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Horrorfratze kommt per WhatsApp: Das steckt hinter "Momo"

Polizei rät, abscheuliche "Momo"-Botschaften sofort zu löschen - 04.08.2018 13:21 Uhr

Eine Fratze, die einem Kind definitiv Angst machen kann: Der WhatsApp-Kontakt "Momo" macht derzeit weltweit Schlagzeilen. © Silas Stein/dpa/youtube


Auf den ersten Blick handelt es sich um einen besonders makabren Scherz. Das Profilbild, das "Momo" mit seinen Nachrichten mitschickt, sieht aus wie eine abstruse Kreuzung aus Mädchen und Krähe, mit übergroßen Kulleraugen und grotesk verzerrtem Mund. Wie genau es an die Handynummern seiner Adressaten kommt, ist bislang ungeklärt. Die Suche nach den Urheberkonten führte die Ermittler bisher in drei Länder. Vorsicht geboten ist bei folgenden Absender-Nummern: Die erste stammt aus Japan (+81345102539), die anderen beiden aus Kolumbien (+573135292569) und Mexiko (+5226681734379).

Allein diese fiese Fratze kann einen schon länger verfolgen. Noch weitaus perfider ist aber die Nachricht, die "Momo" an seine Opfer sendet. Sie ist mit zahlreichen Rechtschreibfehlern behaftet und lautet: "Hallo ich bin Momo und bin vor 3 Jahren verstorben ich wurde von einem Auto angefahren und wenn du nicht möchtest das ich heute Abend um 00:00 Uhr in deinem Zimmer stehe und dir beim schlafen zuschaue dann sende diese Nachricht an 15 Kontakte weiter. Du glaubst mir nicht? Angelina 11 hilt die Nachricht für fake und schickte sie an niemanden weiter in der Nacht hört sie Geräusche aus einer Ecke ihres zimmers sie wollte nach gucken doch auf einmal rante etwas auf sie zu am nächsten Morgen wurde sie Tot in ihrem Bett gefunden.

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Tim 15 schickte die Nachricht nur an 6 Leute weiter am nächsten Morgen wachte er mit einem abgefressenen Bein und einem abgeschnittenen Arm auf Linda 13 schickte die Nachricht an alle weiter heute hat die ihre wahre liebe gefunden und wohnt mit ihrem freund in einer modernen Villa Falls du diese Nachricht nicht weiter schickst weisst du was passiert also pass auf und schicke sie weiter".

Und da hört für viele der Spaß auf. Eltern würden so etwas in aller Regel ignorieren und löschen. Aber im Kopf von Kindern und jungen Heranwachsenden kann so eine vage Drohung zur gruseligen Realität werden. Und damit kann sich "Momo" lawinenartig verbreiten.

In Deutschland ist "Momo" bislang vor allem in Brandenburg und Baden-Württemberg aufgetaucht. Allerdings warnen auch schon die Polizeien in Bayern dringend davor, mit "Momo" in Kontakt zu treten. Der WhatsApp-Kontakt solle am besten blockiert, auf keinen Fall jedoch gespeichert werden, so die Empfehlung. Ob es sich um einen "makaberen Scherz" handelt, oder ob es darum gehe, Daten anderer WhatsApp-Nutzer abzugreifen, sei bislang noch ungeklärt, heißt es.

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Psychologen und Experten der Polizei raten Eltern von betroffenen Kindern dringend dazu, das Phänomen nicht abzutun, sondern unbedingt darüber zu reden. "Keinesfalls soll man dem Kontakt antworten oder diesen bei sich im Handy unter Kontakte abspeichern. Suchen Sie das Gespräch mit ihren Kindern, nehmen Sie ihnen die Angst und machen Sie ihnen klar, dass nichts passiert, wenn sie die Nachricht nicht weiterleiten", sagt Stefan Gaisbauer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern.

Bemerkenswert findet Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, dass der Grusel-Account "Momo" vor allem bei Kindern und Jugendlichen umgeht. "Eigentlich ist WhatsApp ja erst ab 16 Jahren erlaubt", sagt Sonntag. Das Phänomen zeige wieder einmal, wie leichtfertig viele Eltern mit WhatsApp umgehen und wie leicht die Altersgrenze umgangen werden kann.

Unlängst griff die Fernseh-Moderatorin Eva Grünbauer das Thema auf Sat.1 auf - aus gegebenem Anlass, denn auch ihre Tochter hatte die Gruselnachrichten auf ihrem Handy entdeckt und konnte seitdem nicht mehr allein nachts in ihrem Zimmer sein. In dieser Sendung kam der Sozialpädagoge Benjamin Grünbichler zu Wort. Sein Rat: "Es ist wichtig, dass die Kinder bei solchen erschreckenden Nachrichten, Bildern und Videos immer sofort die Eltern informieren." Was für die Erwachsenen vielleicht nur ein schlechter Scherz sei, könne bei Jugendlichen zu Alpträumen oder Verhaltensauffälligkeiten führen. Das Problem: Viele Kinder hätten Angst, den Eltern solche Kettenbriefe mitzuteilen, weil sie fürchten, die Erwachsenen könnten ihnen dann das Smartphone wegnehmen oder zumindest den Konsum einschränken.

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Aber woher stammt diese Fratze denn nun wirklich? Laut bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei "Momo" um eine Skulptur, die einst in einer japanischen Kunstausstellung zu sehen war. Gemäß Recherchen der Website Knowyourmeme, die Fakes im Netz aufdeckt, wurde die Figur von der japanischen Special-Effects-Firma Link Factory erstellt. Die Original-Skulptur besteht demnach nicht nur aus dem fiesen Gesicht, sondern hat auch Vogelbeine mit Krallen. Damit erinnert sie zumindest vage an eine Harpyie, ein Mischwesen der griechischen Mythologie, das die Gestalt einer geflügelten Frau hat.

Gerüchte um Todesopfer

Zuletzt gab es Berichte, laut denen "Momo" bereits ein erstes Todesopfer gefordert hat. Die Polizei in Buenos Aires bestätigt der argentinischen Nachrichtenseite Diario Popular einen tragischen Vorfall: Ein zwölfjähriges Mädchen soll sich in einem Vorort von Buenos Aires das Leben genommen haben, nachdem sie sich auf das "Momo"-Spiel bei WhatsApp eingelassen hatte. Die Schülerin soll ihre Aktivitäten bis hin zu dem Selbstmord mit ihrem Smartphone aufgezeichnet haben. Das habe die Auswertung des Geräts ergeben, heißt es. Ihr Bruder fand sie erhängt an einem Baum im Hinterhof. Die Behörden vermuten, dass sie dazu aufgefordert wurde, sich das Leben zu nehmen.

Von einer Aufforderung zum Selbstmord via "Momo" ist deutschen Ermittlern indes noch nichts bekannt. Hierzulande beschränkt sich das Phänomen auf die Aufforderung, sich an dem Kettenbrief zu beteiligen - worauf man sich auf gar keinen Fall einlassen sollte.

 

Martin Damerow E-Mail

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