Donnerstag, 01.10.2020

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Schlecht vorbereitet: Der Neustart der Schulen wird zum Experiment

Hier und da gibt es noch große Fragezeichen - meint Roland Englisch - 04.09.2020 05:57 Uhr

Das liegt weniger an den Lehrkräften oder der Schulleitung. Sie leisten seit Beginn der Pandemie, was sie eben leisten können mit den Mitteln und Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen. Und die sind, auch sechs Monate nach dem Corona-Ausbruch noch, bescheiden. Die Politik verspricht zwar regelmäßig, dass sie alles Erdenkliche unternehmen werde, etwa bei der Digitalisierung. Sie kreiert großartige Begriffe wie den Digitalpakt oder den Digitalisierungsturbo. Doch voran geht wenig, weil der Turbo nicht arbeitet.

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Das liegt zum einen an den Zuständigkeiten, die sich wie die Fördertöpfe über viele Ebenen verteilen. Und zum anderen an einer behäbigen Verwaltung, deren Tempo auch dem Kompetenzwirrwarr geschuldet ist.

Zu kompliziert

Auf der Strecke bleiben die, um die es eigentlich gehen sollte. Bis heute etwa warten Schüler und Lehrer auf die lange versprochenen Computer und Tablets. Wer sie haben will, muss komplizierte Anträge ausfüllen, die durch mehrere Instanzen laufen, bis sie vielleicht eines Tages bewilligt werden. Das ist mehr als ärgerlich.

Gleichzeitig formuliert das Schulministerium seitenlange Hygienepläne, die in der Praxis kaum umsetzbar sind. Da sollen Schulen jeden Tag gereinigt, alle Oberflächen, Schalter, Griffe täglich gesäubert werden. Wer das machen soll, steht wohlweislich nicht im Papier. Schon jetzt sind die Mittel für die Putzkräfte derart knapp bemessen, dass in den Schulen nicht einmal die Toiletten halbwegs sauber sind.

Oder die Geschichte mit den rappelvollen Schulbussen, die sie diese Woche als Problem erkannt haben. Spätestens seit den Pfingstferien sollte auch den Kultusbeamten klar sein, dass nach dem Sommer der Schulbetrieb hochgefahren wird. Doch wirklich vorbereitet wirken sie nicht.

Weder liegt ein ausgereiftes Konzept für den Online-Unterricht vor, der im Ernstfall erneut droht. Noch hat der Staat die vollmundig angekündigten Teamlehrer eingestellt, die den Lehrkräften zur Seite springen sollen. Der zuständige Minister ist schon froh, dass die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen sind – jetzt, eine Woche vor Schulbeginn und nach sechs Wochen Sommerferien.


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So bleibt offen, wie an den Schulen der versäumte Stoff nachgeholt, wie jene Kinder aufgefangen werden, die mit dem Online-Unterricht nicht klar gekommen sind. Sie laufen Gefahr, dass sie jetzt abgehängt, dass sie die stillen Verlierer der Pandemie werden. Kein Wunder, dass unter den Lehrkräften das Unbehagen wächst und die Unsicherheit groß ist. Sie werden unfreiwillig Teil eines Experiments, das sich hätte vermeiden lassen.

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