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Panne bei Corona-Tests: 900 Infizierte in Bayern kennen ihr Ergebnis nicht

Gesundheitsministerin ärgert sich und spricht von "Überbrückungsproblematik" - 12.08.2020 19:00 Uhr

Die Testpflicht für Reiserückkehrer stellt einen logistischen Aufwand dar. Doch nun warten Zehntausende auf ihr Ergebnis.

© THOMAS KIENZLE, AFP


Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) musste am Mittwochabend einräumen, dass 44.000 Menschen, die sich an drei Autobahn- und zwei Bahnhofs-Testzentren in Bayern auf eine Infektion mit dem Corona-Virus haben untersuchen lassen, noch nach etlichen Tagen kein Ergebnis erhalten haben. Noch bedenklicher: Unter ihnen sind 900 Personen, deren Test eine Infektion positiv bestätigt hat.

"Es ärgert mich massiv. Ich bedauere das sehr", sagte die Ministerin auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Sie versprach, dass alle getesteten Bürger umgehend ihre Testergebnisse erhalten sollen. Besondere Priorität hätten diejenigen, deren Test positiv ausgefallen war. Sie sollen spätestens bis Donnerstagmittag informiert werden, gleichzeitig auch die für sie zuständigen Gesundheitsämter.

Unter den zahlreichen Bürgern, die sich über das Ausbleiben ihrer Bescheide wunderten, war auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler im bayerischen Landtag Fabian Mehring, der nach eigenen Angaben zehn Tage nach dem Abstrich noch nicht informiert war.

Der Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Andreas Zapf erklärt "Panne" damit, dass in der ersten Phase die Testzentren an den drei bayerischen Autobahnen A3, A93 und A8 von Ehrenamtlichen besetzt gewesen seien, welche nicht über die erforderliche EDV verfügten und die Daten "händisch" hätten eingeben müssen. Jetzt müsse man rasch die mit Barcodes versehenen Testergebnisse mit den Anträgen zusammenbringen, um die Betreffenden unterrichten zu können.

"Wir haben alle zusammen Fehler gemacht"

"Die Laboruntersuchungen waren nicht das Problem", so Zapf, "sondern die Eingabe der Daten der Personen. Ministerin Huml sprach von einer "Überbrückungsproblematik". Bis Donnerstag sollen alle fünf Testzentren an den Autobahnen und an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg von "Dienstleistern" übernommen sein, welche die Daten digital erfassen können. Über digitale Kanäle sollen die Getesteten dann innerhalb von 24 bis 48 Stunden zuverlässig informiert werden.

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"Wir haben alle zusammen den Fehler gemacht, die Zahl der Tests zu unterschätzen", sagte Zapf. Bis Mittwoch wurden an den Autobahnen, den Bahnhöfen und den Flughäfen des Freistaats insgesamt 85.000 Tests abgenommen. Besonders hakte es bei der Übermittlung der Informationen bei den Autobahn-Testzentren.

Nach einer groben Übersicht scheinen die meisten positiven Testbefunde von Balkan-Rückkehrern zu stammen, die am Testzentrum der Autobahn A3 bei Passau vorstellig geworden sind, sagte LGL-Chef Zapf. Entsprechende Hinweise gebe es auch von den Testzentren an den Flughäfen, wo Reisende aus Risikogebieten seit vergangenen Samstag zu einem Test verpflichtet sind, sagte Huml.

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Die Ministerin wies darauf hin, dass sich Personen, die aus Risikogebieten einreisten, in jedem Fall in eine 14-tägige Quarantäne begeben müssen, es sei denn, es liege ein negativer Test vor. Unter anderem für die EU-Länder Rumänien und Bulgarien, aber auch für andere südosteuropäische Länder liegen mittlerweile Reisewarnungen vor.

Tirol fürchtet sich vor dem Balkan

Der sich neu entwickelnde europäische Hotspot Balkan hat auch das österreichische Bundesland Tirol alarmiert. Dessen Landesregierung kündigte zusätzliche Maßnahmen an. Weil bis zu 50 Prozent der registrierten Neuinfektionen in Österreich, die es in den letzten Wochen gab, auf Reiserückkehrer aus Risikoländern am Balkan zurückzuführen seien, werde ab Donnerstag das Land Tirol und die Polizei in Absprache mit dem Gesundheitsministerium die "gesundheitspolizeilichen Kontrollen" sowohl auf der Brennerbundesstraße als auch auf der A13 im Wipptal intensivieren, kündigte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) an.


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Hintergrund dieser Entscheidung sei, dass Balkan-Rückkehrer großräumig über den Brenner ausweichen könnten, um gesundheitspolizeiliche Kontrollen an den Grenzübergängen in der Steiermark, Kärnten oder dem Burgenland zu umgehen.

Der Artikel wurde zuletzt am 12. August 2020 um 19 Uhr aktualisiert.


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