Aufatmen bei den Wirten

Entscheidung gefallen: Bayern geht Sonderweg bei 2G-Plus in der Gastronomie

Stefan Zeitler

Online-Redaktion

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11.1.2022, 13:25 Uhr
In Bayern bleibt es in der Gastronomie bei 2G. Doppelt Geimpfte brauchen keinen tagesaktuellen Schnelltest vorzeigen.

© Soeren Stache, dpa In Bayern bleibt es in der Gastronomie bei 2G. Doppelt Geimpfte brauchen keinen tagesaktuellen Schnelltest vorzeigen.

Die erste Ministerpräsidentenkonferenz im neuen Jahr ist seit wenigen Tagen vorüber, die Corona-Regeln für die kommenden Tage und Wochen sind festgezurrt. Mit ein wenig Abstand ist nun auch offiziell klar: Bei dem vielleicht wichtigsten Thema des Treffens wird Bayern ab sofort einen Sonderweg einschlagen.

Angesprochen auf ein flächendeckendes 2G-Plus-Modell in der Gastronomie äußerte sich Söder direkt im Anschluss an das Berliner Gipfeltreffen bereits deutlich zurückhaltend. "Wir sind da sehr sehr skeptisch", erklärte der Ministerpräsident. Man werde in den kommenden Tagen genau auswerten, ob 2G-Plus in der normalen Gastro "wirklich notwendig und unverzichtbar" sei, fügte hier Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek an.

Sonderweg ist offiziell

Final entschieden werde darüber nach dem Hinzuziehen von Expertenmeinungen "am Dienstag", setzte Söder die Deadline. Gesagt. Getan. Heute kam das Kabinett in München zusammen - und folgte dann auch offiziell dem Vorstoß von Söder. Bayern wird einen Sonderweg gehen - und vorerst nicht 2G-Plus in der Gastronomie einführen, das verkündete Staatskanzleichef Dr. Florian Herrmann am Dienstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in München. Heißt konkret: In Franken und der Region reicht auch weiter beim Betreten eines Restaurants, eines Cafés oder einer Bar auch ohne Booster-Impfung das Vorzeigen des Impfzertifikats oder eines Genesenennachweises aus. Ein zusätzlicher tagesaktueller Coronatest ist nicht notwendig. Zudem wird rein formal die 15. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung um weitere vier Wochen bis zum 9. Februar verlängert.

Eine wichtige Änderung gab es auch beim Thema Booster: Künftig gelten Menschen bereits ab dem Tag der verabreichten Drittimpfung als geboostert - und nicht mehr erst nach 14 Tagen. Ab Donnerstag, 13. Januar, treten diese Regeln dann in Kraft.

"Wir haben die Gastrobranche insgesamt bereits in vielen Bereichen eingeschränkt, gerade im Bereich Bars und Diskotheken. Dazu kommt die Sperrstunde ab 22 Uhr", erklärte Herrmann zu der Thematik 2G-Plus weiter. Deshalb wolle man derzeit "nicht allgemein und flächendeckend völlig inzidenzunabhängig" das 2G-Plus-Modell in diesem Bereich einführen.

Das vom Bund vorgeschlagene Konzept hätte vorgesehen, dass alle Menschen in Bayern, die nicht geboostert sind, beim Betreten der Gastronomie, egal ob innen oder außen, neben dem Impfnachweis auch einen tagesaktuellen Coronatest vorzeigen hätten müssen. Für Menschen, die den Booster bereits erhalten haben, wäre das Zeigen eines Schnelltests entfallen, hier hätte das Zertifikat für den Booster zum Betreten der Bewirtungsstätte ausgereicht.

Ob es in der "normalen" Gastro wirklich dieses 2G-Plus-Modell brauche – sowohl Söder als auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek machten ihre Zweifel bereits Freitagnachmittag deutlich.

Auch die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern kritisierte die 2G-Plus-Regel für die Restaurants umgehend: "Bei den Unternehmerinnen und Unternehmern besteht die berechtigte Sorge, dass durch die zusätzliche Testpflicht weniger Gäste kommen und Umsatzeinbußen drohen könnten. Bereits die bisherige Regelung hat zu Unsicherheiten bei den Betreibern geführt, die sich nun noch verstärken dürften", erklärt Präsident Klaus Josef Lutz. "Allerdings ist es eine gute Nachricht, dass Gäste mit einer sogenannten Booster-Impfung keinen zusätzlichen Test vorweisen müssen. Zudem ist die Regelung immer noch besser als ein genereller Lockdown für die gesamte Branche", schickte er den Versuch einer verbalen Brücke hinterher.

Bei sämtlichen Entscheidungen – so Söder - müsse neben der wissenschaftlichen Erkenntnis auch die Gesellschaft mit einbezogen werden, da die weltweite Covid-19-Pandemie von einer "virologischen" zu einer "gesellschaftlichen und sozialen Herausforderung" geworden sei, auf die man nun "multikomplex" reagieren müsse, da "wir diese Vertiefung in den Gräben der Gesellschaft auf Dauer nicht akzeptieren können", machte Söder bereits direkt am Freitagabend seine Bedenken noch einmal deutlich.

Seit Dienstagnachmittag haben alle Betriebe im Freistaat die Gewissheit, dass das 2G-Plus-Modell in der Gastronomie vorerst nicht eingeführt werden wird.

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