Um der eigenen Macht willen demontiert Söder die CDU

18.4.2021, 17:22 Uhr
Markus Söder hat mit dem von ihm ausgelösten Machtkampf die Union erschüttert. 

Markus Söder hat mit dem von ihm ausgelösten Machtkampf die Union erschüttert.  © Michael Kappeler, dpa

Mit seiner überraschenden Kampfansage hat Markus Söder die Union in eine verheerende Situation getrieben. Wer sich als Kandidaten-Kandidat durchsetzt, ist kaum noch von Belang, denn der Schaden für die Union ist enorm. Niemand weiß, wie CSU und CDU da noch gemeinsam Wahlkampf führen wollen.

Der Konflikt, den Söder inszeniert, spaltet die CDU. Und er demoliert beide Parteivorsitzenden. Es liegt an der Art, wie Söder vorgegangen ist. Nicht nur, dass er die wichtigsten CDU-Gremien zu Hinterzimmern, zu Mauschelrunden degradiert hat – Gremien, in denen alle Verbände der Partei sitzen, alle Regionen und Denkrichtungen, die mithin jenes breite Bild der CDU repräsentieren, das Söder anmahnt. Er hat mit seiner Taktik der Union überdies jeden Ausweg verbaut.


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Luft gelassen

Als 1979 Franz Josef Strauß in der K-Frage seinen Kontrahenten Helmut Kohl herausgefordert hatte, konnte Kohl reagieren. Er schickte mit Ernst Albrecht einen Strohmann ins Rennen. Albrecht verlor die Abstimmung in der Fraktion. Und Strauß fuhr zwar ein respektables Ergebnis ein. Zum Regieren aber reichte es nicht. Das Kanzleramt holte sich Kohl zwei Jahre später trotzdem.

Auch 2002 blieb mehr Spielraum. Damals formierten sich die CDU-Ministerpräsidenten gegen eine Kandidatin Angela Merkel und hoben Edmund Stoiber auf den Schild. Auch Stoiber scheiterte, wenn auch denkbar knapp. Zwei Jahre nach der Wahl hieß die Kanzlerin Angela Merkel.

Söder hat seine Schwesterpartei überrumpelt

Bei aller Härte hatten die Kontrahenten sich Raum zum Ausweichen gelassen. Laschet fehlt dieser Platz. Denn Söder zieht mit einer Brutalität ins Feld, die ihresgleichen sucht in der Geschichte der Union. Er hat seine Schwesterpartei überrumpelt. Jetzt drückt er ihr die Luft ab. Wozu das sinnvoll sein soll, weiß er wohl nur allein. Es mag sein, dass Söder seine Kandidatur erzwingt. Es wäre ein Pyrrhussieg. Denn dazu muss er Laschet demontieren und die Führungsgremien der CDU gleich mit. Er muss buchstäblich über Leichen gehen. Das tut er.

Damit destabilisiert er die Union, bringt er weite Teile der Partei gegen sich auf, die er braucht, will er die Wahl gewinnen. Entschieden wird sie nicht in Bayern, sondern in Nordrhein-Westfalen oder Hessen. Dass sich die CDU dem Diktat Söders unterwirft wie die CSU, konnte Söder bisher schon kaum erwarten. Und jetzt erst recht nicht mehr.

Denn nicht nur in der CDU-Führung registrieren sie, wie skrupellos Söder vorgehen und wie wenig sein Wort wert sein kann, wenn es ihm um die Macht geht. Das ist keine Basis für eine Zusammenarbeit. Auch sein Schielen auf die Umfragen als alleinigem Wert schreckt sie ab. Umfragen sind flüchtig. Für die Kanzler der Union gilt, dass sie dem eigenen Wertefundament und dem ihrer Partei folgen, der demokratischen Stabilität wegen. Söder rückt davon ab. Das wirkt weit über den Tag hinaus.

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