deutsche übertragen und zum herrlichen Lesevergnügen gemacht hat. Bernd Noack
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Fjodor Dostojewskis zweites Buch nach dem Riesenerfolg mit „Arme Leute“ fiel bei seinem Erscheinen 1846 bei Kritik und Lesern durch. Das Leben des unbedeutenden Titularrats Goljadkin gerät eines Tages aus den Fugen, weil ein „Doppelgänger“ (Galiani, 24 Euro) neben ihm auftaucht. Daraus könnte man vielleicht Kapital schlagen und in der trägen Petersburger Gesellschaft  geschickt und zu eigenen Gunsten für Wirbel sorgen. Aber das Pendant emanzipiert sich, heimst den ganzen Ruhm ein... Dostojewski experimentierte mit Sprache und Wahn in dieser Groteske, die Alexander Nitzberg jetzt kongenial ins Deutsche übertragen und zum herrlichen Lesevergnügen gemacht hat. Bernd Noack © Galiani Berlin/Montage: Sabine Schmid