Bundestagswahl 2021

Bamberger ist bundesweiter Spitzenkandidat: Das will die Volt-Partei

Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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13.6.2021, 05:55 Uhr
War früher SPD-Mitglied: Hans-Günter Brünker

© privat War früher SPD-Mitglied: Hans-Günter Brünker

Hans-Günter Brünker ist Schauspieler, beim Fränkischen Theatersommer tritt er in diesem Jahr im "Don Quijote" auf. Brünker führt aber noch einen anderen Kampf gegen Windmühlen: Er will eine Kleinpartei in den Bundestag führen.

Ein Kampf, den der Bamberger selbst keineswegs für aussichtslos hält, selbst wenn die Umfragen anderes nahelegen: "Ich sehe durchaus Chancen gegeben", sagt er und zählt aus dem Stand auf, was Volt - so heißt die Partei - schon alles erreicht hat: sieben Prozent bei den Kommunalwahlen in Darmstadt, fünf Prozent in Köln, fünf Prozent in Bonn. Einzug ins niederländische Parlament.

Volt versteht sich als erste tatsächlich gesamteuropäische Partei; sie will, das deutet schon ihr Name an, neue Energie in die Europäische Union bringen. Gegründet wurde Volt 2017 als Reaktion auf den Brexit-Schock. "Nationale Parteien können keine echte europäische Politik machen", sagt Brünker. Um in einer Welt der Großmächte zu bestehen und die eigenen Werte zu verteidigen, müsse die EU zusammenwachsen und handlungsfähig sein. Das Gegenteil sei der Fall: "Wir sind starr geworden und denken nicht über die bestehenden Strukturen hinaus." Der Elan der Nachkriegsjahre, als das Projekt Europa aus der Taufe gehoben wurde, sei erlahmt. Als eines der Kernprobleme sieht er das Veto, mit dem einzelne Staaten die EU blockieren können.

"Die SPD verändert nichts mehr"

Brünker wuchs in Bad Brückenau in der Rhön auf, während des Chemiestudiums ist er SPD-Mitglied. Soziale Gerechtigkeit liegt dem Sohn eines Kellners und einer Schneiderin am Herzen. Doch die SPD "verändert nichts mehr", habe keine Vision mehr für die Zukunft, sagt der 54-Jährige, der heute in Bamberg lebt. Im Internet erfährt Brünker 2017 von Volt: "Das war genau das, was ich seit Jahren wollte." Er engagiert sich vor Ort und auf Bundesebene, kandidiert bei der Europawahl und zieht in den Bamberger Stadtrat ein. Inzwischen ist Volt auch in Nürnberg, Fürth und Erlangen aktiv.


Kandidaten, Wahlkreise, Ablauf: Alles zur Bundestagswahl 2021 in der Region


Wie Volt kämpfen Bundestagswahl für Bundestagswahl unzählige Klein- und Kleinstparteien um einen Platz im Parlament. 35 von ihnen traten 2017 an, die Fünf-Prozent-Hürde erreichte keine auch nur annähernd: Die Freien Wähler und die Satiriker von "Die Partei" brachten es auf 1,0 Prozent der Stimmen, die Tierschutzpartei auf 0,8. NPD und Piraten holten 0,4 Prozent, die ÖDP 0,3. Die Fünf-Prozent-Hürde soll eine zu starke Zersplitterung des Parlaments verhindern, führt aber dazu, dass diese Wählerstimmen verloren gingen.

Um in einem Bundesland anzutreten, müssen die Parteien Unterschriftenlisten vorlegen. Weil es in Coronazeiten aber schwierig ist, in Fußgängerzonen oder an Haustüren Unterstützer zu finden, reicht bei der Wahl 2021 ein Viertel der sonst notwendigen Unterschriften - in Bayern sind es nun 500.

"Team Todenhöfer" und "Die Basis"

Gut 30 Parteien wollen im Herbst an der Wahl teilnehmen, darunter etwa das "Team Todenhöfer", gegründet vom Ex-CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer: Der 80-Jährige fordert unter anderem den Stopp von Waffenexporten in Krisenregionen. Viel Aufmerksamkeit erfährt derzeit auch die neue Gruppierung "Die Basis". Diese gebe sich nach außen als basisdemokratische "Wohlfühlgruppierung", doch stammten führende Mitglieder aus der Querdenker-Bewegung, schrieb kürzlich der Spiegel.

Im Wahlkreis Erlangen versucht es die Satirepartei "Die Partei" mit einem Trick - und hat einen Kandidaten aufgestellt, der genauso heißt wie der CSU-Amtsinhaber: Stefan Müller. "Da in Erlangen seit 2002 kontinuierlich Stefan Müller gewählt wird“, sei man "auf diesen Zug aufgesprungen“, hieß es augenzwinkernd zur Begründung.

Der Bamberger Hans-Günter Brünker ist inzwischen das Gesicht der Volt-Partei in Deutschland. Gemeinsam mit Rebekka Müller aus Köln bildet er das bundesweite Spitzenkandidaten-Duo. Die Pandemie habe wie unter dem Brennglas die Probleme in Deutschland offengelegt - in Schulsystem, Verwaltung und Politik. "Viele Menschen fragen sich: Wen kann ich noch wählen, wenn ich nicht links oder rechts wählen will?", sagt Brünker. Volt verorte sich auf der Links-Rechts-Skala nicht. "Die ist ein Relikt alter Politik. Wir stehen für eine pragmatisch-lösungsorientierte Politik, weg vom Lagerdenken."

Brünker nimmt sich viel Zeit für den Wahlkampf, seine Tage sind vollgepackt mit Organisation und Interviews. Die Zeit, die er für seinen Beruf, das Schauspiel aufwendet, hat er deswegen stark reduziert. Geblieben ist in diesem Sommer nur der "Don Quijote".

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