Donnerstag, 22.04.2021

|

zum Thema

Impfreihenfolge in Bayern: Ist bald Schluss mit der Priorisierung?

Reihenfolge wurde bereits mehrfach aufgelockert - 20.04.2021 11:50 Uhr

Zur Gruppe 1 (Höchste Priorität), die zuerst ein Impfangebot erhalten haben, gehört unter anderem Personal in medizinischen Einrichtungen mit einem sehr hohem Infektionsrisiko - beispielsweise Intensivstationen.

14.12.2020 © Marijan Murat, dpa


"Ich glaube, wir werden diese Priorisierung spätestens im Mai aus meiner Sicht aufgeben müssen." Das sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) bei einer Pressekonferenz am 13. April. Das Impfen gehe gut voran, sodass die Impfung bald allen angeboten werden könnte.

Auf Nachfrage teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit, wie Holetscheks Aussage zu deuten ist: Nur im Idealfall könne über eine Aussetzung der Priorisierung nachgedacht werden, das bedingt allerdings auch, dass bis dahin genügend Impfstoff vorhanden ist. Bereits am Tag darauf ergaben sich neue Probleme, diesmal rund um den Impfstoff Johnson & Johnson.

Diese Anpassungen gab es bislang bei der Impfreihenfolge in Bayern

Die derzeit geltende Impfreihenfolge in Bayern basiert auf der Coronaimpfverordnung, die deutschlandweit gilt. Menschen, die bevorzugt gegen Corona geimpft werden sollen, sind dabei in drei Impfgruppen eingeteilt.

Diese Reihenfolge wurde aufgelockert, nachdem am 30. März die Impfung mit Astrazeneca für Menschen unter 60 Jahren weitgehend gestoppt wurde. Personen zwischen 60 und 69, die eigentlich später an die Reihe gekommen wären, dürfen sich seitdem sofort mit Astrazeneca impfen lassen, wenn sie dies wollen und sie einen Termin erhalten.

Mittlerweile gibt es Impfungen auch bei vielen Hausärzten. Diese sollen sich bei der Impfreihenfolge an der Coronaimpfverordnung orientieren, die Politik sicherte ihnen aber eine gewisse Flexibilität zu. Sie könnten beispielsweise chronisch Kranke schneller impfen. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte wiederholt betont, dass er den Ärzten bei der Priorisierung vertraue.

Am 10. März ist eine Neuauflage der Coronaimpfverordnung erschienen. Diese enthielt unter anderem folgende Punkte:

- In Hotspotregionen kann von der Reihenfolge abgewichen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das gilt explizit auch für Grenzregionen.
- Bereits in früheren Versionen galt: Von der unten beschriebenen Reihenfolge kann abgewichen werden, wenn sich die Impfung so einfacher organisieren lässt oder sonst Impfstoff weggeworfen werden müsste.
- Innerhalb der drei Impfgruppen kann es zu einer zusätzlichen Priorisierung kommen, beispielsweise nach Geburtenjahrgang oder Gefährdung der Impfwilligen.


Corona-Ausbruch in Altenheim: Impfungen verhinderten schwere Verläufe


Diese Personen gehören in Bayern zur ersten Impfgruppe

- Personen im Alter von 80 Jahren und älter

- Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen

- Personen, die regelmäßig andere gegen Corona impfen

- Personal in der ambulanten und stationären Altenpflege sowie andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern

- Personal in medizinischen Einrichtungen mit einem sehr hohem Infektionsrisiko - besonders in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in Corona-Impfzentren

- Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Kontakt zu Personen mit sehr hohem Risiko für schwere Corona-Verläufe haben - besonders in der Krebsbehandlung oder Transplantationsmedizin.

Bilderstrecke zum Thema

Von Biontech bis Valneva: Die Corona-Impfstoffe im Überblick

Im Namen der 27 Staaten hat die EU-Kommission bisher Verträge mit mehreren Impfstoff-Herstellern abgeschlossen und so rund 2,3 Milliarden Dosen verschiedener Mittel gesichert. Weitere sollen folgen. Ein Überblick.


Diese Gruppen werden als zweites gegen Corona geimpft

- Personen im Alter von 70 bis 79 Jahren

- Personen mit einem hohen Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe: u.a. mit Demenz, geistigen Behinderung oder schwerer psychiatrischer Erkrankung, Personen mit einer behandlungsbedürftigen Krebserkrankung, Personen mit einer Organtransplantation, mit einer schweren chronischen Lungenerkrankung, Diabetes mellitus mit Komplikationen, Leberzirrhose oder einer anderen chronischen Lebererkrankung, mit einer chronischer Nierenerkrankung oder Adipositas (mit BMI über 40), mit Conterganschädigung

- bis zu zwei Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Personen der ersten und zweiten Impfstufe sowie von Schwangeren

- Personal in der teilstationären oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz, geistigen Behinderung oder schwerer psychiatrischer Erkrankung

- Personal mit hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen (z.B. Infektionsstationen, Haus- und Zahnarztpraxen)

- Polizisten, Soldaten und Ordnungskräfte, insofern sie durch ihre Arbeit zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnung einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind

- Personen in Auslandsvertretungen der BRD oder des Deutschen Archäologischen Instituts, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind

- Personen, die im Ausland für Organisationen u.a. in den Bereichen Krisenprävention und Entwicklungszusammenarbeit arbeiten und einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind

- Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdiensts und in besonders relevanten Positionen zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur

- Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen tätig sind

- Bewohner von Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und Frauenhäusern

- Personen, die entsprechend § 45a des Elften Buches Sozialgesetzbuch regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen unterstützen

Coronavirus: Wer wird in Bayern in der dritten Gruppe geimpft?

- Personen im Alter zwischen 60 und 69 Jahren

- Personen mit Vorerkrankungen mit erhöhtem Risiko (z.B. Krebs in Remission, HIV-Infektion, Immundefizienz, Herzinsuffizienz, Asthma bronchiale, chronisch entzündlicher Darmerkrankung)

- bis zu zwei enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Menschen, auf die einer der zwei vorigen Punkte zutrifft

- Personen mit wichtigen Positionen in der Regierung, Verwaltung, bei der Bundeswehr, der Polizei, der Feuerwehr, dem Katastrophenschutz, dem Technischen Hilfswerk, der Justiz oder beim Zoll arbeiten,

- Wahlhelferinnen und Wahlhelfer

- Personen in medizinischen Einrichtungen mit niedrigem Infektionsrisiko (beispielsweise Labore)

- Personen aus der Kritischen Infrastruktur (beispielsweise Apotheker, Bestatter, Wasser- und Energieversorgung)

- Personen, die in Supermärkten arbeiten

- Personen, die Schulen mit erhöhtem Infektionsrisiko oder in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind und die nicht in Gruppe 2 bereits erfasst worden sind - dies können auch ehrenamtliche Mitarbeiter wie etwa Jugendgruppenleiter sein

- Personen mit prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen

Diesen Personen steht die Impfung anschließend frei

Wenn alle Personen mit erhöhter Priorität geimpft worden sind, soll allen Berechtigten ein Impfangebot gemacht werden. Aber wer ist berechtigt? Neben den bereits beschriebenen Personengruppen

- jeder, der in Deutschland krankenversichert ist

- jeder, der in Deutschland seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort hat

- mitausgereiste Familien von im Ausland lebenden Personen wie in Gruppe 2 beschrieben

dpa, sima

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik