Wie Einstein einst Eisemann half

9.3.2013, 15:59 Uhr
Kurt Eisemann (links) im Gespräch mit dem Mathematikprofessor Jekuthiel Ginsburg von der Yeshiva University New York und Albert Einstein.

© nurinst-archiv/Eisemann Kurt Eisemann (links) im Gespräch mit dem Mathematikprofessor Jekuthiel Ginsburg von der Yeshiva University New York und Albert Einstein.

„Einer der größten Tage in meinem Leben war der, als ich einen Brief von Albert Einstein bekam mit nur einem einzigen Satz: ,Ich würde mich freuen, wenn Sie mich am Soundsovielten um 4.30 Uhr besuchen kommen würden.‘ Das war eine Einladung an mich, den kleinen Eisemann, den Einwanderer, der mittellos nach Amerika gekommen war. Das war für mich einfach unglaublich!“

Der Mann, der das erzählt, heißt Kurt Eisemann, geboren 1923 in Nürnberg. Vor den Nazis fliehen seine Eltern, der jüdische Arzt Dr. Lazarus Eisemann und seine Frau Lina, mit dem Bub über Frankreich nach Palästina. Dort taucht der junge Mann tief in die Mathematik ab, bringt sich im Selbststudium Formeln, Lehrsätze und sogar die Integralrechnung bei. „Alle anderen haben das gehasst, aber für mich war das ein Vergnügen!“

Doch Palästina wird ihm bald zu klein. Mit Anfang 20 zieht es Kurt Eisemann hinaus in die Welt: Er wandert nach Amerika aus, will studieren – seine geliebte Mathematik. Doch so groß sein Wissen um die Zahlen bereits ist, der Autodidakt kann keine entsprechenden Zeugnisse und Zugangsberechtigungen vorweisen. Da geben ihm Freunde den entscheidenden Tipp: Wende Dich an Einstein!

Der Nürnberger schreibt einen Brief, der tatsächlich den Schreibtisch von Einsteins Sekretärin passiert. Der große Physiker antwortet dem Einwanderer: „Ich sehe aus Ihrem Brief, dass Sie mit Leib und Seele Mathematiker sind und möchte gerne dazu beitragen, dass Ihnen die Beendigung Ihres Studiums erleichtert wird.“

Albert Einsteins Empfehlungsschreiben öffnet Eisemann die Türen. Für den Exil-Nürnberger mit einem IQ von 160 geht ein Traum in Erfüllung: Ohne Hochschulreife darf er studieren. Später promoviert er mit Auszeichnung an der Eliteuniversität Harvard, arbeitet für internationale Computerfirmen und lehrt an verschiedenen amerikanischen Universitäten.

Hellwacher Landsmann

Jim G. Tobias und Winfried Schuhmann haben sich mit der Kamera nach Kalifornien aufgemacht und einen hellwachen Landsmann vorgefunden, der nach 65 Jahren in Amerika nicht nur noch immer aus dem Gedächtnis alte deutsche Gedichte rezitiert, sondern auch von seinem großen Glücksmoment im Leben erzählt.

Doch das kurze Portrait „Eisemann und Einstein: Die Macht der Mathematik“ ist kein Film über den amerikanischen Traum („vom Tellerwäscher zum Millionär“), sondern erzählt vom unbändigen Drang nach Wissen und dass es manchmal ein glücklicher Zufall ist, der ein ganzes Leben nachhaltig verändern kann.

Für den Promi Einstein war es nur ein Brief, den er geschrieben hat. Für den Einwanderer Eisemann war es der Beginn einer wunderbaren Karriere. Im Rückblick gibt sich der Professor bescheiden: „Ich war nur einer, der sich gesehnt hat, studieren zu dürfen.“

„Eisemann und Einstein: Die Macht der Mathematik“ ist am kommenden Sonntag, 10. März, um 19, 21 und 23 Uhr auf Franken Fernsehen zu sehen (Wiederholung am 24. März zu den gleichen Uhrzeiten).
 

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