Unverständnis für Impfgegner

"Da bin ich radikal": Arzt will nur noch geimpfte Patienten behandeln

30.7.2021, 14:47 Uhr

"Diese Gesellschaft krankt an Egoismus", schimpft der Allgemeinarzt Florian Balkau über Impfgegner. © Sebastian Gollnow, dpa

Zusammen mit seinem Team hat Florian Balkau aus Wallenhorst (Lkr. Osnabrück) beschlossen, keine Patienten mehr zu behandeln, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. "Insbesondere Impfgegner", erläutert der Allgemeinarzt. Bei diesem Thema sei er "radikal".

"Das ist auch Selbstschutz"

Seinen Schritt begründet der Mediziner vor allem mit dem Schutz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einige davon seien bereits über 60 Jahre alt, zwei davon schwerbehindert. Zudem arbeiten in seiner Praxis auch Palliativmediziner, die mit Todkranken Umgang haben. Diese Risikogruppen möchte er durch häufigen Kontakt mit Ungeimpften nicht gefährden. "Das ist auch Selbstschutz", fügt er hinzu. "Wenn alle geimpft sind, fühlt man sich einfach sicherer."

Was Balkau jedoch verärgert, ist die Unsolidarität mancher Menschen - vor allem von Impfgegnern. "Diese Gesellschaft krankt an Egoismus", schimpft er. "Immer nur 'ich, ich, ich'." Wenn alle bei der Impfung mitmachen würden, wäre die Corona-Pandemie bald beendet. Doch ohne eine Impfpflicht - die er klar befürwortet - könne sich das Virus weiter verbreiten.

Grundsätzlich sei er natürlich bereit, mit Impfskeptikern oder Unsicheren in den Dialog zu treten und ihnen die Vorteile einer Impfung gegen das Coronavirus näherzubringen. "In der Sache bin ich hart, aber nicht im Stil. Niemand muss sich impfen lassen, um wieder kommen zu dürfen. Aber ich kann niemanden über Jahre als Arzt begleiten, der sich generell nicht impfen lassen will." In seiner Praxis haben sich bereits einige Patientinnen und Patienten nach einem Aufklärungsgespräch umstimmen lassen.

Für seine klare Meinung wird Balkau mittlerweile hart angegangen. "Es ist ein veritabler Shitstorm, den ich gerade abbekomme." Neben dem positiven Feedback von Patientinnen und Patienten erreichen den Arzt hetzerische E-Mails und anonyme Drohanrufe. "Sie und Ihre Handlanger sind krank", heißt es darin. Oder: "Herzlichen Glückwunsch, Sie hätten wohl auch 1938 keine Juden behandelt. Man sieht Sie in Nürnberg wieder. Karma holt Sie." Auch als "Impfsau" wurde der Mediziner bereits tituliert, Unbekannte hetzten ihm das Gesundheitsamt wegen angeblicher Hygienemängel in seiner Praxis auf den Hals. Balkau war erschrocken, wie viel Hass ihm entgegenschlug. "Als Kriegsverbrecher lasse ich mich deshalb sicher nicht bezeichnen", sagt er.

Die Anschuldigungen kann er nicht verstehen, da es auch eine Impfpflicht für Masern bei Kindern in Deutschland gibt. Andere Länder seien uns in dieser Frage weit voraus. "Die Franzosen haben auch für viele andere Krankheiten Impfpflichten. Ich bedaure, dass es in Deutschland immer noch Tetanus-Tote gibt im Gegensatz zu anderen Ländern." Von vielen Patientinnen und Patienten sowie Kollegen hat Balkau für sein Impf-Engagement Zuspruch und Lob erhalten. Doch vor allem jüngeren Menschen, die nicht einer Risikogruppe angehören, fehle oft die nötige Solidarität, findet der Arzt.