Warum sich Geimpfte trotzdem mit Corona infizieren können

10.2.2021, 15:47 Uhr
Ein Mitarbeiter bereitet eine Spritze für die Impfung vor.

Ein Mitarbeiter bereitet eine Spritze für die Impfung vor. © Jochen Tack via www.imago-images.de, imago images/Jochen Tack

In Bayreuth hatten sich gleich mehrere Mitarbeiter des Klinikums infiziert. Ein paar Tage nach der ersten Impfdosis fiel ihr Test positiv aus. Das ist jedoch nicht ungewöhnlich: Der Körper braucht etwas Zeit, um zu reagieren und eine Abwehr aufzubauen. Der vollständige Impfschutz setzt deshalb erst zehn Tage nach der zweiten Impfung ein. Wer sich zuvor infiziert, kann also trotzdem erkranken.


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Auch in München ist „bei wenigen Einzelfällen unmittelbar nach einer erfolgten Impfung eine Covid-19- Erkrankung aufgetreten“, teilt das Gesundheitsreferat der Stadt mit. Doch die Behörde kann „keinen Zusammenhang zwischen Erkrankung und Impfung feststellen“. Vielmehr geht sie auch hier davon aus, dass sich die Betroffenen schon vorher angesteckt haben. Hinweise auf neue Corona-Mutationen gibt es hier keine.

Anders sieht es in einem Alten- und Pflegeheim im niedersächsischen Belm im Landkreis Osnabrück aus. Dort waren alle Bewohner am Montag, 25. Januar, zum zweiten Mal mit dem Biontech-Pfizer-Mittel geimpft worden. Am Dienstag, 2. Februar, – also ebenfalls keine zehn Tage später – sind bei täglichen Routine-Schnelltests 14 Bewohner mit positivem Befund aufgefallen.

Bei ihnen ist die Virus-Variante B.1.1.7 nachgewiesen worden, die sich zuerst vor allem in Großbritannien ausgebreitet hat. Das Heim und alle Mitarbeiter befinden sich nun in Quarantäne. Bisher gebe es aber nur asymptomatische oder leichte Verläufe bei den Betroffenen, sagte ein Pressesprecher des Landkreises Osnabrück am Wochenende.

Nicht alle sind geschützt

Noch immer ist nicht sicher, ob geimpfte Personen tatsächlich immun gegen das Virus sind. Die Impfung soll vor allem Ausbrüche und schwere Verläufe verhindern. „Die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, ist bei geimpften Personen um bis zu 95 Prozent geringer als bei nicht geimpften Personen“, schreibt das Robert-Koch-Institut.


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Auf den Schleimhäuten in Nase und Rachen können die Viren aber trotzdem auftreten, nachgewiesen und auch weitergegeben werden. „Es ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung und Übertragung des Erregers auf andere Personen schützt.“ Deshalb sei es für Geimpfte weiterhin zu empfehlen, die Hygienemaßnahmen einzuhalten. „Der Schutz setzt auch nicht sofort nach der Impfung ein, und einige geimpfte Personen bleiben ungeschützt.“

Bei einer Pressekonferenz am Montag sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Ausbrüche, die nach einer Impfung aufgetreten sind, „beschäftigen uns sehr“. Das RKI und das für die Impfstoffzulassung zuständige Paul-Ehrlich-Institut seien bereits dabei, die Fälle genauer zu untersuchen.

Dass die infizierten Altenheimbewohner nicht schwer erkrankt sind, kann ein gutes Zeichen dafür sein, dass die Impfung wirkt – auch gegen die neuen Mutationen. Erste Studien, etwa an der Rockefeller Universität in New York, hatten Hinweise dafür gegeben, dass die aus Südafrika bekannte Virusvariante B.1.351 etwas weniger empfindlich auf eine aufgebaute Immunabwehr reagieren könnte.

Die Ergebnisse seien aber noch nicht aussagekräftig genug. Der US-amerikanische Hersteller Moderna hat bereits angekündigt, seinen Impfstoff an die Mutation anpassen zu wollen. Für die Variante B.1.1.7 gibt es solche Vermutungen bislang aber nicht. Die zugelassenen Impfstoffe sollen hier genauso wirksam sein.