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Bundestagswahl: Wahlbenachrichtigungen werden verschickt - so wählen Sie taktisch klug

Manuel Kugler
Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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16.8.2021, 09:25 Uhr
Eine Wahlhelferin sortiert eingegangene Wahlbriefe: 2017 stimmte fast jeder Dritte per Brief ab, 2021 dürfte der Anteil noch einmal steigen.
 

© Hauke-Christian Dittrich, dpa Eine Wahlhelferin sortiert eingegangene Wahlbriefe: 2017 stimmte fast jeder Dritte per Brief ab, 2021 dürfte der Anteil noch einmal steigen.  

Wer darf eigentlich wählen?

"Sie dürfen wählen, wenn Sie am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind, die deutsche Staatsbürgerschaft haben, seit mindestens drei Monaten in Deutschland wohnen und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind", definiert der Bundeswahlleiter. Von der Abstimmung ausgeschlossen werden, können Menschen durch einen Richter, allerdings nur in bestimmten Fällen - etwa, wenn sie wegen Hochverrats oder der Bestechung von Abgeordneten verurteilt wurden.

Wie läuft das mit der Briefwahl in diesem Jahr ab?

In Bayern werden ab 15. August die ersten Wahlbenachrichtigungen verschickt. Wer seine Stimme am 26. September selbst im Wahllokal vor Ort abgeben will, muss nichts weiter tun. Wer am Wahltag verhindert ist, kann mit Hilfe der Wahlbenachrichtigung Briefwahlunterlagen beantragen.

Was sollten Bürger machen, die in den nächsten Tagen noch keine Wahlbenachrichtigung erhalten?

Erstmal in Ruhe abwarten. Die Wahlbenachrichtigung muss den Bürgern spätestens am 5. September zugegangen sein, erklärt Karsten Köhne vom Bayerischen Landesamt für Statistik - in der Behörde ist im Freistaat das Amt des Landeswahlleiters angesiedelt. Wer nach dem 5. September immer noch nichts gehört hat, sollte sich aber mit dem zuständigen Wahlamt an seinem Wohnort in Verbindung setzen.

Was passiert, wenn jemand kurz vor der Wahl in eine andere Stadt umzieht?

In den Wählerverzeichnissen, die die Gemeinden führen, sind alle Wahlberechtigten aufgeführt, die zum Stichtag 15. August dort wohnen. Wer zwischen dem 16. August und 5. September 2021 umzieht, sollte formlos an seinem neuen Wohnort beantragen, ins dortige Wählerverzeichnis aufgenommen zu werden, rät der Bundeswahlleiter. Wer erst nach dem 6. September umzieht, muss seine Stimme am alten Wohnort abgeben.

Wie war das nochmal mit Erst- und Zweitstimme?

Die Erststimmen entscheiden darüber, welcher Kandidat im Wahlkreis vor Ort in den Bundestag entsendet wird (Direktmandat); die Zweitstimme über die Sitzverteilung im Bundestag allgemein. Ein vereinfachtes Beispiel: Holt die SPD bundesweit 20 Prozent der Zweitstimmen, dann stehen ihr auch 20 Prozent der Sitze im Parlament zu.

Macht es Sinn, taktisch zu wählen, also nicht automatisch beide Stimmen der favorisierten Partei zu geben?

Unter Umständen ja, vor allem bei der Erststimme. Wählerinnen und Wähler sollten sich genau überlegen, ob ihr favorisierter Erststimmen-Kandidat überhaupt eine Chance hat. Ein Beispiel: Im Wahlkreis Nürnberg-Nord sagen Umfragen ein enges Rennen zwischen Sebastian Brehm (CSU) und Tessa Ganserer (Grüne) um das Direktmandat voraus. Gerade Anhänger der kleineren Gruppierungen müssen sich entscheiden: Geben sie ihre Erststimme wie geplant dem Kandidaten der von ihnen favorisierten Partei, dann geht diese Stimme womöglich verloren. Für sie kann es also sinnvoll sein, ihre Erststimme lieber einem der beiden aussichtsreicheren Kandidaten - in diesem Fall Brehm oder Ganserer - zu geben.

Und bei der Zweitstimme?

Hier ist die Gefahr, dass die Stimme verloren geht, geringer - solange sie an eine Partei geht, die eine realistische Chance hat, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen, die Voraussetzung für den Einzug in den Bundestag ist. Auf taktisches Wählen setzt derzeit vor allem Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Er hofft, dass viele CSU-Anhänger zwar ihre Erststimme dem jeweiligen Kandidaten der Christsozialen geben, ihre Zweitstimme aber den Freien Wählern, damit auch diese in den Bundestag kommen.

Wie viele Menschen nutzen überhaupt Briefwahl?

Der Anteil der Menschen, die ihr Kreuzchen nicht im Wahllokal vor Ort machen, ist seit 1990 stark angestiegen. Nutzte damals nur jeder zehnte Wähler die Briefwahl, war es 2017 schon fast jeder dritte. Wegen der Corona-Pandemie erwartet das bayerische Landesamt für Statistik nun einen deutlich erhöhten Anteil der Briefwähler. Für die Parteien bedeutet das: Je näher der Wahltermin rückt, desto weniger Menschen erreichen sie mit ihrem Wahlkampf überhaupt noch - denn viele Bürger haben ihre Stimme schon lange vor dem 26. September abgegeben.

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