Merkels flammender Appell: "Nehmen Sie es ernst!"

SamSon: Harald Baumer
Harald Baumer

Berlin-Korrespondent der NN

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18.3.2020, 19:31 Uhr

Als am Morgen die Nachricht von dem ungewöhnlichen Fernsehauftritt bekannt wurde, dessen Ausstrahlung für den Abend geplant war, gab es sofort jede Menge Spekulationen. Würde Angela Merkel über die bisher bestehenden umfassenden Schließungen noch etwas Weiteres verkünden? Zum Beispiel eine Ausgangssperre? Doch vom ersten Moment an bemühte sich Regierungssprecher Steffen Seibert, diese Befürchtung zu zerstreuen.

Offensichtlich ging es der Kanzlerin mehr um eine Einordnung der Ereignisse. Sehr früh stellte sie in ihrer Ansprache fest: "Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt."


Die Merkel-Rede im Wortlaut


Sie selbst wisse, so Angela Merkel, "wie dramatisch schon jetzt die Einschränkungen sind". Für die Wirtschaft werde es in den nächsten Wochen "noch schwerer". Allerdings wolle die die Bundesregierung "alles tun, was sie kann, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern". Die Verbraucher forderte sie auf, "mit Maß" Vorräte an Lebensmittel einzulagern. Wer es übertreibe, der verhalte sich "vollkommen unsolidarisch".


Kommentar: War das Merkels letzte Warnung?


Um eines war die Kanzlerin während ihrer Rede gleich mehrfach bemüht: den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder zu sagen, dass sie es selbst in der Hand haben, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. "Das wirksamste Mittel" seien "wir selbst", indem wir "aus Rücksicht voneinander Abstand halten".

Erst gegen Ende der Ansprache klang an, dass die bisherigen Schließungen von Schulen, zahlreichen Geschäften, Kindergärten, Kinos und Konzertsälen nicht das Ende der Maßnahmen sein könnte. Sie kündigte an "Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist". Bei der Epidemie handle es sich um "eine dynamische Situation", in der man notfalls "jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren" müsse. Das könnte dann auch eine Ausgangssperre sein.

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