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Zwölf Unterstützer mutmaßlicher rechter Terrorzelle festgenommen - Drei davon aus Bayern

Bundesgerichtshof entscheidet am Samstag über mögliche Haft - 14.02.2020 17:28 Uhr

Die Ermittler hatten an insgesamt 13 Orten in ganz Deutschland Wohnungen und andere Räume durchsucht. © Edgar Pfrogner


Zwölf Männer - drei davon aus Bayern - sind am Freitag festgenommen worden, weil sie im Verdacht stehen, eine rechte Terrorzelle gegründet beziehungsweise unterstützt zu haben. Davor hatte es Razzien in sechs Bundesländern gegeben. Der Generalbundesanwalt ließ danach vier mutmaßliche Mitglieder und acht mutmaßliche Unterstützer festnehmen. Insgesamt stehen fünf mutmaßliche Rechtsextremisten im Verdacht, Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime ins Auge gefasst zu haben, einer von ihnen blieb aber zunächst auf freiem Fuß.

Alle Festgenommenen sind Deutsche und Männer, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Sie sollen am Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) vorgeführt werden. Dieser entscheidet, ob die Verdächtigen in Untersuchungshaft kommen oder jemand möglicherweise wieder freigelassen werden muss.

Gruppierung existiert seit 2019

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Männer mit ihren Anschlägen bürgerkriegsähnliche Zustände auslösen wollten - mit dem Ziel, "die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu erschüttern und letztlich zu überwinden". Die Idee von den Anschlägen sei aber noch nicht näher konkretisiert worden.

Die Gruppierung soll sich im September 2019 gegründet haben. Die fünf Beschuldigten hätten sich in unterschiedlichen Besetzungen mehrfach persönlich getroffen, hieß es weiter. Einer von ihnen, Werner S., habe diese Treffen anberaumt und koordiniert. Ein anderer, Tony E., habe ihn dabei einige Male unterstützt. Außerdem hätten sich die Männer in Chatgruppen und am Telefon ausgetauscht. Die acht mutmaßlichen Unterstützer sollen zugesagt haben, mit Geld zu helfen, Waffen zu beschaffen oder an künftigen Anschlägen mitzuwirken.


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Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatten sich die Akteure im Internet kennengelernt. Er gab in Düsseldorf auch bekannt, dass im Zusammenhang mit den Razzien ein Verwaltungsmitarbeiter der NRW-Polizei suspendiert worden sei.

Ermittler fanden bei Durchsuchung belastendes Material

Die Ermittler hatten in den Morgenstunden zugeschlagen und an insgesamt 13 Orten in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt Wohnungen und andere Räume durchsucht. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bundesanwaltschaft für Festnahmen aber noch nicht genug in der Hand. In einer ersten Mitteilung war von einem Anfangsverdacht die Rede.

Ein Anfangsverdacht reicht nicht aus, um einen Haftbefehl zu beantragen. Die Ermittler konnten deshalb nur hoffen, bei den Durchsuchungen belastendes Material wie Waffen zu finden oder einen der aufgeschreckten Beschuldigten zum Reden zu bewegen.

Das ist offensichtlich geglückt: "Auf Grundlage der aktuellen Ermittlungsergebnisse haben sich die Verdachtsmomente gegen die Beschuldigten erhärtet", teilte die Bundesanwaltschaft am frühen Nachmittag mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Nach dpa-Informationen wurden mehrere Waffen gefunden. Das berichtete auch der "Spiegel".


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Auch das Alter der Männer wurde nicht mitgeteilt. Laut SWR und ARD-Hauptstadtstudio ist der Jüngste 20 und der Älteste 50 Jahre alt.

Werner S. stammt nach dpa-Informationen aus dem Kreis Augsburg. Die anderen drei Hauptverdächtigen kommen demnach aus Baden-Württemberg (Landkreis Esslingen), NRW (Kreis Minden-Lübbecke) und Niedersachsen (Landkreis Uelzen). Die Federführung für die Durchsuchungen hatte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg.

"Nährboden von Hass und Gewalt bekämpfen"

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) erklärte, die Festnahmen und Durchsuchungen hätten einmal mehr gezeigt, "dass es in unserem Land eine sehr besorgniserregende rechtsextremistische und rechtsterroristische Bedrohung gibt. Wir müssen besonders wachsam sein und mit aller Entschiedenheit gegen diese Bedrohung vorgehen." Das habe die Bundesanwaltschaft am Freitag getan. Gleichzeitig bleibe es wichtig, den Nährboden von Hass und Gewalt zu bekämpfen.

Die Vorwürfe gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen erinnern stark an diejenigen gegen die Gruppierung "Revolution Chemnitz". Auch sie organisierte sich in einer Chatgruppe, auch hier war von Anschlägen auf Ausländer und politisch Andersdenkende die Rede. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass diese Planungen in ein "symbolträchtiges Geschehen" am Tag der Deutschen Einheit 2018 in Berlin münden sollten. Derzeit stehen die acht Männer aus der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene in Dresden vor Gericht.

Sicherheitsbehörden schätzen die Bedrohung durch rechten Terror im Moment so hoch ein wie lange nicht mehr. Alarmiert durch die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) und den Anschlag auf eine Synagoge in Halle hatte die Bundesregierung mehr Anstrengungen auf dem Gebiet angekündigt. Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz wurden zusätzliche Stellen bewilligt.

Auch die Bundesanwaltschaft hat sich verstärkt - und will rechtsterroristische Bestrebungen nach Möglichkeit schon im Keim ersticken. Gerade in diesem Bereich habe sich gezeigt, "wie wichtig es ist, schon früh bei Vorfeldstraftaten - noch bevor Menschen zu Schaden kommen - einzugreifen", sagte Generalbundesanwalt Peter Frank erst kürzlich beim Jahrespresseempfang seiner Behörde.

Der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser beantragte, zu den aktuellen Ermittlungen müsse dem Innenausschuss des Bundestages ein Bericht vorgelegt werden. Die Gefahr sei weiterhin hoch.

dpa

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