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Rauchen im Alter wird landesweit immer größeres Problem

Gesundheitlichen Folgeschäden sind aus Sicht von Gesundheitsexperten brisant - 10.09.2019 11:15 Uhr

Bei den Männern ist der Raucheranteil in der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen zwischen 2009 und 2017 um fast neun Prozent auf nahezu ein Viertel gewachsen, bei den Frauen sogar um knapp 80 Prozent auf 18,3 Prozent. © Martin Gerten, dpa


Seit Jahren sinkt die Zahl der jungen Raucher. Eine erfreuliche Entwicklung. Doch gleichzeitig gibt es immer mehr ältere Menschen, die an der Zigarette hängen: Bei den Männern ist der Raucheranteil in der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen zwischen 2009 und 2017 um fast neun Prozent auf nahezu ein Viertel gewachsen, bei den Frauen sogar um knapp 80 Prozent auf 18,3 Prozent. Aufgrund der gesundheitlichen Folgeschäden ist das aus Sicht von Gesundheitsexperten ein drängendes Problem.

Grund für die Zunahme älterer Raucher ist schlicht die demographische Entwicklung: "Die gestiegenen Raucheranteile in den höheren Altersgruppen sind vor allem dadurch zu erklären, dass sich die Raucher der mittleren in höhere Altersgruppen verschieben", sagt Ute Mons, Leiterin der Stabstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Denn in höherem Alter fängt kaum jemand von Neuem an zu rauchen. Die hohe Zunahme bei den Frauen liege daran, dass vor den 1960er, 1970er Jahren Frauen nur ganz selten zum Glimmstängel gegriffen hätten, erklärt Mons.


Kommentar: Deutschland muss Nichtraucher stärker schützen


Manch ein Raucher in seinen 50ern oder 60ern mag denken: "Jetzt ist es eh egal, das Aufhören lohnt nicht mehr." Das sei ein Irrglauben, meint Mons. Allein Kurzatmigkeit, Husten und Leistungsschwäche verbesserten sich schon nach Tagen und wenigen Wochen. Auch bei schweren Erkrankungen dauert es nicht Ewigkeiten, bis sich positive Wirkungen zeigen.

Abstinenz zögert Tod hinaus

"Verbannt ein 60-Jähriger die Kippen aus seinem Leben, ist sein Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko schon innerhalb von fünf bis zehn Jahren deutlich geringer", sagt Mons. Nach 20 Jahren sei sein Risiko, solche Herz-Kreislauferkrankungen zu bekommen, gleich dem eines Nichtrauchers. Auch bei Krebs wirkt die Abstinenz Wunder: 10 bis 20 Jahre nach der letzten Kippe sinke das Krebsrisiko deutlich, erläutert die Gesundheitswissenschaftlerin. Das Lungenkrebsrisiko halbiere sich innerhalb von 10 Jahren.

Der Lungenfacharzt Robert Loddenkemper ist ebenfalls der Ansicht, dass sich Aufhören auch im höheren Alter noch lohnt: "Es ist nie zu spät aufzuhören." Messungen des Ausatemstoßes hätten bereits 1977 gezeigt, dass Abstinenz selbst im Alter von 65 Jahren noch Tod und Behinderung um rund fünf Jahre herauszögern kann. Bei einem Rauchstopp mit 45 Jahren beträgt der Aufschub etwa zehn Jahre.

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Auch von kardiologischer Seite ist der Abschied vom Qualmen ratsam. Ein Rauchstopp nach Bypass-Operationen, die in der Regel an älteren Patienten durchgeführt werden, verlängere die Lebenserwartung Studien zufolge um drei Jahre, sagt Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstifung. "Der Effekt des Aufhörens ist größer als der des Eingriffs."

