Evangelisches Siedlungswerk

Nürnberger Wohnungsunternehmen setzt auf "New Work"

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 14.09.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Verena Litz..ANZAHL: 1 von 1..
Verena Litz

Leiterin Redaktion Politik und Wirtschaft

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24.10.2021, 05:50 Uhr
Am Punchingball im Kreativraum des ESW können auch Hannes B. Erhardt (r.) und Robert Flock trainieren – oder Dampf ablassen.

Am Punchingball im Kreativraum des ESW können auch Hannes B. Erhardt (r.) und Robert Flock trainieren – oder Dampf ablassen. © Roland Fengler, NNZ

Wie oft Robert Flock und Hannes B. Erhardt den Punchingball im „Kreativraum“ des Evangelischen Siedlungswerks (ESW) nutzen oder dort kickern, ist unklar. Fest steht aber: Die beiden Geschäftsführer des Nürnberger Unternehmens sind bei dem „New Work“-Konzept ihres Hauses voll dabei: Eigene Zimmer haben sie nicht mehr, am kernsanierten Firmenstammsitz am Hans-Sachs-Platz 10-14 herrscht jetzt freie Arbeitsplatzwahl, auch für die Chefs.

Sitzsack oder Schreibtisch?

„Ich treffe jetzt viel mehr Leute als früher“, berichtet Erhardt und schwärmt von einer dadurch „besseren Kommunikation“. Ihm gefällt das neue Bürokonzept mit etlichen Arbeitsmöglichkeiten vom klassischen Schreibtischs bis hin zum Sitzsack sichtlich.

Bei der Modernisierung der beiden Gebäude – sie stammen aus den frühen 1960er Jahren – war den ESW-Chefs aber nicht ein schickes „New Work“-Ambiente wichtig. Eine zentrale Rolle spielte auch die viel zitierte Nachhaltigkeit – und die geht weit über die Reduktion der CO2-Emission und Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen hinaus,

wie Flock betont: „Auch bei Immobilien gilt es, die Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles so in Einklang zu bringen, dass die heutige Generation ihre Projekte nicht auf Kosten der morgigen realisiert“, erklärt der Diplom-Architekt. Und diesem Anspruch werde das Projekt "Kernsanierung des Firmensitzes" gerecht, mit dem man sich für den Erhalt der Gebäude und gegen einen Abriss oder Neubau an anderer Stelle entschieden habe.

Den ökologischen "Nachhaltigkeitsbeitrag", den das ESW damit realisierte, hat das Unternehmen von dem Münchener Ingenieurbüro Greengineers ermitteln lassen. Konkret ging es dabei um zwei Fragen: Wie hoch ist die eingesparte Primärenergie und wie hoch das nicht-verursachte GWP (Global Warming Potential/Erderwärmungspotenzial), also das durch den Erhalt der Rohbausubstanz nicht freigesetzte CO2?

"Das entspricht 550 Flugreisen nach Bangkok"

An Primärenergie wurden demnach 6,74 Millionen Megajoule eingespart, wie Flock sagt - und das gleich auch übersetzt. "Das entspricht einem Energieaufwand, der erforderlich ist, um mit einem E-Auto 244 Mal die Welt zu umrunden." Mit welchen E-Auto, blieb offen.

Das eingesparte GWP bezifferte das Ingenieurbüro demnach mit 783.040 Kilogramm CO2-Äquivalenten - "dies entspricht 550 Flugreisen von München nach Bangkok", so Flock.

So begeistert die beiden ESW-Chefs über ihren top sanierten Firmensitz sind: Sie sind auch froh, dass der Umbau und die Unternehmenstransformation in Sachen "New Work" nun abgeschlossen ist. Denn auf ihrem Kerngeschäftsfeld, dem Realisieren von bezahlbaren Mietwohnungen in Bayern, gibt es viel zu tun.

1850 neue Wohnungen

Bis 2029 will das ESW, das zu den sozial orientierten Wohnungsunternehmen zählt, insgesamt 1850 Wohneinheiten geschaffen haben, das sieht der Zehn-Jahres-Plan vor. Dazu sollen unter dem Strich 570 Millionen Euro investiert werden. Nürnberg und Fürth zählen dabei zu den Investitionsschwerpunkten.

Die Kostenexplosion bei Roh- und Baustoffen "beschäftigt uns natürlich", erklären Erhardt und Flock auf Nachfrage. Aus der Ruhe bringen lassen sie sich davon allerdings nicht: "Die Grundstücke für unsere Projekte haben wir", bei den laufenden Projekten - aktuell sind 400 Wohnungen im Bau - seien viele Preise mit den Lieferanten bereits vor einem Jahr vereinbart worden.

Mieten steigen weiter

Und was erwarten sich beide von der künftigen Bundesregierung? "Ich bin froh, dass es keinen Linksruck gegeben hat", sagt Erhardt. Enteignungen und Mietendeckel sind aus seiner Sicht der falsche Weg, um die Probleme am Markt zu lösen: "Das bringt keine neuen Wohnungen." Wie die Lasten der Klimaschutzauflagen auf Mieter und Vermieter verteilt werden, "ist allerdings offen."

Aktuell bewirtschaftet das Nürnberger ESW 12.787 Wohnungen, darunter 5160 eigene und 2860 in Kirchenbesitz. Die Durchschnittskaltmiete liegt bei 7,46 (2020: 7,16) Euro pro Quadratmeter - Tendenz weiter steigend.