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Die Corona-Krise in Franken: Viele Betten bleiben leer

In Rothenburg fehlen fast 90 Prozent der Gäste - Reisen am Airport abgesagt - 13.03.2020 05:41 Uhr

Ein Bild aus besseren Tagen: Rothenburg, das bei asiatischen Touristen besonders beliebt ist, leidet derzeit besonders unter dem Einbruch des weltweiten Tourismus.

12.03.2020


Das Coronavirus trifft einen Großteil der Reisebranche hart. Auch in der Region sind derzeit massive Auswirkungen zu spüren. "Im April und Mai wurden bei uns 120 Gruppenreisen storniert, das sind rund 85 bis 90 Prozent", berichtet Robert Nehr, Mitarbeiter bei der Tourismuszentrale im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber (Landkreis Ansbach). 560.000 Übernachtungen gibt es hier jährlich, etwa die Hälfte der Gäste kommt aus dem Ausland, 30 Prozent davon aus Übersee.


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Die Lage sei aktuell sehr angespannt. Weil die Zimmer leer sind, versuchen etliche Betriebe derzeit mit reduzierten Preisen Kunden zu locken. "Es gibt bei uns momentan Angebote, die sie normal nicht bekommen", wirbt Nehr. Er hofft, dass die Krise die Rothenburger Hotelbetriebe mit den rund 3000 Betten nicht so hart treffen wird. Hauptsaison in Rothenburg ist im Sommer und im Dezember. Aus seiner Sicht könne, je nachdem wie sich die Lage entwickelt, auch wieder einiges aufgeholt werden.

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"Von Aufholen sind wir weit entfernt", sagt dagegen Yvonne Coulin, Geschäftsführerin der Nürnberger Congress- und Tourismuszentrale. Anfang dieser Woche wurden 85 Nürnberger Hotelbetriebe befragt. Über die Hälfte rechnet mit Umsatzeinbußen im ersten halben Jahr. Bei jedem zweiten befragten Betrieb liegt die Stornorate derzeit bei 60 bis 80 Prozent.

Profitieren deutsche Regionen?

Auch deutschlandweit ist die Lage nicht besser. Der Hotel und Gaststättenverband Dehoga hatte Anfang März 10.000 Hotels, Restaurants und Caterer befragt. 76,1 Prozent verzeichnen bereits Umsatzrückgänge. 90,4 Prozent melden Rückgänge bei Neubuchungen.

Ganz anders sieht die Situation in der Fränkischen Schweiz aus. "Bei uns sind derzeit noch keine Auswirkungen zu spüren", sagt Reinhard Löwisch, stellvertretender Leiter der Tourismuszentrale. Stornierungen sind ihm nicht bekannt. "Schlechtes Wetter ist eine größere Gefahr", ergänzt Löwisch. Sorgen würden den Betrieben in der Fränkischen Schweiz, die oft vom Tagestourismus leben, vor allem die Personalprobleme machen.

Keine Entwarnung, zumindest vorerst

Theoretisch könnte es laut Löwisch sogar sein, dass die Fränkische Schweiz profitiert. "Aber, ob wir die Leute bekommen, die sonst nach Italien fahren, ist fraglich, wir haben kein Meer und keine Sonnengarantie", sagt Löwisch.

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Entwarnung will aber auch er nicht geben. Wie sich die Saison, die zu Ostern beginnt, entwickelt, sei vollkommen offen. Denn die Lage könne sich schnell ändern. "Jetzt hat in Ebermannstadt das Gymnasium geschlossen, das zieht einen Rattenschwanz nach sich. Wahrscheinlich wird bald die Dönerbude zumachen und Metzgereien und Bäckereien merken es, wenn mittags die Schüler fehlen", sagt Löwisch, der aber noch optimistisch in die Zukunft blickt.


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Auch Christoph Führer, Geschäftsführer von Leitner-Reisen in Allersberg, die Busreisen, Flugreisen und Kreuzfahrten anbieten, ist zuversichtlich, obwohl die Turbulenzen seinen Betrieb extrem treffen. Am Donnerstag hätte zum Beispiel eine Reisegruppe in die USA fliegen sollen. Die Gäste waren schon am Flughafen, als die Reise abgesagt wurde. "Wir haben das in Absprache mit den Gästen gemacht", sagt Führer. Die Lage sei einfach zu unsicher. "Kommerziell war das für uns sicherlich keine gute Entscheidung", ergänzt er.

"Die Leute wollen reisen"

Auch aus Krisenzonen habe Leitner bereits Urlauber rausgeholt. "Das ist einfach ein Vorteil, wenn sie über einen Veranstalter buchen", wirbt der Geschäftsführer. Außer in Sperrgebiete finden derzeit noch alle Reisen statt. Nur wenige Gäste würden absagen. "Die Leute wollen reisen", sagt Führer, viele, deren Reisen abgesagt wurden, würden umbuchen. Flusskreuzfahrten, Mecklenburgische Seenplatte oder Kreuzfahrten im Norden seien gefragt.

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Bei den Buchungen ist zwar ein Rückgang zu spüren, doch auch Führer geht davon aus, dass einiges aufgeholt werden kann. "Unser Programm steht schon bis zum Oktober, der Markt könnte schnell wieder anspringen und viele Gäste werden dann sicherlich auf uns zukommen", sagt Führer. "Die Folgen hängen auch sehr stark von Regierungen ab. Mit Trump brauch‘ ich nicht zu diskutieren, ob er meine Leute reinlässt", ergänzt er.



Laut Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands, seien vor allem Messen und Geschäftsreisen betroffen. "In großen Städten wird es daher keinen Nachholeffekt geben", sagt er. Eine Prognose wagt er nicht. Positiv sei, dass 80 Prozent der Touristen in Deutschland aus Deutschland kommen. "Wir haben rund 500 Millionen Übernachtungen jährlich, über 400 Millionen Übernachtungen gehen auf deutsche Gäste zurück."

Kerstin Freiberger

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