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Warum "Macho Man" Kult ist: Gerry Schuster im Interview

Über die Ursprünge des Trashstreifens und seine Fortsetzung - 26.09.2017 15:53 Uhr

Morgen feiert die Fortsetzung des Kultfilms "Macho Man" im Cinecittà Premiere. © PR/Cinecitta


Mit dem Wort Kult sollte man vorsichtig sein. Doch "Macho Man" ist ohne Frage Kult: Wenn das Kommkino den einzigen Actionfilm, der in den 1980er Jahren in Nürnberg gedreht wurde, rituell aufführt, kommen jedes Mal ein paar Hundert Zuschauer. Jetzt haben sich Peter Althof und René Weller an eine Fortsetzung gewagt: Am Mittwoch feiert "Macho Man 2" im Cinecittà-Filmpalast Premiere. Wir haben uns vorab mit Gerry Schuster vom Kommkino über diese einzigartige cineastische Trashperle made in Nürnberg unterhalten.

Wie ging das los mit dem Kult um "Macho Man"?

Gerry Schuster: Angefangen hat alles 1998 mit einer Videosession im Freundeskreis. Uwe Stolze, Bassist der unvergessenen Nürnberger Death-Metal-Band Dead und ein exquisiter Connaisseur für abseitige Geschichten, kam mit einer VHS-Videokassette an, die keiner von uns kannte: Ein Film, der in Nürnberg gedreht wurde und bei dem René Weller und Bea Fiedler mitspielten. Weller kannte man damals als Boxer aus der Klatschpresse und Bea Fiedler aus diversen Schmuddelmagazinen. Der Nürnberger Peter Althof war uns als Personenschützer natürlich auch ein Begriff. Wir waren erst ein wenig skeptisch, aber spätestens ab der Szene, in der René Weller an der Fleischbrücke die ersten Drogendealer zusammenschlägt, haben wir den Film gefeiert.

Wie kam der Film dann ins Kino?

Schuster:  Ich war damals frisch beim Kommkino dabei und habe sofort nachgeguckt, ob der Film noch erhältlich ist.  Also habe ich den Film in der nächsten Programmsitzung vorgeschlagen. Kurz vor der Ausstrahlung im Kommkino wurde René Weller wegen Kokainbesitzes verhaftet. Wir hatten einen ausverkauften Kinosaal. So gut wie "Macho Man" war schon lange kein Film mehr im Kommkino gelaufen.

Auch im zweiten Teil von "Macho Man" ist jede Menge Action geboten. © PR/Cinecitta


Wie erklären Sie sich den späten Erfolg von "Macho Man"?

Schuster: Nürnberg ist nicht gerade eine Stadt, die eine große Filmtradition hat. Dass hier in den 80ern ein Kinofilm gedreht wurde, allein das hatte schon Seltenheitswert. Ansonsten machen den Kult um "Macho Man" mehrere Faktoren aus. Einmal dieses schrille 80er-Jahre-Design: die Frisuren, die Klamotten, diese unfassbaren Schnauzbärte. Das hat aber erst Ende der 90er Jahre funktioniert – in den 80ern war das für die Leute ja ganz normal, dass alles so bescheuert aussieht. Faktor zwei: die Dialoge. Braucht man nix dazu zu sagen. Dann diese ganze Proll-Kultur, die der Film feiert: In "Macho Man" scheint Nürnberg ausschließlich aus Kampfsportlern und Tussen, die gerne einkaufen gehen, zu bestehen.

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Sie haben "Macho Man 2" schon gesehen. Was dürfen wir erwarten?

Schuster: Ein guter Film konnte es ja gar nicht werden – zumindest nicht nach branchenüblichen Maßstäben. Aber die Inszenierung zündet. Regisseur Davide Grisolia hat bei "Macho Man 2" versucht, in den Actionszenen einen ganz eigenen Inszenierungsstil zu entwickeln: Wenn zugeschlagen wird, dann ruckelt die Kamera oder dreht sich kurz weg – ganz so, als ob sie selbst etwas abgekriegt hätte. Ansonsten ist "Macho Man 2" ein dynamischer, schnell inszenierter Film mit guter Action und laienhaften Schauspielern, der Spaß macht und gut unterhält.

Interview: Stefan Gnad

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