Legendäre Pianistin

Wie Martha Argerich bei ihrem Auftritt das Publikum in der Meistersingerhalle begeisterte

Nürnberg , am 03.07.2020..Ressort: Feuilleton Foto: Stefan Hippel ..i. Haus,  Redakteur Thomas Heinold, Mitarbeiterportrait
Thomas Heinold

Kultur/ Leben

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12.11.2021, 14:30 Uhr
Dario Ntaca ist einer jener musikalischen Partner, mit denen Martha Argerich schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. In der Meistersingerhalle begeisterten sie jetzt mit Werken von Mozart und Rachmaninov.

Dario Ntaca ist einer jener musikalischen Partner, mit denen Martha Argerich schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. In der Meistersingerhalle begeisterten sie jetzt mit Werken von Mozart und Rachmaninov. © Foto: PR

Sie ist die amtierende Königin des Klaviers und sie lud nun zu einer musikalischen Feier der besonderen Art in die Meistersingerhalle. Denn die legendäre argentinische Pianistin Martha Argerich kam nicht nur solo zur Eröffnung der aktuellen Saison der Meisterkonzerte am Donnerstag in der fast ausverkaufen Meistersingerhalle, vor der sich erstmal ein langer Corona-Kontrollstau bildete, was den Konzertbeginn um eine Viertelstunde verzögerte.

Nein, Argerich hatte einen kongenialen Mitstreiter dabei, ihren Landsmann Dario Ntaca, bewährter Dirigent der von ihr gegründeten Sinfonietta Argerich und als Pianist einer ihrer langjährigen Duo-Partner am Klavier.
So hat sie es gerne und so braucht sie es, die im Juni 80 Jahre alt geworden Martha Argerich, gerne auch als „Löwin am Klavier“ tituliert, was auf ihre unbändige Musikalität, ihre Energie und Eigenwilligkeit verweist. Sie pflegt künstlerische Partnerschaften wie zu Zubin Mehta und Daniel Barenboim ebenso intensiv wie zu einem großen, aber konstanten Kreis von Komponisten ihres Repertoires.

Zweien davon, Mozart und Rachmaninov, widmete sich Argerich in Nürnberg in der besonderen Form des Klavier-Duos. Das ist eine so heikle wie deshalb seltene Interpretenkombination, müssen sich die beiden beteiligten Pianisten doch quasi blind verstehen - bis in die Nuancen aller Spielabläufe. Das braucht äußerste Wachheit und Flexibilität in jedem Detail; belohnt wird man dafür mit einer orchestralen Fülle des Klavierklangs, der mit allein einem Flügel niemals herzustellen wäre.
Bei Argerich und Ntaca klappt das schon in Mozarts einleitendem Andante mit Variationen G-Dur KV 501 hervorragend, das sitzen die beiden noch zusammen an einem Steinway. Das klingt wie so oft bei Mozart mal wieder ganz leicht, luftig, perlend, dabei ist diese Musik von höchster Komplexität und Raffinesse geprägt, die die beiden aber ganz beiläufig, als sei das nur ein Aufwärmstück.

Präzise und leicht, voller Musikalität: Martha Argerich ist für ihr Klavierspiel weltberühmt.

Präzise und leicht, voller Musikalität: Martha Argerich ist für ihr Klavierspiel weltberühmt. © unknown

Mozarts Sonate für zwei Klaviere D-Dur KV 448 wirkt in ihrer Klangfülle wie eine Sinfonie mit fein ausdifferenzierten Instrumentengruppen. Argerich und Ntaca sitzen sich nun an zwei Steinways gegenüber und spielen sich in dem überbordenden melodischen Material der Ecksätze virtuos, präzise und mit Verve die Bälle zu, gestalten tempo- und motivreiche Steigerungen, finden im Andante zu innigen Momenten kammermusikalischer Lyrik.

Vordergründig, härter, kantiger, griffiger geht es in Rachmaninovs Sinfonischen Tänzen op. 45 zu, ein Orchesterwerk, das der Komponist ursprünglich nur für den privaten Gebrauch (im Duett mit Vladimir Horowitz) für zwei Klavier einrichtete. Argerich und Ntaca ließen in dem 1940 entstandenen musikalischen Vermächtnis Rachmaninovs die Motive in begeisternder Weise verschmelzen: jugendliche Kraft im Sinne vorwärtsdrängender Motorik, melodische Erinnerungen an prägende Erlebnisse des Komponisten und die Ahnung vom nahenden Ende – des eigenen Lebens ebenso wie der Epoche des Friedens am Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Volle Leidenschaft für die Musik: Martha Argerich.

Volle Leidenschaft für die Musik: Martha Argerich. © ADRIANO HEITMANN

Sie bringen den Walzer der Lebenslust atemberaubend ins Stocken, sie lassen im finalen Totentanz die musikalischen Boten des Jenseits grell aufleuchten, etwa ein sich rasend gebärdendes oder düster grollendes Dies Irae. Zornig begehrt dieses Requiem gegen die Endlichkeit des Daseins auf, um sich in die religiöse Erlösungserwartung eines „Gelobt sei der Herr“ zu flüchten. Ergreifend. Großer Jubel, Standing Ovations, "En bateau" aus Debussys "Petite suite" als Zugabe.

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