Da Nikotin ein sehr starker Suchtstoff ist, fällt das Aufhören langjährigen Rauchern sehr schwer. Ein Entzug sei mit Reizbarkeit Schweißausbrüchen und schlechtem Schlaf verbunden - Symptome, die aber nach ein bis zwei Wochen überstanden seien, sagt Mons. Noch mehr Probleme macht die psychische Abhängigkeit. Das Rauchen sei mit bestimmten Alltagssituationen verbunden wie die Zigarette zum Kaffee oder beim Warten auf den Bus, so dass man ständig in Verführung gerate. Äpfel oder Kaugummis als Ersatz könnten da helfen. Mons rät zu Entwöhnungskursen. Deren Anbieter und die Hausärzte müssten sich aber besser verzahnen.

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Steuererhöhung soll Konsum senken

Der Verzicht auf den Glimmstängel wird nach Überzeugung von Mons den Rauchern hierzulande nicht leicht gemacht. "Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem noch Kino- und Außenwerbung sowie die Abgabe von Zigaretten bei Events erlaubt sind." Als Grund vermutet Mons die Macht der Tabaklobby. Zwar wird in Deutschland kaum Tabak angebaut, doch ist es einer der größten Tabakimporteure und größten Zigarettenexporteure, wie Mons sagt. Zudem gebe es in Deutschland denn größten Maschinenbauer für die Zigarettenfertigung. Der Kardiologe Gohlke pflichtet der DKFZ-Expertin bei. Im Bundestag und im Gesundheitsministerium sei das Engagement gegen Rauchen praktisch nicht vorhanden.

Wie gut kennen Sie sich beim Thema "Rauchen" aus?

© Christoph Schmidt (dpa)

Es ist eines der größten Laster in Deutschland: Das Rauchen. Obwohl die Statistiken mittlerweile rückläufig sind, greifen immer noch tausende Menschen zum Glimmstängel. Neben Zigaretten erobern zunehmend auch Shishas, Pfeifen und E-Zigaretten den Markt. Wie gut kennen Sie sich beim Thema "Rauchen" aus? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz.

© dpa

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Frage 1/14:

Wie viele Zigaretten rauchte Altkanzler Helmut Schmidt pro Tag?

Mit 15 Jahren soll Helmut Schmidt mit dem Rauchen begonnen haben, berichtet die Märkische Allgemeine. Er soll täglich zwei bis drei Schachteln "Reyno White" geraucht haben. Sein Konsum wird auf 40 Zigaretten pro Tag geschätzt.

© Kerstin Joswig

© Kerstin Joswig

Frage 2/14:

Wie wird die Wasserpfeife bzw. Shisha noch genannt?

Die Wasserpfeife hat viele Namen: Sie ist bei einigen auch als Shisha, Narghileh, Arghileh, Hookah, oder Hubble Bubble bekannt.

© Viola Bernlocher

© Viola Bernlocher

Frage 3/14:

Wann fanden die ersten Deutschen Meisterschaften im Pfeifelangzeitrauchen statt?

© dpa/Tobias Hase

© dpa/Tobias Hase

Frage 4/14:

Seit wann darf in bayerischen Bierzelten nicht mehr geraucht werden?

In Bayern gilt seit 1. Januar 2008 das schärfste Rauchverbot Deutschlands. Das Qualmen ist in Gasthäusern, Kneipen, Bierzelten und öffentlichen Gebäuden komplett verboten. Der Landtag beschloss das Gesetz eindeutig mit 140 zu 18 Stimmen.

© Julian Stratenschulte/Archiv (dpa)

© Julian Stratenschulte/Archiv (dpa)

Frage 5/14:

Mit welchem Alter fangen Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mit dem Rauchen an?

Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt in Deutschland bei 14,8 Jahren. Unter Haupt- und Realschülerinnen und -schülern ist das Rauchen deutlich weiter verbreitet als bei Jugendlichen, die das Gymnasium besuchen.

Frage 6/14:

Wie heißen die beiden Club-Funktionäre, die sich auf diesem Bild zusammen eine Zigarette gönnen?

