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Kommt der harte Lockdown? Das droht Deutschland vor Weihnachten

Krankenhäuser warnen vor Überlastung - Machen Geschäfte bald dicht? - 13.12.2020 08:43 Uhr

Deutschland ist endgültig im Corona-Krisenmodus angekommen. Vor wenigen Wochen beschlossen Bund und Länder noch Lockerungen zu Weihnachten. Doch die Infektionszahlen sinken nicht, Experten sind besorgt - und warnen vor der akuten Überlastung des Gesundheitssystems. Gegen Ende ihrer Amtszeit wird Angela Merkel einmal mehr Krisen-Managerin. "Weil die Zahlen so sind, wie sie sind, müssen wir etwas tun - und zwar Bund und Länder gemeinsam", sagte sie in einer emotionalen Rede im Bundestag. "Wir können es nur gemeinsam machen."

Genau das wollen die Länderchefs und die Kanzlerin am Sonntag tun. Gegen 10 Uhr startet die Ministerpräsidentenkonferenz. Es gilt als relativ sicher, dass das Gremium einen weitreichenden Lockdown beschließt. Unklar bleibt jedoch, wann er starten und wie lange er gelten soll.

"10. Januar ist bei diesen Werten nicht haltbar"

Laut dem Magazin „Business Insider“ soll der Lockdown spätestens ab dem 16. Dezember gelten. Darauf hätten sich die Chefs der Staatskanzleien mit dem Kanzleramt am Samstagabend verständigt. Weiter hieß es, das Kanzleramt wolle lieber schon den 15. Dezember als Starttermin. Eine endgültige Entscheidung solle am Sonntagmorgen bei einer Schaltkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten fallen.

Nach Informationen der Bild-Zeitung spricht sich Merkel für die Schließung aller Läden aus - lediglich Lebensmittelgeschäfte und Drogeriemärkte sollen geöffnet bleiben. Auch Friseure würden demnach in den Winterurlaub gehen müssen. Schulen und Kitas sollen bereits ab Mittwoch (16. Dezember) in die Ferien starten - und das in ganz Deutschland, ausnahmslos. Als Enddatum für alle Maßnahmen steht der 10. Januar im Raum. Laut Bild ist aber auch dieser Termin nicht fix. "Der 10. Januar ist bei diesen Infektionswerten nicht haltbar", sagte etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem Blatt.

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Es sind Bilder, die wie aus einem Film wirken: Nürnberg wird zur kompletten Geisterstadt. Die erste Nacht mit Ausgangssperre liegt hinter der Stadt. Wir haben uns umgesehen: So gespenstisch leer ist Nürnberg nun bei Nacht.


Einige Bundesländer preschten bereits vor. In Sachsen startet der Lockdown etwa bereits am Montag, in Baden-Württemberg gilt bereits ab Samstag eine weitreichende Ausgangsbeschränkung - und Bayern beschloss bereits Anfang der Woche ein Zehn-Punkte-Maßnahmenpaket. Auch Berlin diskutiert den Total-Lockdown.

RKI-Chef warnt vor fragiler Lage

In den vergangenen Tagen wuchs die Kritik an den geplanten Lockerungen zu Weihnachten. Das Robert-Koch-Institut meldete Ende der Woche neue Rekorde bei den Neuinfektionen. RKI-Chef Lothar Wieler, der für gewöhnlich öffentlich kaum Maßnahmen fordert, stellte sich hinter eine Forderung des Nationalen Wissenschaftsrats Leopoldina - die Experten hatten einen harten Lockdown noch vor dem Fest gefordert. "Die Lage ist nach wie vor sehr ernst", sagte Wieler. Deutschland befinde sich auf einem Plateau, das äußert fragil sei. "Das Infektionsgeschehen kann schnell wieder kippen."

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Zehn-Punkte-Plan: Das sind die neuen Corona-Maßnahmen für Bayern

Bei einer Sondersitzung des Bayerischen Kabinetts entschied die Landesregierung über neue Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Da die Infektionszahlen vor Weihnachten noch zu hoch sind, gelten in Bayern nun verschärfte Corona-Regeln. Die Landesregierung stellte bei einer Pressekonferenz am Sonntag ein Zehn-Punkte-Program mit schärferen Corona-Maßnahmen vor.


Weihnachten, befürchten Experten, könnte genau dieser Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. "Wenn das so abläuft wie in den USA und Kanada zu Thanksgiving, dann wird das eine richtige Katastrophe für uns", warnte etwa Christian Karagiannidis in den Nürnberger Nachrichten. Der Lungenarzt leitet das Intensivbettenregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, kurz Divi. "Als Experte bin ich dagegen, zu lockern."

Krankenhäuser in Nürnberg rufen Pandemie-Alarmfall aus

Auch Kliniken in der Region geraten immer wieder an ihre Belastungsgrenzen. Die Krankenhäuser im Großraum Nürnberg blicken etwa mit großer Sorge auf das Wochenende. "Verordnen Sie einen harten Lockdown und zwar jetzt! Wir können nicht länger warten", sagt etwa Manfred Wagner, Pandemiebeauftragter am Fürther Klinikum. "Wenn wir jetzt nicht handeln, riskieren wir, dass unser gut funktionierendes Gesundheitssystem zusammenbrechen wird." Die großen Krankenhäuser in Nürnberg riefen für das Wochenende den Pandemie-Alarmfall aus.

Die Politik will reagieren, die Bund-Länder-Schalte am Sonntag könnte ein Wendepunkt in der Pandemiepolitik werden. Es droht der harte Lockdown, den die Regierung im Herbst vermeiden wollte. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht Druck. "Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Wir brauchen einen kompletten Lockdown", sagte der CSU-Chef der Welt am Sonntag. "Die Zahlen sind so schlimm wie nie. Wir dürfen uns nicht mehr in Einzelmaßnahmen verheddern."

mit Material von dpa

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