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Elf Tage Machtkampf und 210 Sekunden Abschied: Söder-Spitze gegen Laschet

Markus Söder schickt eine Botschaft zwischen den Zeilen - 20.04.2021 17:47 Uhr

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern

20.04.2021 © Peter Kneffel, dpa


Es sind exakt 210 Sekunden, in die Markus Söder packt, worauf Armin Laschet ziemlich genau 216 Stunden warten musste. „Die Würfel sind gefallen“, sagt der CSU-Chef in einer seiner kürzesten Reden aller Zeiten. „Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union.“ Es ist ein erkennbar schwerer Schritt für den 54-Jährigen. Gegen seine Gewohnheit liest Söder seine Sätze vom Blatt; als er fertig ist und CSU-Generalsekretär Markus Blume ihm noch ein paar lobende Worte hinterher schickt, geht sein Blick ins Leere.

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Es waren auch für den Nürnberger anstrengende elf Tage, in denen er sich eine Kanzlerkandidatur so nahe gesehen hat wie kaum ein CSU-Politiker vor ihm. Elf Tage zuvor hatte er sich als Kandidat im Rennen um die Kanzlerkandidatur gemeldet und die Entscheidung in die Hand der CDU gelegt. Elf tage später ist klar, wer für Söder diese CDU eigentlich nicht ist: keines ihrer gewählten Gremien, die eine Partei in ihrer Breite repräsentieren.

Söder: "Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union"

Fünf Minuten dauert der Spuk am Dienstag in der CSU-Zentrale insgesamt. Dann rauschen Söder und Blume ab. Der CSU-Chef ruft noch ein kurzes „Bis bald“ in die Runde. Dann ist er weg. Nachfragen hat er nicht zugelassen. Interviewanfragen lässt er wenig überraschend später abblocken. Söder muss wohl erst noch verdauen, was er da gerade getan hat, auf Anraten von wem und aus welchen Erkenntnissen heraus auch immer.


Die Fragen wären unangenehm geworden. Warum beispielsweise hat er vor einer Woche das eindeutige Votum der beiden höchsten CDU-Gremien nicht akzeptiert, die sich hinter Armin Laschet gestellt haben? Nur, um dann eine Woche später das weit weniger klare Votum nur des CDU-Vorstandes zu akzeptieren. Vielleicht hätte auch jemand wissen wollen, wie nach so einem Machtkampf die beiden Schwestern noch gemeinsam in den Wahlkampf ziehen sollen. Und wo da „die neue CSU“ war, die Söder gerade beschwört, die „in diesen schwierigen Zeiten Anstand und Stil zu den Grundprinzipien der Gemeinsamkeit“ erkläre.

"Enorme Unterstützung"

Doch, die Niederlage, wenn sie denn eine ist, arbeitet in Söder. In seinen 210 Sekunden Abschied vom Kanzleramt beschreibt er, wie enorm der Zuspruch für ihn gewesen sei. Dass ihm „nahezu alle Ministerpräsidenten der CDU ihre Unterstützung gezeigt“ hätten. Dass aus zahllosen Orts- und Kreisverbänden der CDU der Ruf nach ihm laut geworden sei, aus den Arbeitsgemeinschaften, aus dem Volk. Bei ihnen allen bedankt er sich, „bei den Jungen, bei den Modernen, bei denen, die auf die Zukunft aus waren.“ All das habe ihn „gefreut, bewegt und auch gerührt. Jeder Satz lässt sich durchaus als letzte Ohrfeige für Armin Laschet verstehen.

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Söder sieht sich als den besseren Kandidaten, das hat er eine Woche lang demonstriert und die Unionsgemeinschaft damit einer harten Belastungsprobe ausgesetzt. Eben jene Gemeinschaft beschwört er nun. „Es gibt Verantwortung fürs Land“, sagt er über seine Kandidatur. „Aber es gibt auch Verantwortung für die Union“, sagt er über seinen Rückzug.

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CDU und CSU könnten „nur geschlossen am Ende erfolgreich sein.“ Das hat er eine Zeitlang in der Schwebe gehalten. Und er hat mit seiner Attacke auf die CDU-Gremien eine prinzipielle Frage aufgeworfen, die noch lange nachhallen wird. Söder wollte ihre Entscheidungen nicht akzeptieren; sie seien nicht repräsentativ für die breite Basis einer Partei, sondern das Ergebnis von Mauschelrunden „in einem kleinen Hinterzimmer“.

Eine Woche hat er das so stehen gelassen. Dann ist er etwas abgerückt, aber so, dass sich viele auch nach dem mitternächtlichen CDU-Vorstands-Votum pro Laschet nicht sicher waren, ob Söder das Ergebnis akzeptiert. Seine Parteifreunde taten ihr Übriges, mäkelten an der Abstimmung herum und kritisierten, sie gebe nicht wieder, was die Basis denke. Inzwischen ist klar, es war Theaterrauch für die Galerie, fürs heimische Publikum. Söder hatte bereits mit Laschet telefoniert, seine Niederlage akzeptiert und dem CDU-Chef seine volle Unterstützung versichert.

Nur ein Vorgeschmack?

Doch ganz vom Tisch ist Söders neues Rollenverständnis der Parteigremien nicht. Unsere Demokratie, sagt er zum Abschied von der Kanzlerkandidatur, sei nicht mehr „nur eine Demokratie nach Ritualen des gestern, sondern sie erfordert auch Modernität.“ Was er meint, davon hat er der CDU einen kleinen Vorgeschmack gegeben. Und die darf sich ihrer Sache nicht allzu sicher sein, allen Beteuerungen Söders zum Trotz, er und die CSU stünden „ohne Groll und mit voller Kraft hinter Armin Laschet“. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt jedenfalls sagt voraus, das Wahlverfahren der CDU werde noch „zu Diskussionen führen.“ Frieden klingt anders.

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