© Angelika Warmuth (dpa)

© Angelika Warmuth (dpa)

Frage 7/14:

Ekelbilder auf Zigarettenpackungen wirken besonders bei...

Seit 2016 tragen auch Zigarettenpackungen in Deutschland Bilder von Krebsgeschwüren, Raucherlungen oder Fußamputation. Laut einer Studie der DAK-Gesundheit, bei der knapp 7.000 Schüler der Klassen fünf bis zehn befragt wurden, schrecken die Ekelbilder vor allem Jugendliche ab, die noch nie geraucht haben. Bei rauchenden Schülern lösen sie weniger starke negative Emotionen aus.

© via www.imago-images.de, imago images / SKATA

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Frage 8/14:

Wie viele Menschen in Deutschland rauchen?

In Deutschland rauchen laut Epidemiologischen Suchtsurvey 2015 etwa 29 Prozent der Erwachsenen, das entspricht ungefähr 20 Millionen Menschen.

© Frank Leonhardt/Symbol (dpa)

© Frank Leonhardt/Symbol (dpa)

Frage 9/14:

Welche Stoffe dürfen in E-Zigaretten laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz nicht enthalten sein?

© Christoph Schmidt (dpa)

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Frage 10/14:

Wie viel Geld nahm der deutsche Staat im Jahr 2018 durch die Tabaksteuer ein?

© Hans-Joachim Winckler

© Hans-Joachim Winckler

Frage 11/14:

Wie viel Prozent der Jugendlichen in Deutschland rauchen klassische Zigaretten?

Der Anteil der jugendlichen Raucher ist seit Jahren rückläufig. Aktuell liegt er nur noch bei zehn Prozent. Die Statistik erfasst allerdings nur klassische Tabakprodukte wie Zigaretten. Der Trend bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren geht dafür immer mehr zu orientalischen Wasserpfeifen, sogenannte Shishas sowie elektronischen Inhalationsprodukten wie E-Zigaretten und E-Shishas.

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Frage 12/14:

In welchen Ländern ist das Rauchen am Steuer verboten?

In Deutschland gibt es aus rechtlicher Sicht kein Verbot für das Qualmen am Steuer. In Ländern wie England, Schottland, Wales, Griechenland, Italien, Frankreich oder Österreich ist das Rauchen im Auto verboten, wenn Kinder unter 18 Jahren an Bord sind. Die Bußgelder belaufen sich meist auf 100 Euro. In Australien und Südafrika ist das Rauchen im PKW dagegen komplett verboten.

© Stefan Hofer

© Stefan Hofer

Frage 13/14:

Wie viele Menschen sterben täglich in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums?

© dpa

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Frage 14/14:

Welche Bevölkerungsgruppe raucht am meisten?

© Christoph Schmidt (dpa)

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Dann hier entlang!

Der erfolgversprechendste Weg, um das Qualmen zu reduzieren oder zu unterbinden, führt nach Überzeugung Mons' über den Geldbeutel. Die Abgabe für den Konsumenten müssten nach homöopathischen Dosen seit der Tabaksteuererhöhung 2005 schmerzhafter werden. Damals habe sich die Raucherzahl stark verringert und junge Menschen seien gar nicht erst auf Ideen gekommen. Mons plädiert für eine weitere deutliche Erhöhung: "Eine Steuererhöhung von zehn Prozent bringt einen Konsumrückgang um fünf Prozent."

Leider habe der frühere Bundeskanzler und Kettenraucher Helmut Schmidt die Erkenntnisse über die Gesundheitsschäden infolge des Rauchens stets in den Wind geschlagen, sagte Loddenkemper, Ex-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Seine öffentlichen Auftritte mit der Zigarette in der Hand seien kontraproduktiv gewesen. "Ich will nicht wissen, wie viele ältere Menschen er vom Aufhören abgehalten hat." Schmidt starb 2015 im Alter von 96 Jahren - an den Folgen von Durchblutungsstörungen die umgangssprachlich auch als Raucherbein bekannt sind.

dpa

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