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Explosion in Beirut: Ist Bayern für eine solche Katastrophe gerüstet?

"Auf so etwas kann man sich einfach nicht vorbereiten" - 06.08.2020 17:48 Uhr

Eine Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut forderte mehr als 130 Menschenleben. Wie gut ist Bayern auf einen solchen Katastrophenfall vorbereitet?

 

© Thibault Camus, dpa


An den 19. Mai 2019 kann sich Sohrab Taheri-Sohi auch heute noch genau erinnern. Der Tag begleitet ihn noch heute. Der Pressesprecher des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) wurde nach Rettenbach am Auerberg im Allgäu gerufen. Dort war am Vormittag das Haus einer fünfköpfigen Familie explodiert. Wahrscheinlich war ein Gasleck im Erdreich die Ursache, die Ermittlungen laufen noch immer. Der Vater und die siebenjährige Tochter überlebten nicht, die Mutter wurde schwerverletzt.

"Die Einsatzkräfte haben stundenlang in den Trümmern nach menschlichen Teilen gesucht." Schicht für Schicht, Stein für Stein. Immer mit höchster Vorsicht, unter jedem Trümmerteil hätte sich ein Arm befinden können, erinnert sich Taheri-Sohi zurück. "Niemand kann sich vorstellen, was das für eine Stimmung am Einsatzort war." Kein Außenstehender könne nachvollziehen, was da in den Einsatzkräften vor sich ging. Bis zu 350 von ihnen waren damals vor Ort – und das nicht nur vom BRK, der größten Rettungsorganisation in Bayern. "Auf so etwas kann man sich einfach nicht vorbereiten", erklärt Taheri-Sohi und bezieht sich damit auch auf die Explosionen in der libanesischen Hauptstadt Beirut, die über 130 Tote und Tausende Verletzte forderten.

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Krisenerprobt sind die bayerischen Einsatzkräfte immerhin. Das Coronavirus ließ ihnen keine andere Wahl. Die Krise erforderte ein gutes Zusammenspiel aus allen Akteuren, sagt Thomas Haas, der Leiter des Katastrophenschutzes beim Malteser Hilfsdienst. "Wir haben daraus sehr viel gelernt." Die zuständigen Stellen hätten sich noch besser kennengelernt und würden nun noch besser zusammenarbeiten. Sein Team sei es unter anderem, das am Nürnberger Hauptbahnhof im Corona-Testzentrum aushilft.

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Wobei man die Corona-Katastrophe laut Haas nicht mit dem Vorfall in Beirut vergleichen könne. Das Virus sei "kein punktuelles Ereignis", sondern ein schleichendes, weltweites. Zunächst habe es keinen Anhaltspunkt gegeben, auf den sich die Kräfte hätten konzentrieren können. Eine Explosion sei hingegen ein zentrales Ereignis: "Da fliegt etwas in die Luft, da gibt es einen Brand zu löschen und Verletzte zu versorgen."


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So wie die Explosion einer Raffinerie von Bayernoil nahe Ingolstadt im September 2018, die 16 Personen verletzte und rund 1000 Gebäude beschädigte. Das zuständige Landratsamt löste damals den Katastrophenalarm aus. 600 Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsorganisationen waren vor Ort. Haas hat im Hintergrund mitkoordiniert, wenn auch von München aus.
Das BRK schickt in solchen Fällen den Fachdienst CBRN(E). In einem Notfall der chemischen, biologischen, radiologischen, nuklearen oder explosiven Art stehen ehrenamtliche Hygieniker oder Biologen zur Verfügung – wie nun beim Corona-Virus oder auch schon Ebola.

Für jegliche Katastrophenszenarien gibt es klare Strukturen, vom Innenministerium ausgearbeitet. An den Notfallplänen sind neben Feuerwehr, Technischem Hilfswerk auch die Hilfsorganisationen beteiligt. Sie nennen sich gegenseitig übrigens liebevoll "Rote", "Blaue" und "Weiße" – wegen der Farbe der Fahrzeuge. Theoretisch sei genau geklärt, wer was zu tun hat. Etwa wenn es laut Haas alle zehn Jahre zum "Jahrhunderthochwasser" kommt. Der Hauptamtliche habe aber auch immer einen "Blick auf das Weltgeschehen", einfach um vorbereitet zu sein. Besteht Bedarf, wird an der Struktur nachgebessert.


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Haas ist zuversichtlich, dass Bayern in Sachen Katastrophenschutz gut aufgestellt ist. Auch was eine mögliche neue Corona-Welle betrifft: "Ja, wir sind gut vorbereitet." Auch weil die "Politik in Bayern schnell reagiert und dessen Vorsorge-Maßnahmen richtig sind".


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