Zu gut für die Tonne

Abgelaufene Lebensmittel? Diese zehn Produkte können Sie trotzdem noch essen

22.10.2021, 17:03 Uhr
Nicht nur das Mindesthaltbarkeitsdatum sondern vor allem die Aufbewahrungshinweise sollten beachtet werden.

Nicht nur das Mindesthaltbarkeitsdatum sondern vor allem die Aufbewahrungshinweise sollten beachtet werden. © Liesa Johannssen/photothek.net

Wer hat noch nie ein Lebensmittel in der Speisekammer ablaufen lassen? Egal wie viel Aufmerksamkeit wir darauf legen können, es ist selbst den organisiertesten und methodischsten Menschen wenigstens einmal passiert: Die Tür des Küchenschranks geöffnet und eine Packung ranziger Brötchen oder eine Flasche klumpiger Milch werden gefunden.

Und hier sind die Reaktionen am unterschiedlichsten. Es gibt diejenigen, die die Tage zählen, die seit dem Mindesthaltbarkeitsdatum vergangen sind, um dann alles wegzuwerfen, oder diejenigen, denen es einfach egal ist und das Produkt trotzdem verwenden. Den Daten entsprechend wissen nur die wenigen, dass manche Lebensmittel auch Wochen nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum verzehrt werden können. Jedes Jahr landen rund 75 kg Lebensmittelabfälle pro Bürger im Müll. Circa 6 Mio. Tonnen in den privaten Haushalten werden in Deutschland weggeworfen (Quelle: Verbraucherzentrale, 21.04.21).

Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist nicht gleich das Verbrauchsdatum. Unter Mindesthaltbarkeitsdatum versteht die Verbraucherzentrale "den Zeitpunkt, bis zu dem der Hersteller garantiert, dass das ungeöffnete Lebensmittel bei durchgehend richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften, wie Geruch, Geschmack und Nährwert behält". Nur bei Lebensmitteln mit einer Haltbarkeit von weniger als drei Monaten muss der Tag und der Monat auf dem Etikett stehen. Bei Lebensmitteln mit einer Haltbarkeit von drei bis 18 Monaten sind Monat und Jahr anzugeben, während bei Lebensmitteln mit einer Haltbarkeit von mehr als 18 Monaten die Angabe des Jahres genügt.

Für bestimmte Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse, Wein, alkoholische Getränke, Kaugummi, Zucker, Speisesalz oder Essig gibt es kein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Im Vergleich zum MHD ist das Verbrauchsdatum besonders für schnell verderbliche Lebensmittel vorgeschrieben - wie Hackfleisch und frischen Fisch.

Aber gehören abgelaufene Lebensmittel zwangsläufig in den Müll? Nein, nicht unbedingt. Das erklärt die Verbraucherzentrale: "Wurde die original verschlossene Verpackung richtig gelagert, ist das Produkt auch häufig nach dem 'abgelaufenen MHD' noch zu genießen und nicht automatisch verdorben."

Lebensmittel retten: Die Idee eines Ingenieurs aus England

Dass das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Wegwerfdatum ist, hat ein kluger Ingenieur aus Sheffield, Großbritannien, für sich entdeckt und zum erfolgreichen Geschäft gemacht. Dan Cluderay hat zusammen mit seinem Geschäftspartner Andy Needham bereits 2009 das Unternehmen "Approved Food" mit der Idee gegründet, Lebensmittel in großen Mengen von Großhändlern und Supermärkten zu kaufen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht oder bereits überschritten ist, um sie an Kunden weiter zu verkaufen.

Cluderay ist der Ansicht, dass viele verpackte Lebensmittel auch nach dem angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum noch gut zu essen sind - sogar einige Monate später, wie im Fall von getrockneten Produkten wie Hülsenfrüchten.

Um die Öffentlichkeit über den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum zu sensibilisieren, hat Dan Cluderay auf der Webseite seiner Firma eine Liste von zehn Lebensmitteln veröffentlicht, die seiner Meinung nach auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum gegessen werden können - natürlich nur dann, wenn sie noch verschlossen sind. Diese sind:

1- Chips

Aufgrund des überhöhten Salzgehalts können Chips über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus bedenkenlos verzehrt werden.

2- Ketchup und ähnliche Saucen

Ketchup und ähnliche Saucen sind verpackt und kühl aufbewahrt noch ein Jahr nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum haltbar.

