So kommentiert die NZ

Baerbocks Buch ist ein einziges Ärgernis

4.7.2021, 20:02 Uhr
Die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

Die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. © Soeren Stache, dpa

Keiner kann ein Buch ausschließlich mit eigenen Ideen füllen. Auch die Grüne-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock nicht. Politikerinnen und Politiker, die glauben, ein Buch schreiben zu müssen, nehmen Ideen, Thesen und Anregungen auf, sollten sie fortschreiben und ihnen eine subjektive Wendung geben. Da spielt es keine Rolle, ob es ein Fachbuch, ein Sachbuch oder ein Biographie ist. Wenn das Buch von Baerbock geschrieben ist, zumindest wird sie als Autorin genannt, dann hat der Kunde auch das Recht darauf, dass der Inhalt von Baerbock ist und nicht ein Kompendium abgeschriebener oder schlecht erinnerter Texte. Es ist in mehrfacher Hinsicht ein Ärgernis.

Alles soll glanzvoll sein

Dass beim Zusammentackern der Texte zum Teil ganze Passagen abgekupfert wurden, ist dabei nur der geringste Vorwurf. In Zeiten, in denen einer vom anderen abschreibt, vornehm kopiert, kann das schon mal passieren. Viel schlimmer ist aber, dass mit dem Buch suggeriert wird, die Autorin ist etwas Besonderes und kann wichtige Zusammenhänge gut erklären. Mit eigenen Worten hat das offenbar nicht geklappt. Es ging ja immerhin darum, wie Deutschland erneuert werden soll. Damit setzt sich die Linie fort, die mit dem aufgehübschten Lebenslauf begann. Baerbock wird immer etwas glanzvoller und bedeutungsvoller herausgestellt, als sie ist. Für Grüne, die immer großen Wert auf Ehrlichkeit und Authentizität gelegt haben, ist diese Art von Politik-Sprech eine Abkehr von der eigenen Marke.


Baerbock verteidigt sich


Keine Nebensächlichkeiten

Das Schlimmste an der ganzen Geschichte ist, dass Baerbocks Unterstützer Fehler und unangemessene Positivierungen der eigenen Spitzenkandidatin als Nebensächlichkeiten abtun und den Vorwurf erheben, dass es sich hier um „Schmutz“ handele (Katrin Göring-Eckardt), es einen „rechten Propagandakrieg“ gebe (Reinhard Bütikofer) und mit den Vorwürfen „Rufmord“ betrieben werde (Michael Kellner). Baerbock spricht von Fake News, von „Hass und Hetze“ und dass sie doch nur öffentlich zugängliche Fakten verwendet habe. Allerdings müssten die Grünen dann auch die Frage beantworten, wer sich denn so dilettantisch verhalten hat? Wer hat denn dem politischen Gegner die Vorlagen geliefert, die er ganz leicht zu seinem Vorteil verwenden konnte? Kein Wähler und keine Wählerin erwarten von einer Spitzenkandidatin, dass sie ein Buch schreiben kann.

Es geht um Ehrlichkeit

Zu viel geschummelt: Ihre Unterstützer kann sich Baerbock nicht aussuchen. Auf Ex-Familienministerin Franziska Giffey, die ihren Doktortitel abgab, weil sie zu viel geschummelt hatte, würde sie wohl gerne verzichten. Giffey verniedlichte am Wochenende erst den Plagiatsvorwurf und setzte dann noch mit folgenden Worten eins drauf: „Offensichtlich empfinden es einige Leute immer noch als Affront, wenn sich junge Frauen um politische Spitzenämter bewerben.“ Hier geht es nicht um jünger oder älter, um Mann oder Frau, sondern um Ehrlichkeit, Frau Giffey.

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