Wie sich der heftige Winter erklären lässt

Wo ist er denn jetzt, der Klimawandel? Warum auch das Schneechaos die Erderwärmung belegt

Alexander Jungkunz

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3.12.2023, 14:55 Uhr
Nichts ging mehr: Ein eingeschneiter Zug am Hauptbahnhof München.

© Karl-Josef Hildenbrand, dpa Nichts ging mehr: Ein eingeschneiter Zug am Hauptbahnhof München.

Nun spotten viele in den sozialen Netzwerken: Wo ist er denn, euer Klimawandel? Wenn Süddeutschland im Schnee erstickt, wenn keine Züge mehr fahren und keine Flugzeuge fliegen, wenn ein Bundesligaspiel abgesagt werden muss, wenn davor gewarnt wird, das Haus zu verlassen: Ein so heftiger Wintereinbruch ist doch ein klarer Gegenbeweis für die Klima-Hysterie in Deutschland, argumentieren sie. Klingt erst mal schlüssig.

Und sie kramen ein Zitat des Klimaforschers Mojib Latif hervor, der im Jahr 2000 prognostiziert hatte: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“, sagte der Wissenschaftler des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie damals. Da lohnt sich dann doch der genauere Blick. Zum einen ergänzte Latif später, er sei verkürzt wiedergegeben worden: Sein Blick richtete sich auf einen späteren Zeitraum. „Nach 2050 wird in Norddeutschland vermutlich kaum noch Schnee fallen“, sagte er 2003. Und weiter: „Weiße Weihnachten gibt es in Deutschland dann nur noch in den Alpen von 1500 Meter an.“

Zum anderen ist das, was da nun am Freitag und Samstag vor allem in Südbayern zu erleben und teils auch zu erleiden war, eben auch: Extremwetter. So wie der häufiger auftretende Starkregen, diesmal nur in Form von Schnee. Massive Niederschläge binnen kurzer Zeit. Wie die ebenfalls öfter eintretenden Dürren eine Begleiterscheinung der Erderwärmung.

Das Jahr 2023 brach reihenweise Klimarekorde

Und die steigt gerade im zu Ende gehenden Jahr dramatisch. Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Dubai legten die Vereinten Nationen einen vorläufigen Bericht vor. Demnach brach 2023 reihenweise Klimarekorde - und wird vermutlich das wärmste Jahr seit Beginn der Industrialisierung. Der Chef der Weltwetterorganisation WMO sprach von einer „ohrenbetäubenden Kakophonie gebrochener Rekorde“. Die seien „mehr als nur Statistiken“, so Petteri Taalas. „Wir drohen den Wettlauf um die Rettung unserer Gletscher und die Begrenzung des Meeresanstiegs zu verlieren.“

Die Schneemassen rund um München reihen sich da ein. Sie entstehen deshalb in so großen Mengen, weil in diesem sehr warmen Jahr auch die Meerestemperaturen im Mittelmeer und im Atlantik alarmierend hoch sind. Daher laden sich Tiefdruckgebiete mit mehr Feuchtigkeit auf als sonst. Und diese Massen entladen sich dann vor dem Stauriegel der Alpen bei Minustemperaturen eben als Schnee.

Vielfacher Handlungsbedarf

Wer da über Klimaforscher spottet, verdrängt also eine immer offensichtlichere Realität, die leider keineswegs dadurch verschwindet, dass man sie ausblendet. Der Handlungsbedarf beim Klima wächst. Er hat Folgen hierzulande - siehe die Schäden durch Starkregen oder nun auch massiven Schneefall. Und weltweit ohnehin - weil Regionen unbewohnbar werden und Klima-Flucht zwangsläufig zunimmt.

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