3- Schokolade

Aufgrund des enthaltenen Zuckers kann Schokolade weit über das auf der Verpackung aufgedruckte Datum hinaus verzehrt werden.

4- Joghurt

Es mag seltsam erscheinen, aber selbst dieses Produkt hat eine Lebensdauer von sechs Wochen länger als das Mindesthaltbarkeitsdatum. Das Problem besteht jedoch darin, dass die Milchsäurebakterien zu diesem Zeitpunkt ihre Wirksamkeit vollständig verloren haben.

5- Milch

Cluderay argumentiert, dass auch Milch, solange sie nicht schlecht riecht, klumpig oder eingedickt erscheint, sicher konsumiert werden kann.

6- Harter oder gereifter Käse

Beim Thema "Käse" gehen die Meinungen auseinander. Während einige die Schimmelstellen auf dem Käsestück entfernen und den Rest verbrauchen, glauben andere, dass der Schimmel in gewisser Weise in das Innere des Käses übergeht und in den Müll gehört.

Tatsächlich sind Hartkäsesorten wie Parmesan ein Sonderfall. Wenn der Schimmelfleck nur oberflächlich befällt, kann der Käse noch zu retten sein. In diesem Fall kann man die Stelle einfach großflächig wegschneiden.

7- Brot

Auch beim Brot ist auf Schimmel zu achten. In diesem Fall ist es wegzuwerfen. Ansonsten kann trockenes Brot etwas erhitzt oder gerieben werden, um es zu anderen Zubereitungen zu geben.

8- Eier

Um feststellen zu können, ob Eier noch gut sind, können Sie auf folgenden Trick zurückgreifen. Legen Sie das Ei ins Wasser. Schwimmt es an der Oberfläche? Es muss weggeworfen werden. Bleibt es am Boden liegen? Das Ei ist immer noch gut.

9- Reis und Pasta

Weitere Lebensmittel, die lange halten, auch Jahre nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum, sind Reis und Pasta. Beide Produkte haben in der Regel ein Mindesthaltbarkeitsdatum von etwa zwei Jahren, allerdings können sie bei richtiger Lagerung noch einige Monate später verzehrt werden.

10- Obst und Gemüse

Gut konserviert und noch knackig können Obst und Gemüse auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verzehrt werden.

Die Aufbewahrung ist das Geheimnis

Obwohl manche Produkte auch nach Ablauf des MHD konsumiert werden können, macht die Art der Aufbewahrung oft einen Unterschied. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob die Lebensmittel noch gut sind, verlassen Sie sich auf die eigenen Sinne: Riecht es komisch? Hat es sich verfärbt? Ist Schimmel erkennbar?

Wenn es um bereits geöffnete Lebensmittel geht, gilt das MHD nicht mehr, denn die spezifischen Eigenschaften des Produkts können nach dem Öffnen der Verpackung nicht mehr gewährleistet werden. Nach dem Öffnen der Verpackung können nämlich Feuchtigkeit und Mikroorganismen dafür sorgen, dass das Lebensmittel schneller verdirbt. Genau deshalb ist wärmstens empfohlen, auf die Hinweise über die Lagerbedingungen auf der entsprechenden Lebensmittelverpackung zu achten.

Generell müssen Lebensmittel, die im Kühl- oder Gefrierschrank gelagert werden, die sogenannte "Kühlkette" einhalten. Das heißt vom Hersteller bis zum Verbraucher dürfen sie weder aufgetaut oder wieder eingefroren, noch hohen Temperaturen ausgesetzt werden, da sonst die Lebensmittel verderben würden.

Anders sieht es bei frischen Lebensmitteln aus: Fleisch zum Beispiel muss immer im Kühlschrank aufbewahrt und innerhalb von zwei Tagen verzehrt werden. Fisch hingegen sollte in dem Fach des Kühlschranks mit der niedrigsten Temperatur aufbewahrt und innerhalb von 24 Stunden gegessen werden. Obst und Gemüse müssen in die speziellen Schubladen des Kühlschranks gelegt werden, um den Kontakt mit anderen Lebensmitteln zu vermeiden. Sie sind besonders leicht verderblich und sollten daher möglichst bald verzehrt werden, auch weil einige der Vitamine recht schnell oxidieren.

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